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Fußball:Die Spielerberater sind in Aufruhr

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Mino Raiola, schillernde Größe in Europas Spielerberaterszene, mit Zlatan Ibrahimovic bei der WM 2018 in Moskau.

(Foto: imago)
  • Zwischen den organisierten Spielerberatern und dem Weltfußball-Verband Fifa herrscht ein offener Streit.
  • Hintergrund ist eine von der Fifa vorgesehene Vergütungsobergrenze.
  • Die Neuerungen, so die Kritik, seien zum Teil rechtswidrig.

Als Thomas Kroth im Jahr 1992 nach seiner Zeit als Bundesliga-Spieler, mit 250 Einsätzen für Frankfurt, Dortmund, den Hamburger SV und Köln, eine zweite Karriere als Spielerberater startete, betrat er ein kaum erschlossenes Geschäftsfeld. Es habe, erinnert er sich, etwa zwei Dutzend Kollegen gegeben. Inzwischen konkurrieren wenigstens 500 Anbieter auf dem hiesigen Markt, der in den vergangenen Jahren auch durch die sprunghaft gestiegenen Medienerlöse ein Wirtschaftswunder erfahren hat. An den enormen Einnahmen des Profifußballs partizipieren auch die Agenten der Spieler. Nach einer Erhebung des DFB und der DFL gaben die 36 Vereine der ersten und zweiten Liga zwischen März 2017 und März 2018 rund 200 Millionen Euro für Spielerberaterhonorare aus - Tendenz steigend.

Dass sich in dem Metier zwielichtige Gestalten betätigen, beschäftigt nicht nur die Vereine, die mit räuberischen Geschäftsmethoden konfrontiert werden. Es beunruhigt auch jene Berater, die für sich in Anspruch nehmen, einen legitimen, sauberen Job zu machen. Kroth, 60, der unter anderem die Belange von Nationaltorwart Manuel Neuer wahrnimmt, hat sich im Branchenverband DFVV, dessen Vorsitz er bis vor kurzem innehatte, jahrelang um ein besseres Ansehen seines umstrittenen Berufsstandes bemüht. Man sei dabei "auf einem guten Weg", sagt er, "aber noch lange nicht am Ziel". Dem Fortschritt stehen nicht nur die schwarzen Schafe und besonders hemmungslose Kollegen im Weg - etwa der berüchtigte italienische Großberater Mino Raiola, der am Transfer von Paul Pogba zu Manchester United bis zu 49 Millionen Euro verdient haben soll. Auch der Weltverband Fifa kommt den Spielerberatern immer wieder in die Quere.

Agenten wie Thomas Kroth kämpfen um ein besseres Image ihres umstrittenen Berufsstands

Der Pogba-Transfer im August 2016 hatte einen Streit zwischen Fifa und Beratern ausgelöst, der beide Parteien bis heute entzweit. Es geht um eine vom Weltverband vorgesehene globale Vergütungsordnung für Berater - eine Obergrenze, wie viele Vermittler an einem Vertragsabschluss verdienen dürfen. Schon im September 2019 hatte die Fifa erklärt, die Provisionen deckeln zu wollen: auf zehn Prozent der Ablösesumme für den Berater des Klubs, der einen Spieler abgibt - und auf drei Prozent des Spielergehalts für den Spielerberater sowie den des aufnehmenden Klubs.

Thomas KROTH Manager Manuel Neuer Player Agent and owner PRO Profil Management Manuel Neuer Kids

"Wir sind ja quasi Headhunter": Thomas Kroth, Berater von Manuel Neuer.

(Foto: Peter Schatz/imago)

Grundsätzlich sei eine gewisse Marktregulierung zu begrüßen, sagt Kroth nun, aber die in Zürich geplanten Maßnahmen seien nicht geeignet, für geordnete Verhältnisse zu sorgen. Vielmehr setze sich die Fifa "über nationale Rechte hinweg. Die Spielerberater werden dagegen klagen, das geht nicht anders. Es geht darum, aufzuzeigen, dass nationales Recht und nicht Satzungsrecht Vorrang hat". Die Branche ist europaweit in Aufruhr gegen die Fifa.

Während einer Beratung zwischen Vertretern der international organisierten Agenten und Mitarbeitern der Fifa kam es im Vorjahr zu einem Eklat. Die Delegation der Berater wollte geschlossen den Raum verlassen, nachdem ihnen die Fifa-Vertreter zwei alternativlose Modelle vorgestellt hatten, die jeweils als inakzeptabel aufgefasst wurden. Der Italiener Giovanni Branchini, regelmäßig Bevollmächtigter der FC-Bayern-Bosse Hoeneß und Rummenigge, beruhigte fürs Erste die Lage. Im Dialog mit Fifa-Präsident Gianni Infantino fungiert er als Unterhändler der Beraterszene.

Von gütlichem Einvernehmen kann dennoch keine Rede sein. In einem nun verbreiteten Brief im Namen verschiedener europäischer Spielerberater-Vereinigungen wirft man der Fifa vor, die geplanten Maßnahmen seien "in höchstem Maße kontrovers, inakzeptabel und zum Teil rechtswidrig". Dass die Fifa ungeachtet der bekannten Schwierigkeiten ankündigte, eine "zweite" Beratungsrunde anzuberaumen, löste eine sarkastische Reaktion aus. Man bestreite, dass es bisher einen Beratungsprozess gegeben habe, doch man werde sich der angesprochenen Unterredung nicht entziehen - solange offene, angemessene Verhandlungen garantiert seien. Kroth beschreibt den Stand der Diskussion so: "Spielerberater sind Teil des Geschäfts, aber sie werden an den Prozessen nicht beteiligt. Wir sind nach wie vor keine Stakeholder, wir sind Zaungäste."

Vom Bruttogehalt ihrer Spieler erhalten die Berater in der Regel rund zehn Prozent

An dem Gehalt, das sie für ihre Klienten aushandeln, verdienen Berater bislang branchenüblich in den meisten Fällen etwa zehn Prozent des Bruttobetrags. Weitere Beteiligungen erfolgen unter Umständen über Prämien und Gratifikationen bei ablösefreien Transfers. Grundsätzlich sei gegen die Einführung einer Vergütungsobergrenze nichts einzuwenden, sagt Kroth: "Das könnte die Ultima Ratio sein - aber es darf nicht der erste Schritt sein."

Die Vorstellungen, die dem Fifa-Council vorgestellt wurden, glichen dem Versuch, "auf nationale Rechte" zuzugreifen, sagt Kroth: "Es gibt in Deutschland ein Arbeitsvermittlungsrecht - wir sind ja quasi Headhunter." Ein Regelwerk samt Deckelung, das von der Fifa gegen den Willen der Spielerberaterbranche erzwungen werde, so Kroth, könnte kontraproduktiv wirken: "Die Vereine würden notfalls mit dem Teufel paktieren", an den Regeln vorbei, "um einen tollen Spieler zu bekommen, es würden Umgehungen und Schwarzmärkte entstehen."

© SZ vom 13.02.2020/chge
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