bedeckt München 21°

Streit zwischen Niersbach und Zwanziger:In herzlicher Abneigung

Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger

Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger (Archivfoto von 2012).

(Foto: dpa)

Der Streit zwischen Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach eskaliert. Der frühere DFB-Präsident greift seinen Nachfolger offen an, der Verband antwortet mit einer Rücktrittsaufforderung. Zwei grundverschiedene Typen, die sich in gegenseitiger Abneigung verbunden sind.

Theo Zwanziger reagierte prompt. Er werde "natürlich nicht" zurücktreten, sagte der 69-Jährige, darüber könne er "nur lachen". Sogar für ein Witzchen hatte er noch Zeit. Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), solle "mit Blatter einmal darüber sprechen", sagte Zwanziger gegenüber Sport1. Sepp Blatter steht dem Weltverband Fifa vor. Er ist Zwanzigers Chef.

Beim DFB ist ein gewaltiger Streit eskaliert, just zum Beginn der Fußball-WM in Brasilien. Es geht um das Verhältnis zwischen dem Verband und seinem früheren Vorsitzenden Zwanziger, der 2011 über Nacht seinen Rückzug ankündigte und damit den Weg frei machte für seinen Nachfolger Niersbach.

Nachdem Zwanziger im Interview mit der Rheinzeitung kräftig gegen Niersbach ausgeteilt und dessen Vergütungsprinzip beim DFB in Frage gestellt hatte, holte der Verband zum Gegenschlag aus. In einer Erklärung forderte der DFB Zwanziger zum Rücktritt aus dem Fifa-Exekutivkomitee auf - in der 114-jährigen Verbandsgeschichte ein einmaliger Vorgang. Zwanziger sei nicht mehr in der Lage, "angemessen die Interessen des deutschen Fußballs" zu vertreten, so schrieb die DFB-Spitze.

Fußball-WM "Völlig haltlose Aussagen"
Die DFB-Erklärung im Wortlaut

"Völlig haltlose Aussagen"

Mit einer Erklärung reagiert der DFB auf die Angriffe seines früheren Präsidenten Theo Zwanziger. Der Verband fordert Zwanziger zum Rücktritt auf.

Abberufen kann der DFB seinen früheren Präsidenten nicht, Zwanziger ist persönliches Mitglied des Exekutivkomitees, wurde vom DFB nicht entsandt. Der ganze Fall spiegelt jedoch das zerrüttete Verhältnis zwischen Niersbach und Zwanziger wider.

Erst am Wochenende sagte Niersbach im SZ-Interview, er habe aktuell keinen Kontakt zu Zwanziger. Beide pflegen eine Art Nicht-Verhältnis zueinander, "ich habe ihn zuletzt im November gesprochen", sagte Niersbach. Zwanziger sei "seit zwei Jahren nicht mehr beim DFB" gewesen und sei auch nicht zu Uefa-Sitzungen erschienen. Beim DFB, so ist immer häufiger zu hören, herrscht eine große Erleichterung, seit Niersbach im Amt ist. Das Binnenklima sei viel besser geworden, Niersbach habe nicht nur angekündigt ein Teamspieler zu sein - er agiert auch so.

Unter Zwanziger war das anders. Der Jurist wollte nicht nur in seinem Amt wirken, sondern strebte auch nach großer gesellschaftlicher Anerkennung. Ob der Schiedsrichterfall Amerell/Kempter, die geplatzte vorzeitige Vertragsverlängerung von Bundestrainer Löw - alle großen Aufgaben erklärte Zwanziger zur Chefsache und hinterließ dabei kein sonderlich gutes Bild. Zwanziger stand dem Verband nicht vor, er regierte ihn.