Steuerverfahren gegen Lionel Messi:Er zahlte die Steuern schnell nach

In Barcelona war man mal wieder überzeugt, dass da ein perfider Komplott laufe, orchestriert in Madrid, um Barça zu schaden, dem Klub, der Stadt, ach was: ganz Katalonien. Die Messis aber zahlten bald nach, samt Zinsen, 5,1 Millionen Euro insgesamt. Sie hofften, so erledige sich der Fall. Vater Jorge, den man nur selten ohne schwarze Sonnenbrille sieht, nahm alle Schuld auf sich. Der Junge, sagte er, habe mit Finanzen nichts zu tun. Auch der Junge wurde vorgeladen. Die Untersuchungsrichterin, die ihn anhörte, schrieb danach einen Rapport von 36 Seiten. Messi sagte oft: "Ich weiß nicht" - "Davon verstehe ich nichts" - "Daran erinnere ich mich nicht". Einige Sätze aber hat er ausformuliert: "Ich wusste nur, wie viel ich Ende Jahr verdiente, doch wo die Kohle hinging, wusste ich nicht." Oder: "Ich unterschreibe immer, was mir mein Vater hinlegt, ich schaue es mir nicht einmal an." Und: "Wenn mein Vater etwas sagt, unterschreibe ich mit geschlossenen Augen."

Auf diesen Sätzen basierte dann die gesamte Verteidigung von Messis Anwälten. Sie sagten, der junge Mann spiele zwar ganz genial Fußball, habe aber halt ein "tiefes Bildungsniveau". Es war ein Entwindungsmanöver, ein Dribbling. Wahrscheinlich stellten sie ihren Klienten für ihre Zwecke trottliger dar, als er in Wahrheit ist. Zunächst hatte es den Anschein, als gehe die Taktik auf. Die Staatsanwaltschaft ließ die Klage gegen Messi junior vor einer Woche fallen, behielt jedoch jene gegen Messi senior aufrecht. Es hieß, es sei nicht nachweisbar, dass der Sohn wusste, was der Vater in seinem Namen tat. Barça atmete auf - und Katalonien gleich mit.

Doch nur einige Tage später drehte die Stimmung wieder. Da meldete sich aus Madrid die Abogacía del Estado, die legale Interessenvertretung des Finanzministeriums, und kassierte den Entscheid der Staatsanwaltschaft. Im Finanzamt glaubt man, Messi junior könne nicht nichts gewusst haben von dem, was Messi senior so trieb. Dafür habe er zu viele Verträge "persönlich und direkt" unterzeichnet, oft gar bei öffentlichen Auftritten. In einer Firma, Jenbril mit Sitz in Uruguay, die offenbar als Vehikel für die Hinterziehung diente, trat Leo Messi als einziger Aktionär, Aufsichtsratsvorsitzender und Generaldirektor auf, in Personalunion. Wunderte er sich nie?

Doch nur eine hohe Geldbuße?

Die Anklage sieht die Lage viel pragmatischer. Selbst wenn er von nichts habe wissen wollen, sagt sie, selbst wenn er kein Genie der Finanzwelt und kein Ingenieur des Fiskalischen sei, habe er leidlich von nichts wissen können. Und darum hafte er mit.

In den Käfig, um es noch mal so salopp zu sagen, wird Leo Messi dann aber wohl doch nie müssen. Die geforderte Strafe liegt unter jenem Maß, für das man in Spanien als nicht vorbestrafter Bürger gemeinhin ins Gefängnis muss - das liegt bei 24 Monaten. Gut möglich, dass die Kläger fein kalkuliert haben. Außerdem wird ihm angerechnet, dass er die Steuerschuld schnell beglichen hat. Übrig bleiben wird wohl nur eine hohe Geldbuße. Wollte er noch den Gerichtstermin verhindern, müsste er sich schuldig bekennen, zu Kreuze kriechen. Doch das ist nun mal nicht die bevorzugte Gangart des besten Fußballers der Gegenwart.

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