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Thomas Müller im Gespräch:Die letzten Zuckungen

FC Bayern: Trainingslager

Der 15-Millionen-Mann ist da

SZ: Wie haben Sie das bemerkt, sein Vertrauen? Vor einem Jahr hieß es noch, einige Spieler hätten Angst vor van Gaal.

Müller: Ach, so wie er rede ich ja auch ganz gern. Er will gewisse Reibung erzeugen, deswegen bevorzugt er seine Art des Austauschs. Ich mag seine direkte Art sehr gerne, da sind wir uns ähnlich.

SZ: Sie, aber auch andere Spieler haben sich in den kritischen Herbstwochen ungewöhnlich offensiv für den Trainer ausgesprochen. Aus Dankbarkeit?

Müller: Nein, es gab da unter uns keine Absprache, aber jeder hat, glaube ich, ganz bewusst den Trainer gestärkt. Sie hätten jeden Spieler einzeln unabhängig voneinander befragen können, und jeder hätte Ihnen gesagt, wie sehr er von ihm und seiner Philosophie überzeugt ist. Natürlich gibt es in einem 25er-Kader Unzufriedenheit von Spielern, die mal nicht spielen. Aber selbst solche Kollegen wie Hamit Altintop oder sogar Martin Demichelis haben trotzdem positiv über den Trainer geredet. Und wenn Sie mal sehen, was hier in Doha im Trainingslager passiert, wie Gas gegeben wird: Diese Mannschaft arbeitet sehr gerne mit diesem Trainer zusammen.

SZ: Hatten Sie keine Sorge, als Präsident Hoeneß scharfe Kritik übte und es eng um den eigenwilligen Trainer stand?

Müller: Eigentlich nicht, und nach der Vertragsverlängerung hatte ich dann auch das Gefühl, dass die Vereinsführung auf ihn baut. Darüber waren wir alle sehr froh, und auch den Trainer hat es gefreut, dass er die Unterstützung der gesamten Mannschaft hatte. Deshalb gab es zwischen Spielern und Trainer nie einen Knacks, von dem gesprochen wurde.

SZ: Dann müssten Sie van Gaal eigentlich überreden, ähnlich lange zu bleiben wie Sie und die anderen, die jetzt so langfristige Verträge unterzeichnet haben.

Müller: Ich denke, wenn es hart auf hart kommt, kann man da vielleicht was machen. Allerdings schlaucht das hier in München sicher mit dem Druck, und ich glaube nicht, dass man zehn Jahre Trainer von Bayern sein kann, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen.

SZ: Sie sind mit 21 Jahren Teil der Generation Lahm/Schweinsteiger, die allmählich die Generation Ballack ablöst. Welche Unterschiede gibt es?

Müller: Fußballerisch ist das sicher ein Niveau. Ich denke aber, auch ein Michael Ballack hat als junger Spieler mal andere Zeiten erlebt, in denen es schwerer war, sich in Mannschaften zu integrieren. Es gibt jetzt doch viele junge Trainer, die ihre Philosophie einbringen, mit einer flacheren Hierarchie. Das macht es uns jungen Spielern heute vielleicht einfacher.

SZ: Mit 21 haben Sie schon sehr viel erreicht. Was soll da noch kommen?

Müller: Ich möchte mich festbeißen, auf ganz hohem Niveau. Ich will in zehn Jahren sagen, ich habe ein Jahrzehnt immer ganz oben gespielt, und mein Körper hat's ausgehalten, und mein Kopf zum Glück auch. Das ist mein Hauptziel.

SZ: Dann reisen Sie 2022 wieder nach Katar, zur Wüsten-WM?

Müller: Ja, nach der Wahl habe ich das für mich sofort fest angepeilt. Das könnten dann die letzten Zuckungen bei mir auf dem Niveau werden. Aber bis dahin kommen noch ein paar harte Winter.