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US Open:Eine Botschaft an alle Mütter

Serena Williams

Darf während der US Open in einem Mietshaus nächtigen: Turnierfavoritin Serena Williams.

(Foto: AP)

Von Williams bis Asarenka: An den US Open nehmen neun Spielerinnen teil, die bereits Kinder haben. Sie profitieren davon, dass sich in der Tenniswelt in kleinen Schritten etwas ändert.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Der Tennisschläger von Garbiñe Muguruza hatte nicht die geringste Chance aufs Weiterleben, obwohl er sich wirklich tapfer gewehrt hatte. Er war intakt geblieben, als ihn die Spanierin zu Boden gehämmert und über den kompletten Platz geschleudert hatte; am Ende des ersten Satzes jedoch, da gab er sich seinem Schicksal hin und zerbrach an genau der Stelle, die Herz genannt wird. Es zerbrach in diesem Moment, das war deutlich zu sehen, auch etwas in Muguruza, sie hatte danach überhaupt keine Chance mehr in einer Partie, die sie davor weitgehend dominiert hatte. Sie verlor 5:7, 2:6, und mindestens so interessant, wie das passieren konnte, war: gegen wen.

Auf der anderen Seite des Netzes stand Tswetana Pironkowa aus Bulgarien, die vor den US Open drei Jahre lang kein Match absolviert hatte und in der Weltrangliste derzeit nicht geführt wird. Sie wird von Tennisfans verehrt aufgrund ihrer aggressiven und ausgebufften Spielweise, die gerade auf schnellen Plätzen wie jenen in Flushing Meadows in diesem Jahr zu spektakulären Szenen und bei Erfolg zu erstaunlichen Brüchen in Partien führt. Gefürchtet wird sie vor allem von Top-Spielerinnen, in den 13 Jahren ihrer Profikarriere (von denen sie nur zehn gespielt hat) schaffte sie es zwar nie über Weltranglistenplatz 31 hinaus - der Sieg gegen Muguruza indes war bereits der 21. gegen eine Top-20-Spielerin.

Der Grund für die drei Jahre dauernde Pause: ihr Sohn. "Ich wollte mir die Zeit nehmen, diese Erfahrung voll auszukosten. Ich war davor mehr als zehn Jahre lang andauernd unterwegs, ich war müde", sagt Pironkowa, die während der Babypause das Unternehmen Pironec gründete, das Wohlfühlklamotten für Sportlerinnen herstellt. Das Leben war gut zu ihr, und doch fehlte ihr bei aller Zufriedenheit was: "Manchmal braucht man eine Herausforderung, um wieder frisch zu werden und sich weiterzuentwickeln. Ich kann jetzt schon sagen: Es hat sich gelohnt."

"Mein Leben hat erst begonnen, als ich Mutter wurde", sagte Asarenka

Pironkowa, die am Finaltag der Frauen in einer Woche ihren 33. Geburtstag feiern wird, ist eine von neun Müttern bei diesen US Open. Die berühmteste ist freilich Serena Williams (USA), die ihre Zweitrundenpartie am Donnerstag locker gewann und bei diesem Turnier siegen soll. So sieht es zumindest die Dramaturgie der Veranstalter vor, die Williams stets am kühleren Abend spielen und sie entgegen des ursprünglichen Sicherheitsprotokolls in einem Mietshaus nächtigen lassen. Williams sagt über die Privilegien, die sich sich aufgrund ihrer Erfolge verdient hat: "Ich brauche diese Ruhe und Gelassenheit, um ordentlich spielen zu können."

Williams könnte mit ihren 24. Grand-Slam-Titel nicht nur mit Margaret Court gleichziehen, sie wäre nach Court (Australian Open 1973), Evonne Goolagong (Australien, Wimbledon 1980) und Kim Clijsters (US Open 2009) auch die erst vierte Spielerin der Geschichte, die nach der Geburt eines Kindes eines der vier großen Turniere gewinnen würde. Clijsters, 37, war in diesem Jahr nach erneuter, diesmal sieben Jahre langer Pause auch dabei und trotz der Niederlage gegen die gesetzte Ekaterina Alexandrova (Russland) zufrieden: "Es fühlte sich gut an, mal sehen, wie es nun weitergehen wird."

Die anderen Mamis bei den US Open: Kateryna Bondarenko (Ukraine), Patricia Maria Tig (Rumänien) und Olga Gowortsowa (Belarus) und schafften es in die zweite Runde, Tatjana Maria (Deutschland) und Vera Zvonarewa (Russland) verloren jeweils die erste Partie. Die zweimalige Australian-Open-Siegerin Viktoria Asarenka aus Belarus besiegte am Donnerstag ihre auf Platz fünf gesetzte Landsfrau Aryna Sabalenka überraschend deutlich mit 6:1, 6:3.

"Mein Leben hat erst begonnen, als ich Mutter wurde", sagte Asarenka, die in der vergangenen Woche das Turnier in New York gewonnen hatte, nach der Partie: "Es hört nicht auf, man darf als Mutter berufliche Ziele und Träume haben. Das ist die Botschaft, die ich an andere Mütter senden will: Sie sollen tun dürfen, was immer sie wollen." Wegen eines Sorgerechtsstreits (ihr Sohn Leo durfte den US-Bundesstaat Kalifornien nicht verlassen) nahm sie nicht an den US Open 2017 teil, seitdem will sie bessere Bedingungen für Tennismamas schaffen. Das kann Kinderbetreuung bei Turnieren sein, eine Schwangerschaftskollektion für Sportlerinnen oder finanzielle Unterstützung. Tennisprofis sind ja selbständige Unternehmer, bei einer Pause fehlen nicht nur Prämien, sondern bisweilen auch Sponsorengelder, weil in vielen Verträgen tatsächlich nicht vorgesehen ist, dass jemand eine Babypause benötigen könnte. Dagegen kämpft Asarenka, oft mit Erfolg.

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