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Masters in Augusta:In Gedanken beim Tiger

Golf - The Masters 2001 Vijay Singh hilft Tiger Woods ins Green jacket , Augusta Georgia U S A *** Golf The Masters 200; imago 0031576320

Ein Moment, der bis heute Tiger Woods' Schaffen definiert: Vorjahresgewinner Vijay Singh hilft vor 20 Jahren dem damals 25-Jährigen in das Sieger-Jackett beim Masters in Augusta.

(Foto: Sammy Minkoff/Imago)

Vor dem Masters in Augusta werden neue Details zum Autounfall von Tiger Woods bekannt. Seine Genesung beschäftigt die Golfer vor Turnierstart nachhaltig.

Von Felix Haselsteiner

Es gab auch an diesem 8. April 2001 einige wenige Momente, die nahelegten, dass Tiger Woods wahrhaftig ein irdisches Wesen ist. In denen man erkennen konnte, dass der Weg zum Erfolg auch für ihn harte Arbeit war, dass er Fehlschläge verkraften und Schlagverluste hinnehmen musste. Dass er vielleicht sogar einmal wenige Augenblicke lang den Druck seiner Gegner spüren konnte, bevor er ihn wieder ausblendete und Antworten fand. Woods ließ diese Unsicherheiten jedoch zu Makulatur werden. In Erinnerung bleiben die Schläge, mit denen er zeigte, dass er seine Sportart neu definieren konnte, etwa auf Loch 18, als Woods auf der finalen Bahn des Masters vor zwanzig Jahren seine Konkurrenz völlig entgeistert zurückließ und den Ball 300 Meter weit bergauf schlug - in der Geschichte des Augusta National Golf Club hatte das noch niemand geschafft.

Jener Sonntag im Frühling 2001 definiert bis heute Woods' Schaffen. Die 82 Siege auf der PGA Tour, die ihn gemeinsam mit Sam Snead zum erfolgreichsten Spieler der Historie machen; die 15 Major-Siege, die nur Jack Nicklaus (18) übertrumpft, das alles sind beeindruckende Zahlen. Doch als Woods damals als amtierender Sieger der British Open, US Open und des PGA Championship in Führung auf die Schlussrunde ging, wusste er, dass er die historischen Figuren hinter sich lassen konnte: an jenem Tag gewann Eldrick Tont Woods das Masters und schaffte damit etwas, was heute als "Tiger Slam" bekannt ist: In der modernen Ära des Golfsports ist er der einzige Sportler, der alle vier Major-Titel zum selben Zeitpunkt innehatte.

"Erst als ich keine Schläge mehr hatte, die ich spielen konnte, habe ich realisiert, was ich erreicht hatte", sagte Woods einmal im Rückblick auf das Turnier vor 20 Jahren. Ein Satz, der sich auf seine gesamte Karriere anwenden lässt. Solange Woods Golf spielte, war er nahezu unfehlbar, beherrschte die schwierigsten Plätze und herausforderndsten Gegner - und stets auch sich selbst. Es waren die Dinge abseits des Golfplatzes, mit denen er sich auf negative Weise ins Rampenlicht katapultierte. 2009 wurde bekannt, dass er seine Ehefrau jahrelang mit anderen Frauen betrogen hatte, im Mai 2017 wurde er unter Einwirkung von starken Medikamenten am Steuer seines Autos in Florida verhaftet.

