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Sturzpech der deutschen Langläufer:Wo ist Tscharnke?

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"Das war's": Tim Tscharnke kurz nach seinem Sturz

(Foto: AFP)

Das Pech ist treu: Im Teamsprint der Männer verlieren die deutschen Ski-Nordisch-Sportler eine sicher geglaubte Medaille - mal wieder. Die Reaktionen der Betroffenen fallen seltsam lakonisch aus.

Hannes Dotzler machte sich auf den Weg zum Ziel. Es war gut gelaufen bisher im Teamsprint-Rennen, das er mit seinem Langlauf-Kollegen Tscharnke vom SV Biberau bestritt. Er hatte Tscharnke in aussichtsreicher Position auf die letzte Runde geschickt. Tscharnke lief mit dem Finnen Sami Jauhojärvi und dem Russen Nikita Krjukow um die Medaillen. Die anderen Konkurrenten waren schon weit weg, und die Ski liefen gut.

Dotzler, 23, ein Mann für die Zukunft im Skiverbands-Team der deutschen Ausdauerleister, durfte sich schon ein bisschen freuen, auch wenn er gerade nicht sehen konnte, was auf der Strecke geschah. Es sah so aus, als könne er an diesem kühlen Wintertag von Krasnaja Poljana die erste Olympia-Medaille seines Lebens gewinnen.

Dann hörte Hannes Dotzler ein Raunen. Dann sah er, wie der Finne auf die Zielgerade bog. Dann sah er den Russen.

Wo war Tim?

Olympia Sturz statt Medaille
Deutsche Langläufer im Teamsprint

Sturz statt Medaille

Bitterer Nachmittag für die deutschen Langläufer: Tim Tscharnke und Hannes Dotzler haben im Teamsprint eine Medaille fast sicher. Dann wird Tscharnke kurz vor dem Ziel zu Fall gebracht - der Bundestrainer schimpft anschließend auf die Jury. Auch Denise Herrmann und Stefanie Böhler laufen knapp an einer Medaille vorbei.

Das Bild vom verdutzten Tscharnke, wie er im Schnee liegt und seiner sicher geglaubten Medaille nachschaut, gehört in ein paar Monaten bestimmt zur Pflicht für Jahresrückblicke. Es lag so viel drin in diesem Blick des 24 Jahre alten Sport-Zollbeamten aus der Trainingsgruppe des Oberhofer Stützpunkttrainers Cuno Schreyl. Und es passte so gut zu den Unfällen, die gerade den Nordischen im Deutschen Skiverband (DSV) immer wieder widerfahren.

2013 bei der WM im Val di Fiemme bremsten die Langläufer Stock- und Skibrüche. Bei den Sotschi-Spielen markierte ein Sturz des späteren Team-Olympiasiegers Severin Freund den Auftakt der Skispringer von der Normalschanze. Kultcharakter könnte jene Szene vom Dienstag erlangen, in der die Kombinierer Fabian Rießle, Björn Kircheisen und Johannes Rydzek so ungestüm in eine Kurve stürmten, dass sie sich gegenseitig aus dem Rennen nahmen.

Nordische Kombination

Gerangel auf den letzten Metern

Und nun das. Ein Unfall bei der letzten Abfahrt vor dem Ziel.

Ein exzellentes Rennen hatten Dotzler und Tscharnke bis dahin geboten. Am Vormittag hatte es die Meldung gegeben, dass Tobias Angerer, 36, der frühere Gesamtweltcup-Sieger und Medaillengewinner, wegen eines grippalen Infekts die Heimreise angetreten habe. Das wirkte wie das unwürdige Ende einer großen Olympia-Langläufer-Karriere. Aber jetzt zeigte die neue Generation, was sie konnte. Alles schien möglich zu sein, sogar Gold, nachdem Stefanie Böhler und Denise Herrmann bei den Frauen zuvor Bronze im Zielsprint verloren hatten. Mit kurzen kraftvollen Schritten brachte sich Tim Tscharnke in Führung. Als es hinunter ins Stadion ging, war er ein bisschen zurück. Aber das musste nichts heißen.

Dann passierte es.