bedeckt München 17°
vgwortpixel

Sport kompakt:Pechstein erleidet Nervenzusammenbruch

Die Karriere von Claudia Pechstein steht vor dem Ende, Nadal schreibt bei US Open Geschichte, in der 2. Fußball-Bundesliga wurden offenbar zahlreiche Spiele verschoben. Sport kompakt

Die Karriere der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein steht vor dem endgültigen Ende. Wie ihr Management am Montag in einer Presseerklärung mitteilte, hat die gesperrte Eisschnelllauf-Olympiasiegerin einen Nervenzusammenbruch erlitten und musste sich in psychologische Behandlung begeben. Sie müsse eine Situation verarbeiten, die durch den jüngsten Entscheid des Präsidiums der Bundespolizei entstanden war. Ihr Arbeitgeber hatte den Antrag der Polizeihauptmeisterin abgelehnt, einen "Sonderurlaub unter Wegfall der Bezüge" zu gestatten.

Claudia Pechstein

Die Karriere der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein steht vor dem endgültigen Ende.

(Foto: dpa)

"Mit einer solchen Ablehnung hatte sie nie und nimmer gerechnet, nachdem ihr die Bundespolizei diesen Schritt noch vor einigen Wochen selbst empfohlen hatte", erklärte ihr Manager Ralf Grengel am Montag. "Jetzt aber von einem sofortigen Karriere-Ende auszugehen, wäre mit Sicherheit verfrüht", sagte er. "Ein Wunsch auf Sonderurlaub unter Wegfall der Bezüge ist beamtenrechtlich nichts Außergewöhnliches und wird in sämtlichen Bereichen der Bundesverwaltung praktiziert", erklärte Pechstein- Anwalt Alexander Friedhoff. "Eine solche Lösung wäre für alle Beteiligten das Beste gewesen. Das BMI hätte keine Steuergelder für die Bezahlung meiner Mandantin verwenden müssen, und Frau Pechstein hätte sich im Rahmen von selbst organisierten Trainingsmaßnahmen zielgerichtet auf ihr Comeback vorbereiten können", erklärte Friedhoff weiter und kündigte an, dagegen Rechtsmittel einzulegen. Dem Antrag Pechsteins vom 18. August 2010 war die öffentliche Aufforderung zum schnellstmöglichen Dienstantritt von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere vorausgegangen. Die Lösung des Sonderurlaubs stieß dabei beim Minister offensichtlich auf wenig Gegenliebe. De Maiziere hatte zudem auch infrage gestellt, ob Deutschlands erfolgreichste Winterolympionikin nach Ablauf ihrer Sperre überhaupt wieder in die Sportförderung des BMI aufgenommen wird. Wie sehr de Maiziere nun auf das Karriere-Ende der wegen Dopings bis zum 8. Februar 2011 gesperrten Athletin drängt, geht nach Auffassung ihre Managements daraus hervor, dass für Pechstein in Absprache mit Sportmedizinern nun ein Plan erarbeitet wird, der sie zum Abtrainieren anhalten soll. Pechstein erwartet weiter die für Mitte September avisierte Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts im Revisionsverfahren. Für den Fall der erneuten Niederlage vor Gericht haben ihre Anwälte bereits den Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg angekündigt.

Rafael Nadal hat zum ersten Mal die US Open in New York gewonnen und damit seinen Karriere-Grand-Slam perfekt gemacht. Der 24-jährige Spanier schrieb durch einen 6:4, 5:7, 6:4, 6:2-Finalsieg über den an Position drei gesetzten Novak Djokovic (Serbien) in 3:43 Stunden Geschichte und holte sich den noch fehlenden Major-Titel. "Das ist mehr, als ich mir je erträumt habe. Ich bin glücklich", sagte Nadal. Nach dem Matchball ließ er sich auf den Rücken fallen und weinte Tränen des Glücks. Der Weltranglistenerste Nadal ist damit erst der siebte Tennisspieler in der Geschichte, der die Australian Open, die French Open, Wimbledon und die US Open mindestens einmal gewonnen hat. Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer (Schweiz), der in New York im Halbfinale in fünf Sätzen an Djokovic gescheitert war, hatte seine Sammlung 2009 in Paris komplettiert. Das ursprünglich für Sonntag geplante Endspiel hatte wegen Dauerregens verlegt werden müssen. Auch am Montag war wegen Niederschlags beim Stand von 4:4 im zweiten Satz eine 108 minütige Pause nötig. Djokovic bot Nadal lange Zeit Paroli und setzte den weltbesten Spieler immer wieder unter Druck. Obwohl der nun mit neun Grand-Slam-Titeln bestückte Spanier nur sechs von 26 Breakchancen nutzen konnte, behielt er in den entscheidenden Phasen kühlen Kopf. Im vierten Satz nahm Nadal seinem Kontrahenten gleich zweimal den Aufschlag ab. Nadal, der ein Preisgeld in Höhe von 1,7 Millionen Dollar kassierte, schraubte mit seinem dritten Major-Coup in Folge seine Siegesserie bei Grand-Slam-Tournaments auf 21:0 Erfolge. In diesem Jahr hatte der Linkshänder bereits zum fünften Mal die French Open sowie zum zweiten Mal Wimbledon gewonnen. In Melbourne hatte Federer triumphiert. Djokovic, der die vorangegangenen drei Duelle gegen Nadal für sich entschieden hatte, verpasste seinen zweiten Grand-Slam-Erfolg nach dem Gewinn der Australian Open 2008. Bereits vor drei Jahren hatte der Serbe das Finale der US Open verloren, damals gegen Federer. Allerdings rückte Djokovic nach den Erfolgen in Flushing Meadows in der Weltrangliste wieder auf den zweiten Platz hinter Nadal vor und verdrängte Federer.

