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Deutsches Ski-Team:Alles auf null

Germany's Hoefl-Riesch competes in the slalom run of the women's alpine skiing super combined event at the 2014 Sochi Winter Olympics

Letzte Bilder eine großen Rennfahrerin? Maria Höfl-Riesch will in den kommenden zwei Wochen bekannt geben, ob sie aufhört.

(Foto: REUTERS)

Ein Generationenwechsel bei den Athleten, wohl zwei neue Bundestrainer und die Höfl-Riesch-Frage: Die Alpinen des Deutschen Skiverbands stehen vor einem großen Umbruch.

Für Günter Hujara haben sie in Lenzerheide das ganze Programm veranstaltet, wehmütige Musik, Spalier aus Skiern, stehende Ovationen. "Es fällt schwer", sagte Günter Hujara ins Mikrofon, die Menschen klatschten, die Geigen spielten, die Sonne schien, es war alles ein bisschen kitschig, aber so sind Abschiede. Hujara war 23 Jahre dabei, künftig macht seinen Job ein anderer. Ab jetzt ist Markus Waldner aus Südtirol der Renndirektor Männer im Ski-Weltverband Fis.

Technische Delegierte stehen eher selten im Zentrum der Bühne des Sports, Günter Hujara ist zwar manchmal kurz hineingesprungen, aber sein Name ist doch nur denen ein Begriff, die sich in der Alpin-Szene auskennen. Hujara, sagt Wolfgang Maier, sei aber ein gutes Beispiel: Dafür, was er, der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes, sich für die Zukunft des deutschen Skirennsports so alles überlegt hat.

Am Sonntag ist die Skisaison in Lenzerheide in der Schweiz zu Ende gegangen, für den deutschen Skirennsport hat sie ein eher unglückliches Ende genommen: Felix Neureuther hat die kleine Kristallkugel im Slalom an den Österreicher Marcel Hirscher verloren, und weil Maria Höfl-Riesch schon vor Tagen verletzt abreisen musste und so die große Kristallkugel für die Gesamtbeste an die Österreicherin Anna Fenninger verlor, fällt die Saisonbilanz des DSV überschaubar aus, wenn man sie an Titeln festmacht.

Eine kleine Kugel für die Abfahrtswertung an Höfl-Riesch, zwei Olympia-Medaillen für Höfl-Riesch und eine für Viktoria Rebensburg, das ist nicht schlecht, aber gemessen an den Ansprüchen in einem Land, das sich jedenfalls im Süden für eine Art Skination hält, nicht überwältigend. Besonders, wenn man die Frage berücksichtigt, die den deutschen Skirennsport seit ein paar Wochen begleitet: Wie ist die Bilanz, wenn man Maria Höfl-Riesch subtrahiert?

Es soll nicht mehr lange dauern, höchstens zwei Wochen, dann will Höfl-Riesch der Öffentlichkeit mitteilen, ob die Subtraktion im kommenden Winter vorgenommen werden muss oder erst einen Winter später. So oder so aber steht die Sparte Alpin vor einem ungewöhnlichen Sommer: einem Sommer des Umbruchs, so umfassend wie selten. "Es ist", so sagt es Wolfgang Maier, "ein Reset notwendig."

Bei den Athleten steht ein Generationenwechsel bevor, nicht nur Maria Höfl-Riesch denkt ja über ihre Zukunft nach, auch Felix Neureuther ist unsicher, wie es für ihn weitergeht. "Ich weiß nicht, ob ich noch mal diesen Aufwand betreiben will", sagt er, in den nächsten Wochen will er sich mit den Trainern überlegen, wie er kommende Saison weitermacht. Denkbar ist, dass er später in die Vorbereitung einsteigt als üblich, oder auch, dass er den Riesenslalom als zweite Disziplin weglässt.