Ein neues Detail zu seinem Unfall: Woods war bis zu 70 km/h zu schnell

Und am 23. Februar 2021 war es wieder nicht der Sport, der Woods in die Schlagzeilen brachte. Auf dem Hawthorne Boulevard bei Los Angeles fuhr der 45-Jährige an jenem Tag zu einem Pressetermin mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit, wie sich nun herausgestellt hat. Woods' Auto, ein geliehener SUV eines Sponsors, überschlug sich mehrmals, mit schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen wurde er ins Krankenhaus eingeliefert und dort an beiden Beinen operiert. Eine Geschwindigkeit von bis zu 87 Meilen pro Stunde - umgerechnet rund 140 km/h - habe Woods bei seinem Unfall gehabt, auf einer Strecke, die nicht nur berüchtigt für viele Unfälle ist, sondern auf der ein Tempolimit von 45 Meilen pro Stunde (rund 70 km/h) gilt. "Es gibt kein Anzeichen für einen Bremsvorgang während des Unfalls", sagte James Powers, der örtliche Captain des Sheriffsbüros, unlängst bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts, der nun kurz vor dem 20. Jahrestag des größten Karriereerfolgs von Woods die Schlagzeilen bestimmt.

Da es mehrere Wochen gedauert hatte, bis mehr Details über den Unfallhergang bekannt wurden, waren in amerikanischen Medien Spekulationen aufgekommen, die von Polizeiseite nun jedoch abgewiesen wurden: Es lägen keine Indizien vor, dass Alkohol, Medikamente oder Drogen im Spiel gewesen seien, sagte Powers. Eine Beschlagnahmung der Blutproben im Krankenhaus sei daher nicht notwendig, dafür brauche es klare Indizien, um aufgrund eines "probable cause" ermitteln zu können.

Woods erholt sich aktuell in Florida und macht dort offenbar Fortschritte in der Reha, wie Rory McIlroy bei einer Pressekonferenz berichtete. Der Golfprofi aus Nordirland lebt in Jupiter in derselben Nachbarschaft wie Woods und besuchte ihn zuletzt: "Wenn du von so etwas hörst und du das Auto und den Unfall siehst, dann denkst du: Mann, er wird für sechs Monate in einem Krankenhausbett sein", sagte McIlroy. Das sei jedoch nicht der Fall, Woods sei wieder mobiler. Justin Thomas, der Woods als seinen Mentor bezeichnet, berichtete von einem regen Kurznachrichten-Austausch vor dem diesjährigen Masters: "Er ist enttäuscht, dass er nicht hier sein kann mit uns und die Proberunden spielen kann." McIlroy schürte gar Hoffnungen auf ein Comeback: "Hoffentlich, wenn seine Erholung gut geht, wer weiß, er könnte in zwölf Monaten zurück sein." Woods selbst hat sich zu einer möglichen Rückkehr noch nicht geäußert.

Sein Platz: Woods schreitet vor seinem Triumph 2019 auf der letzten Runde über das Grün in Augusta. An Loch 18 haben sie vor 20 Jahren seinetwegen sogar den Abschlag verändert.

(Foto: Don Emmert/AFP)

Nach mehrfachen Beinfrakturen noch einmal auf das sportliche Niveau zurückzukehren, um das Masters spielen zu können, mag unmöglich erscheinen - wäre es nicht Woods. Die Krisen abseits des Platzes waren eine Sache, seine gesundheitlichen Probleme der Kern seiner sportlichen Enttäuschung zwischen 2014 und 2018. Woods rutschte damals aus den Top-1000 der Weltrangliste, er konnte kaum gehen, solche Schmerzen bereitete ihm seine Wirbelsäule. Aus einem Gespräch mit Freunden ist der Satz "I'm done" überliefert, den er im April 2017 gesagt haben soll. Damals konnte Woods nicht nur nicht am Masters teilnehmen, es hatte den Anschein, als wäre seine Karriere zu Ende. Zwei Jahre später gewann er seinen 15. Major-Titel, wieder beim Masters, es war der Höhepunkt einer unvorstellbaren Rückkehr.

Doch selbst wenn Woods es nach seinem Unfall nicht erneut schaffen sollte, ganz nach oben oder überhaupt zurückzukehren - sein Vermächtnis hat er längst erschaffen. Golf wäre ohne Tiger Woods heute ein anderer Sport, das zeigt sich bis in die kleinen Details. Loch 18 in Augusta wurde noch im Herbst 2001 als Reaktion auf Woods' 300-Meter-Abschlag umgestaltet - und um 59 Meter verlängert.

© SZ/jkn
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