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DFB-Präsident Niersbach im Interview:"Europa steht nicht alleine"

German Football Federation - Social Activities Press Conference

DFB-Chef Wolfgang Niersbach glaubt an eine breite Front gegen Fifa-Boss Sepp Blatter.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Widerstand gegen eine weitere Amtszeit von Fifa-Chef Sepp Blatter ist groß. Im SZ-Interview macht DFB-Chef Niersbach klar, dass nicht nur die Uefa gegen den Schweizer ist. Außerdem spricht er über die Kritik an Franz Beckenbauer.

Wolfgang Niersbach kennt sich mit Worten aus. Er war erst Journalist, dann war er Pressesprecher des DFB. Und jetzt als Präsident des DFB weiß er erst recht, was offene Worte in der Sportfunkionärs-Welt bedeuten. In einem Bereich, indem viel hinter verschlossenen Türen stattfindet und normalerweise so vorsichtig formuliert wird wie in Diplomaten-Kreisen, fallen in den vergangenen Tagen sehr viele deutliche Worte, Niersbach nicht ausgeschlossen. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt er: "Es geht, wie Michel Platini es ausgedrückt hat, jetzt vor allem darum, frischen Wind in die Fifa-Führung zu bringen."

Niersbach macht klar, dass neben der Uefa auch Vertreter von anderen Koninentalverbänden gegen eine weitere Amtszeit von Fifa-Chef Sepp Blatter sind. "Europa steht keinesfalls alleine da", sagt der 63-Jährige. Nach seiner Kenntnis hätte es auch eine interne Absprache gegeben, nach der Blatter das Amt 2015 an Uefa-Chef Michel Platini übergibt. Nachdem Blatter aber auf dem Kongress ankündigte, doch weitermachen zu wollen, hätten Uefa-Mitglieder das Wort ergreifen müssen. "Dass Blatter so etwas konkret und frontal nahelegt wurde, hat ihn sicher konsterniert, damit hatte er nicht gerechnet", sagt Niersbach.

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Der Präsident des DFB fordert darüber hinaus eine Aufklärung diverser Korruptionsvorwürfe: "Es steht der Fakt, dass die Abstimmung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 14:8 für Katar ausging, obwohl die technische Bewertung der Kandidatur klar die schwächste war. Als ich von der Wahl hörte, konnte ich es nicht nachvollziehen." Von den Vorwürfen gegen Franz Beckenbauer, der nicht ausreichend mit dem Fifa-Chefermittler Michael Garcia zusammengearbeitet haben soll, hält Niersbach dagegen nichts. Beckenbauer sei "ein absoluter Ehrenmann, ich kenne ihn seit 40 Jahren und kenne keinen Menschen, der großzügiger ist als er - und auch sauber ist." Die 90-Tage-Sperre der Fifa gegen Beckenbauer wurde erst nach dem Interview verhängt.

Mit seinem Vorgänger Theo Zwanziger gebe es aktuell keinen Kontakt. "Ich habe ihn zuletzt im November gesprochen", sagt Niersbach, Zwanziger sei "seit zwei Jahren nicht mehr beim DFB" gewesen und sei auch zu Uefa-Sitzungen nicht mehr erschienen. Zwanziger hatte Niersbach vor Kurzem in einem Interview als zu passiv bezeichnet und ihm wenig politisches Verständnis unterstellt. "Ich kann das nicht nachvollziehen. Es ist ja nicht so, dass ich ihn aus dem Amt gedrängt habe, in keiner Weise", sagt Niersbach.

Gerüchten, wonach er selbst als Fifa-Präsident gehandelt wird, widerspricht Niersbach nicht direkt, sagt aber, er habe vor allem das Ziel, die Europameisterschaft 2024 nach Deutschland zu holen. Zu weiteren Spekulationen sagt er: "Wenn Platini in der Fifa gewählt werden würde, braucht man einen Uefa-Präsidenten. Dann kommt das Formale, dass man nicht zwei Verbände führen kann. Warten wir jetzt erst einmal ab, wie sich Michel Platini erklärt."

Das komplette Interview lesen Sie in der Samstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung und auf dem ipad.