SSV Jahn Regensburg:Regisseur mit Deutungshoheit

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Hamburger SV - Jahn Regensburg

Freude eines Hochbegabten: Sonny Kittel bejubelt seinen Elfmetertreffer beim 4:1-Sieg des HSV gegen Jahn Regensburg.

(Foto: Axel Heimken/dpa)

Der SSV Jahn Regensburg verliert verdient beim Hamburger SV 1:4. Trainer Mersad Selimbegovic beobachtet erstmals in der Saison "grobe Fehler".

Von Johannes Kirchmeier

Der eine Fingerzeig erwies sich als entscheidend. Der Hamburger Spielmacher Sonny Kittel sprintete am Samstagnachmittag in die Regensburger Spielhälfte, ehe er seinen linken Arm kurz anhob und mit dem Finger die Richtung seines Passes zwischen zwei Regensburger andeutete. Kittels Mitspieler Faride Alidou, 20, wusste nun, was er tun musste: Er beschleunigte in den Strafraum, Kittel legte ihm den Ball exakt dorthin wenige Meter vors Jahn-Tor auf. Und Alidou musste die Kugel für sein Premierentor im Profifußball nur noch an Keeper Thorsten Kirschbaum vorbei ins Netz schießen. Der Treffer machte Eindruck beim SSV, er war der letztlich entscheidende zum 2:1 kurz vor der Halbzeit für die Norddeutschen beim 4:1 (2:1)-Erfolg gegen die Oberpfälzer. Nach dem 2:3 gegen Rostock vor zwei Wochen erlebte der SSV die zweite Niederlage in Serie, er fällt damit zurück auf Tabellenrang vier, immer noch nur einen Punkt hinter der Spitze.

Kittel, vor zwei Spielzeiten aus Ingolstadt zum HSV gekommen, ist seit Jahren einer der begabtesten Spieler der zweiten Fußball-Bundesliga, und an diesem Nachmittag war er wieder einmal der geniale Regisseur des HSV, der es dem Jahn nahezu im Alleingang schwer machte. "Wenn überhaupt, dann kann man Sonny Kittel ein wenig herausheben", sagte sein Coach, der ehemalige FCB-II-Trainer Tim Walter. "Er hat heute spielerisch geglänzt, seine Mitspieler hervorragend eingesetzt und wieder einmal gezeigt, wie sehr er gereift ist und wie wichtig er in dieser Rolle für die Mannschaft ist." Zwei Tore legte der 28-Jährige vor, und den Elfmeter, den er zum 3:1 verwandelte, holte er auch noch heraus. An guten Tagen kann er jedes Team dieser Liga in Bedrängnis bringen.

"Wir haben die innere Linie zu oft aufgemacht. Das darfst du nicht machen", sagt Jahn-Trainer Selimbegovic

Er profitierte am Samstag aber auch davon, dass die Regensburger einen ausgesprochen schlechten Tag erwischt hatten. "Wir sind oft nur hinterhergerannt", klagte deren Trainer Mersad Selimbegovic. In der ersten Hälfte sah er "in den entscheiden Momenten grobe Fehler" bei seinem Team, erstmals in dieser Saison wurde er so deutlich. Schließlich waren seine Spieler nicht nur beim 1:2 gedanklich nicht auf der Höhe des Gegners, der HSV hätte durchaus drei, vier Tore mehr schießen können. "Wir haben die innere Linie zu oft aufgemacht. Das darfst du nicht machen." Ein Fehler, den es wegen Kittels Tempo-Pässen in die Schnittstelle der Abwehr gegen Hamburg erst recht zu vermeiden gilt.

Schon in den vergangenen Wochen fiel auf, dass der Jahn sein intensives Spiel nicht immer über 90 Minuten durchhalten kann, nun klappte das erneut nicht. Lediglich nach dem so schnellen wie schönen Ausgleichstor von Jan-Niklas Beste (33.) kurz nach der HSV-Führung durch Ludovit Reis keimte etwas Hoffnung. Allerdings fehlten Regensburg dieses Mal auch drei Stammkräfte schmerzlich: Torwart Alexander Meyer und die Abwehrspieler Steve Breitkreuz und Benedikt Saller waren erkältet, sollen aber fürs Duell mit dem Abstiegskandidaten Dresden am Freitag (18.30 Uhr) wieder fit sein.

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