Tennisturnier in München:Haas schwärmt von Stich

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Haas of Germany hits a return to Djokovic of Serbia during their men's singles quarter-final match at the French Open tennis tournament in Paris

Schwärmt von Michael Stich: Tommy Haas (Achivbild)

(Foto: REUTERS)

Statt nur über seine Schulter spricht Tommy Haas beim Tennisturnier in München auch über Überraschendes. Der pfiffige Stratege stichelt gegen den Deutschen Tennisbund und macht sich für Michael Stich als neuen Präsidenten stark.

Von Gerald Kleffmann

Natürlich ging es auch um die Schulter, dieses Thema gehört zu Tommy Haas wie der schiefe Turm zu Pisa. Also sprach der deutsche Tennisprofi darüber, wie sehr er sich auf die Titelverteidigung in München freue, gerade nach seiner kurzen Auszeit zur Regeneration der geschundenen Körperstelle. Die Eltern, die Schwestern, der Schwager, sie leben hier, die Gattin fliegt samt Tochter an diesem Dienstag aus den USA ein. Haas und die BMW Open - das ist stets ein stimmiges Duo gewesen.

Da stört es nicht mal, dass er seit Jahren zu den selben Themen Stellung nehmen muss. Wie lange er spiele, ob er sich mit dem Rücktritt beschäftige, Haas hat das tausend Mal gehört.

Der Stand? Ach. Er, der nun 36-Jährige, schaue "von Woche zu Woche", eine Operation komme nicht in Frage, "da könnte ich gleich den Schläger an die Wand hängen". Und ja, wenn er aufhöre, wolle er nicht wie etwa Boris Becker den Fehler machen und ganz mit Sport aufhören, die zwei hatten sich darüber jüngst in Melbourne ausgetauscht. Es wäre alles wirklich wie immer gewesen, hätte Haas nicht von sich aus Themen angeschoben.

Spannende Themen. Vielleicht werden sie gar demnächst die Zukunft des Deutschen Tennis, zumindest aber die des Deutschen Tennis Bundes (DTB) beeinflussen.

Haas, der gewiefte Stratege, hat am Ende eine Wahlkampfrede gehalten, zu der er in bester PR-Manier die Steilvorlage geliefert hat. Am Wochenende hatte er die DTB-Spitze um Präsident Karl-Georg Altenburg kritisiert, dessen Engagement er "halbherzig" nannte. "Ein bisschen DTB-Präsident nebenher ist absoluter Bullshit", sagte Haas der Bams, woraufhin der Konter folgte. "Im Deutschen Tennis Bund steht man durchdachten Vorschlägen sehr positiv gegenüber", hieß es in Altenburgs Mitteilung am Montagmittag, "dazu aber müsste sich Herr Haas vorher mit den Gegebenheiten, den Möglichkeiten und den Strukturen des Verbandes vertraut machen."

Vor allem sei Haas "offenbar entgangen, welche Veränderungen und neuen Vertragsabschlüsse das ehrenamtliche Präsidium gemeinsam mit dem Bundesausschuss auf den Weg gebracht hat, die im Ergebnis bedeuten, dass der DTB mit seinen Partnern wieder in die Zukunft des deutschen Tennis und seine Präsenz in den Medien investiert", so Altenburg. Haas könne sich engagieren, nur: "So allerdings nicht."

Wie pfiffig Haas ist, belegte er sogleich im Anschluss an Altenburgs Kommentar. Nach dem Schildern seiner Wehwehchen verteilte er lässig Spitzen ("man hört immer nur von Sponsoren und sieht nichts") und brachte in Michael Stich eine mächtige Figur im deutschen Tennis in Position: als Nachfolger von Altenburg, der im November nach drei - oft genug umstrittenen - Amtsjahren nicht mehr kandidiert. Haas' klare Botschaft: So allerdings schon!

Nicht einfach "Nein" gesagt

"Er war selbst ein erfolgreicher Spieler und ist dazu ein Geschäftsmann, der in Hamburg einen guten Job macht", schwärmte Haas von Stich. "Ich habe ja nichts gegen Herrn Altenburg. Ich würde mir nur wünschen, wenn sich etwas tun würde. Viele Spieler wünschen sich, dass nach den Diskussionen und Problemen mehr Ruhe einkehrt, und dass dort einer sitzt, der mehr Ahnung vom Tennis hat." Ergo: "Stich wäre einer meiner Favoriten. Es würde keinen Besseren geben."

Der frühere Wimbledonsieger verantwortet heute das Hamburger ATP-Turnier und wollte die Eloge nicht groß kommentieren, der 45-Jährige sagte auf SZ-Anfrage nur: "Es ist nun die Aufgabe des Bundesausschusses, ein Nachfolgepräsidium zu finden." Interessant. Stich hätte ja mit einem "Nein" die Debatte leicht abwürgen können.

Ein Argument, womit Stich, der ein Ehrenamt schon mal ausschloss, zu ködern wäre, lieferte Haas bereits: Das Präsidentenamt sollte "ein Job sein, der fulltime ist und bezahlt wird", sagte der in München an Nummer zwei Gesetzte. Dass er dieses Jahr hier spielt, ist nicht selbstverständlich, 2013 hatte noch Carl-Uwe Steeb die Veranstaltung verantwortet, ehe seine Agentur pleite ging. Haas wartet wie viele seitdem auf Geld, "ob Charly ein guter Geschäftsmann ist, weiß ich nicht", sagte Haas trocken. Grundsätzlich aber hoffe er, dass es für die nächste Generation im deutschen Tennis wieder in die richtige Richtung gehe.

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