Fans bei den Australian Open "Hellas, ole, ole, ole!"

So sieht es bei Matches von Stefanos Tsitsipas auf den Tribünen der Australian Open aus.

(Foto: AFP)
  • Mehr als 150.000 Menschen griechischer Herkunft leben in Melbourne - treuherzig wie lautstark unterstützen viele von ihnen bei den Australian Open ihre tennisspielenden Landsleute.
  • Vor allem der talentierte Stefanos Tsitsipas staunt über den Zuspruch. "Die Leute machen Lärm auf dem Platz, um den Spielern Energie mitzugeben", sagt er.
  • Auch Maria Sakkari profitiert von der Lautstärke der Fans.
Von Barbara Klimke, Melbourne

Am dritten Tag der Australian Open hat sich der Melbourne Park in ein Stück Griechenland verwandelt. Von außen war es nicht leicht zu entdecken, aber wer den Kalypso-Gesängen folgte, die engen Treppen zu Court 3 emporstieg und sich umblickte, fand im Inneren ein Sommerpanorama wie auf Mykonos. Die Tribünen strahlten blendend weiß, über den Balustraden hingen blau-weiß-gestreifte Flaggen, auf den Stufen sangen fröhliche Menschen. Sogar der Hardcourt-Tennisplatz in der Mitte leuchtete in Ägäis-blau.

Verantwortlich für diese Strandstimmung war ein junger Mann in der Mitte der Arena mit weißen Hosen, hellblauem Shirt und einem rosafarbenen Tuch in den braunen Locken: Stefanos Tsitsipas, 20 Jahre alt, 1,93 Meter groß, in Athen geboren und mit Talent gesegnet, als habe ihm Göttervater Zeus persönlich Ballgefühl verliehen. Er ist der erste männliche Tennisspieler Griechenlands, der jemals ein Match bei den Australian Open gewinnen konnte, und weil er sich am Mittwoch auch in seiner zweiten Partie gegen Viktor Troicki, einen zwölf Jahre älteren Serben, durchsetzte, darf er sich als der erste Grieche feiern lassen, der beim Grand-Slam-Turnier in Melbourne in der dritten Runde steht.

Tennis Kollaps unter der australischen Sonne
Australian Open

Kollaps unter der australischen Sonne

Andrea Petkovic bricht zusammen, Julia Görges unterliegt überraschend einer fast unbekannten Amerikanerin - nur Mitfavoritin Angelique Kerber hat mit der Hitze keine Probleme.   Von Barbara Klimke

Der Heldenruhm von Tsitsipas, der auf Platz 14 der Weltrangliste aufgestiegen ist, hatte den griechischen Anhang angelockt. Und davon gibt es in Melbourne seit den Zeiten des ersten Goldrauschs reichlich. Die Hauptstadt Victorias hat die größte griechische Gemeinde Australiens, Melbourne fühlt sich heute mit mindestens 150 000 Bürgern, die ihre Wurzeln rund um den Peloponnes verorten, sogar als die Stadt mit dem größten griechischen Bevölkerungsanteil außerhalb Europas.

"Die Leute machen Lärm auf dem Platz, um den Spielern Energie mitzugeben"

Die meisten wohnen heute im südlichen Vorort Oakleigh, und viele hatten sich am Morgen auf den Weg gemacht. Wann immer Tsitsipas mit seinem variantenreichen Spiel und der einhändigen Rückhand, die an Roger Federer erinnert, einen Punkt verbuchte, erhob sich ein Chor in blauen Hemden, um Hymnen anzustimmen. Auch jeder Seitenwechsel wurde gesanglich überbrückt: "Ise sto mialo, Kati magiko, Hellas, ole, ole ole", schallte es durch Court 3. "Hellas, du bist in meinem Herzen": unschwer als Fußball-Hymne zu erkennen, wie die Umsitzenden ihren australischen, des Griechischen nicht mächtigen Landsleuten freundlich erklärten. Als sich Tsitsipas 6:3, 2:6, 6:2 und 7:5 durchgekämpft hatte, wurde ein Banner ("Stefanos der Große") ausgerollt.

Als "ungewöhnlich" beschrieb Tsitsipas die Fußball-Atmosphäre: "Die Leute machen Lärm auf dem Platz, um den Spielern Energie mitzugeben." Er fände das großartig, sagte er, wenngleich es in manchen Situationen irritieren könne. So viel Leidenschaft ist ihm bei seinen Auftritten außerhalb Australien noch nie entgegengeschlagen. Schon gar nicht in Griechenland, wo er als Weltklasse-Tennisspieler tatsächlich einer seltenen Spezies angehört.

Der letzte seiner Landsleute, der im Männerwettbewerb für Furore sorgte, war ein gewisser Nicky Kalogeropoulos, Jahrgang 1945, der sich vor 55 Jahren bis ins Achtelfinale von Wimbledon durchschlug. Nur bei den Frauen hatte Eleni Daniilidou aus Kreta, fünfmalige Turniersiegerin auf der WTA-Tour zwischen 2002 und 2008, bis vor kurzem die Landesfahnen hochgehalten. In Ermangelung eigener Heroen verlegten sich die Griechen kurzerhand darauf, den zyprischen Profi Marcos Baghdatis als Sympathieträger zu adoptieren.