Im größten Wettskandal der europäischen Fußball-Geschichte sind in Deutschland offenbar mehr Zweitliga-Spiele betroffen als bisher angenommen. Nach einem Bericht des ARD-Magazins Fakt sollen zwischen Mai 2008 und Dezember 2009 mindestens 13 Spiele der 2. Bundesliga manipuliert worden sein. Dabei rückt einmal mehr der VfL Osnabrück in den Blickpunkt, dessen ehemaliger Spieler Marcel Schuon zuletzt vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes für drei Jahre gesperrt worden war. "Ich bin der Meinung, dass die für den Abstieg verantwortlich waren", sagte der ehemalige Osnabrücker Coach Claus-Dieter Wollitz dem Sport-Informations-Dienst mit Blick auf Schuon und weitere Profis des VfL, gegen die noch ermittelt wird: "Wir wären nicht abgestiegen, wenn das nicht passiert wäre." Die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte am Montag, dass zumindest drei Zweitliga-Partien der Osnabrücker in der Anklageschrift festgehalten seien. In der Abstiegs-Saison 2008/2009 sollen allerdings insgesamt acht Punktspiele sowie ein Freundschaftsspiel von Spielern des VfL manipuliert worden sein. In der Fakt-Liste tauchen zudem mehrfach die jetzigen Drittligisten SV Wehen Wiesbaden sowie Rot Weiss Ahlen auf. Insgesamt sollen in Deutschland quer durch alle Ligen unterhalb der Bundesliga von der Wettmafia 54 Spiele manipuliert worden sein - unter anderem auch das letzte Drittliga-Spiel von Fortuna Düsseldorf gegen Werder Bremen II am 23. Mai 2009. Dank des 1:0 am letzten Spieltag war die Fortuna aufgestiegen. Der Prozess vor dem Landgericht Bochum soll am 6. Oktober beginnen. Beim DFB-Sportgericht sind aktuell 16 laufende Verfahren anhängig. 15 richten sich dabei gegen Spieler, ein Verfahren läuft gegen den Schiedsrichter Cetin Sevinc, der bereits seit Dezember 2009 vom Verband mit einer Schutzsperre belegt ist.

Nick Heidfeld soll Medienberichten zufolge vor einer Rückkehr ins Formel-1-Renncockpit schon beim Großen Preis von Singapur in knapp zwei Wochen stehen. Nachdem der 33-Jährige erst vor einem Monat als Ersatzpilot von Mercedes GP zum künftigen Reifenhersteller Pirelli als Testfahrer gewechselt war, soll er nun angeblich wieder für Sauber an den Start gehen. Bei Sauber soll Heidfeld den bislang glück- und erfolglosen Pedro de la Rosa aus Spanien ablösen. Für Heidfeld, der bereits von 2001 bis 2003 für das Schweizer Team fuhr, wäre der Start in Singapur der 170. Grand Prix seiner Karriere. Der mittlerweile dreifache Vater wartet allerdings immer noch auf seinen ersten Sieg.

Weiterer Rückschlag für Münchens Olympia-Pläne: Der Deutsche Naturschutzring (DNR) hat sich aus der Bewerbungsgesellschaft zurückgezogen und die geplanten Winterspiele 2018 in Garmisch-Partenkirchen als "nicht verantwortbar" bezeichnet. "Wenn der Dachverband aussteigt, ist das auch für das Internationale Olympische Komitee ein sehr deutlicher Hinweis, dass es mit der Umwelt doch nicht soweit her sein kann", betonte DNR-Geschäftsführer Helmut Röscheisen am Montag bei einer Pressekonferenz in Berlin. Nach Ansicht des DNR dürften sich die Münchner Chancen auf den Zuschlag für die Spiele "deutlich verringern". DNR-Vizepräsident Vogtmann kritisierte allerdings das "unprofessionelle" Vorgehen der Münchner Olympia-Planer im Falle möglicher Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen und sprach von einer Bewerbungsgesellschaft, "die überhaupt keine Ahnung hat". Insbesondere der weitere Ausbau der Kandahar-Abfahrt für Olympia ist den Natur- und Umweltschützern ein Dorn im Auge. Dort seien für die WM 2011 bereits neun Hektar Schutzwald gerodet worden - gegen die Alpenkonvention. Zudem ging Sebastian Schönhauser vom Bund Naturschutz in Bayern davon aus, dass statt der angegebenen 420.000 Tonnen Kohlendioxid bei Olympia 1,8 Millionen Tonnen anfallen würden. Das DNR-Präsidiumsmitglied wetterte vor allem gegen München Oberbürgermeister Christian Ude, der in seiner "Selbstverliebtheit" alles zusage.

