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Skifahrerin Marina Wallner:"Maria kocht auch nur mit Wasser"

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Gewann zuletzt drei Bronzemedaillen bei der Junioren-WM: Marina Wallner

(Foto: imago sportfotodienst)

Alles auf null: Im deutschen Ski-Alpin-Team steht ein Umbruch bevor. Nachwuchshoffnung Marina Wallner spricht im SZ-Interview über ihr spektakuläres Weltcup-Debüt, ihre Medaillen bei der Junioren-WM und den großen Schatten von Maria Höfl-Riesch.

Marina Wallner, 19, aus Inzell zählt zu den großen Nachwuchshoffnungen im Deutschen Skiverband. Bei der Junioren-WM 2014 im slowakischen Jasna gewann sie Bronze im Slalom, in der Super-Kombination und mit der Mannschaft.

SZ.de: Frau Wallner, wenn man sich mal die Siegerlisten der Junioren-WM der vergangenen Jahre anschaut, findet man Weltklassefahrer wie Mikaela Shiffrin, Henrik Kristoffersen, Alexis Pinturault. Sehen Sie sich in der Lage, da irgendwann mitzumischen?

Marina Wallner: Ich hoffe es (lacht). Ich werde hart arbeiten, dann ist das schon möglich.

Bei der Junioren-WM hat Ihr Trainer den ersten Lauf gesetzt. Zuletzt hat sich Felix Neureuther beschwert, weil der Trainer von Marcel Hirscher beim Weltcup-Finale in Lenzerheide den Kurs angeblich zu sehr auf seinen Fahrer zuschnitt. Gibt das einem wirklich einen derart großen Vorteil?

Grundsätzlich eher nicht, würde ich sagen. Man muss den Lauf auch erst einmal so setzen, dass dein Athlet wirklich einen Vorteil hat. Und jeder muss den Kurs erst einmal runterfahren. In Lenzerheide war das Problem die Kombination aus Kurssetzung in Verbindung mit sehr schwierigen Pistenverhältnissen.

Hat Ihnen die Kurssetzung ihres Trainers bei der Junioren-WM gar nicht geholfen?

Ich habe gleich am Anfang einen Fehler gemacht. Da habe ich mir gedacht, jetzt ist es eh egal, jetzt kann ich nur noch Vollgas geben. Dann habe ich den restlichen Lauf perfekt erwischt, während die anderen kleine Fehler eingebaut haben.

Bei Ihrem Weltcup-Debüt, beim Slalom in Levi, sind sie gleich mal mit Startnummer 63 auf Rang drei im ersten Lauf gefahren, am Ende wurden sie 16. Berührungsängste haben sie offenbar nicht.

Das war schon Wahnsinn, der Weltcup. Das war alles neu für mich, und dann gleich so ein Ergebnis. Die Steigerung im Vergleich zum Europacup oder zu den Fis-Rennen (Wettbewerb unterhalb des Europacups, Anm. d. Red.) ist schon groß. Beim Europacup fährst du ganz normal ein Rennen. Im Weltcup gibt es Zuschauer, das Fernsehen, ständig hat man eine Kamera vor der Nase. Das ist schon ein ganz schöner Schritt.

Sie haben fünf Weltcup-Einsätze hinter sich. Im Alpin-Bereich der Frauen steht ein Umbau bevor, Maria Höfl-Riesch will an diesem Donnerstag bei einer Pressekonferenz am Münchner Flughafen bekanntgeben, ob sie aufhört oder weitermacht. Wird man Sie denn in der neuen Saison öfter im Weltcup sehen?

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Ich habe mir beim Europacup am Wochenende in Soldeu (Andorra, Anm.) den dritten Platz in der Slalom-Gesamtwertung gesichert. Dadurch habe ich für die nächste Saison einen Fixplatz im Slalom. Ich muss keine Ausscheidungen mehr fahren, ich bin bei jedem Weltcup fest dabei. Ich habe noch nicht mit den Trainern geredet, aber ich denke schon, dass ich regelmäßig zum Einsatz kommen werde.

Hilft es eigentlich, wenn man im Weltcup im Schatten einer Maria Höfl-Riesch fahren kann?

Ich denke, dass das schon ganz hilfreich ist. Wir können zum einen in Ruhe unser Ding durchziehen. Und wir haben auch immer jemanden, an dem wir uns messen können, an einer Fahrerin, die in der Weltspitze mitfährt. Am Anfang hatte ich schon ein bisschen Respekt, als ich zum ersten Mal dabei war. Es ist ja Wahnsinn, was sie alles erreicht hat. Das kann man sich schon zum Vorbild nehmen. Aber sie ist auch eine ganz normale Athletin. Sie trainiert normal mit, sie kocht auch nur mit Wasser.

Wünschen Sie sich, dass Höfl-Riesch weitermacht? Dass sie den jungen Fahrern noch eine Weile diesen Schutz bietet?

Puh, das muss sie selbst wissen. Unabhängig von ihrer Entscheidung: Es geht weiter, so oder so. Ich muss da mein eigenes Ding machen.

Wird der Sommer für sie ein spezieller, jetzt, da sie einen festen Platz im Weltcup haben?

Ich denke nicht. Ich bin deswegen auch kein anderer Mensch. Der übliche Betrieb geht weiter, ich werde normal trainieren, so wie im letzten Jahr.

Aber die Ziele müssen Sie ja der neuen Perspektive schon ein bisschen anpassen?

Ja, klar. Ich will mich im Weltcup schon immer für den zweiten Durchgang qualifizieren. Aber am Wochenende ist erst einmal die Deutschen Meisterschaft in Oberjoch, da werde ich alle Disziplinen fahren, Technik und Speed. Und danach geht es weiter mit der Ausbildung bei der Bundespolizei. Die Trainingspause dauert vielleicht zwei Wochen. Dann geht es wieder los mit Konditionstraining, Radfahren, Krafttraining. Ich weiß gar nicht, ob ich in diesem Jahr überhaupt Urlaub haben werde.

Wenn Sie in einem Jahr auf die Saison zurückblicken werden, wo würden Sie sich da am liebsten sehen?

Im Weltcup habe ich schon das Ziel, irgendwann einmal vorne dabei zu sein. Nicht zwingend im nächsten Jahr. Ich will erst einmal einen Schritt nach dem anderen tun. Und bei der Junioren-WM fehlen mir ja auch noch zwei Farben im Medaillensatz.