In der an diesem Dienstag startenden Fußball-Champions-League sind dem Bundesliga-Trio Bayern München, Schalke 04 und Werder Bremen wieder zweistellige Millionen-Einnahmen garantiert. In der vergangenen Saison kassierten die insgesamt sechs deutschen Starter in Champions und Europa League nach Berechnungen der Nachrichtenagentur dpa zusammen rund 115 Millionen Euro von der Europäischen Fußball-Union. Nationaler Krösus war Champions- League-Finalist FC Bayern mit einem Anteil von 45 Millionen Euro. Die UEFA hat aus der zentralen Vermarktung der beiden Wettbewerbe für die kommende Saison rund 1,1 Milliarden Euro erlöst. Fast 900 Millionen werden an die Clubs ausgeschüttet, der Löwenanteil von 750 Millionen an die 32 Teilnehmer der Champions League. Die Europa League, für die sich Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart qualifiziert haben, ist finanziell bei weitem nicht so attraktiv wie die Königsklasse. Hier war in der vergangenen Saison der Hamburger SV als Halbfinalist mit 7,473 Millionen Euro an Prämien deutscher Top-Verdiener.

Der am Schienbein verletzte Michael Ballack hat nach Angaben eines führenden Sportmediziners gute Aussichten, bald wieder fit zu sein. "Wenn es sich nur um einen Haarriss handelt, können sechs Wochen ausreichen", sagte der Leiter des Orthopädischen Klinikums Osnabrück, Martin Engelhardt, am Montag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Eine Trümmerfraktur dagegen kann das Aus für einen Sportler bedeuten." Ballack hatte sich am Samstag in der Bundesliga-Partie bei Hannover 96 (2:2) eine "feine Fraktur im Schienbeinkopf des linken Beines" zugezogen, wie sein Verein Bayer 04 Leverkusen mitteilte. Dem Club zufolge fällt der 33-Jährige sechs Wochen aus.

Fußball-Bundesligist Werder Bremen muss zum Auftakt der Champions League am Dienstag gegen den englischen Premier-League-Klub Tottenham Hotspur wohl weiter auf Torjäger Claudio Pizarro verzichten. "Ich denke nicht, dass ich spielen kann", sagte der Peruaner, der noch immer von den Folgen eines Muskelfaserrisses geplagt wird und den Bremern schon im Punktspiel am Samstag bei Rekordmeister Bayern München (0:0) gefehlt hatte. Neben dem Stürmer stehen Werder-Trainer Thomas Schaaf auch die beiden Innenverteidiger Per Mertesacker (Knochenbrüche im Gesicht) und Naldo (Knieprobleme) nicht zur Verfügung.

Vor dem Champions-League-Duell der Krisenteams gegen Schalke 04 steht Olympique Lyon das Wasser bis zum Hals. Nach dem schlechtesten Saisonstart seit 15 Jahren fordert Clubboss Jean-Michel Aulas an diesem Dienstag im Stade Gerland deshalb einen Sieg. "Anders als in der Meisterschaft ist das erste Spiel in diesem Wettbewerb entscheidend, ein Resultat muss her", sagte Aulas vor der elften Champions-League-Teilnahme hintereinander von Lyon. Zittern muss vor allem Trainer Claude Puel, dessen Job nach Einschätzung französischer Medien schon in den nächsten Begegnungen auf dem Spiel steht. Puel schwelgt aber noch in Optimismus: "Wir wollen die Champions League gewinnen", tönte der Coach sogar im Interview mit der Zeitung Le Parisien. Nach dem enttäuschenden 1:1 zu Hause gegen Valenciennes hatten die Fans am Samstag die Entlassung von Puel gefordert. Mit fünf Punkten aus fünf Spielen und nur vier erzielten Toren erwischte der Serienmeister der Jahre 2002 bis 2008 den schwächsten Ligastart seit der Saison 1995/96. Für Unruhe sorgt auch Nationalmannschafts-Spielmacher Yoann Gourcuff. Der sensible 24-Jährige, jüngst für 22 Millionen Euro von Bordeaux nach Lyon gewechselt, hat die WM-Blamage offenbar noch nicht überwunden. Wie die Sportzeitung L'Équipe enthüllte, soll Gourcuff vergangene Woche bei einem TV-Interview die Nerven verloren und das Studio verlassen haben, als er auf seine angeblichen Probleme mit Bayern-Star Franck Ribéry in Südafrika angesprochen wurde. Lyon habe alles getan, um die Ausstrahlung des Interviews zu verhindern.

© sueddeutsche.de/dabi

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite