Nach Pleite in Stuttgart:Mainz trennt sich von Trainer Siewert

Nach Pleite in Stuttgart: Ein Sieg war zu wenig: Der FSV Mainz 05 trennt sich von Jan Siewert.

Ein Sieg war zu wenig: Der FSV Mainz 05 trennt sich von Jan Siewert.

(Foto: Torsten Silz/dpa)

Die Fans des FSV Mainz 05 drehen ihrem Team den Rücken zu, und am Tag nach dem 1:3 in Stuttgart, ausgerechnet am Rosenmontag, muss Trainer Siewert gehen. Sein Nachfolger soll schnell bekannt gegeben werden.

Von Christoph Ruf

Nach dem 3:1-Erfolg gegen Mainz 05 bekamen die 52 500 Zuschauer im Stuttgarter Stadion erst mal ein paar Takte Guns n' Roses zu hören. Mit deren Hit "Paradise City" begeht die Stadionregie des VfB traditionell Heimsiege. Wenig später wurde in der S-Bahn Richtung Stuttgarter Westen Liedgut zu Gehör gebracht, das etwas derber, aber durchaus realistisch ausfiel. Wiewohl der Refrain sich streng genommen nur reimt, wenn man - wie im Südwesten - über den Unterschied zwischen stimmlosem und stimmhaftem "S" großzügig hinwegsieht: "Nach der ganzen Scheiße", schallte es also durch die S-Bahn in Erinnerung an weniger erfolgreiche Stuttgarter Zeiten, "mach'n wir uns auf die Reise: Europapokal."

Nicht erst nach dem Sieg gegen Mainz vom Sonntag wirken solche Visionen alles andere als vermessen: Selbst mit elf Punkten weniger wäre der VfB nach Lage der Dinge direkt für die Europa League qualifiziert. Und Mitte Mai, wenn der letzte Spieltag gespielt ist, interessiert es eh niemanden mehr, wie denn der 21. Spieltag gelaufen ist. Was weiter kein Schaden ist, denn am Sonntag reichte den Schwaben eine phasenweise sehr gute, insgesamt aber eher durchschnittliche Leistung, um die harmlosen Gäste nach Toren von Maximilian Mittelstädt, Jamie Leveling und Deniz Undav noch näher Richtung Abstieg zu schießen. Die 05er, bei denen Ludovic Ajorque traf, sind nun seit elf Spielen ohne Sieg und haben bereits neun Zähler Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Vier sind es auf den Relegationsplatz.

Nach dem Spiel wandten die Gästefans den Spielern den Rücken zu. Und das zu Recht, wie Offensivmann Jonathan Burkardt sagte, der "vollstes Verständnis" für die Zuschauer äußerte: "Wir hatten gute Szenen. Aber das 1:0 hat uns dann komplett gebrochen. Es tut weh, das mitanzusehen." Sportdirektor Martin Schmidt vermied schon im Schwäbischen ein Bekenntnis zu Trainer Jan Siewert, deshalb war es dann auch keine Überraschung mehr, als am Montagmittag die Nachricht kam, dass der FSV sich von seinem Trainer trennte. Nach dem Rücktritt von Bo Svensson Anfang November hatte der 41-Jährige, zunächst als Interimslösung, gleich im ersten Spiel den ersten Sieg geholt - und zugleich den letzten. Ein Nachfolger solle am Dienstag bekannt gegeben werden, hieß es. U23-Trainer Benjamin Hoffmann könnte den Posten übernehmen.

"Die Situation im Abstiegskampf hat sich in den vergangenen Wochen (...) für uns deutlich zugespitzt. Wir sehen in der Veränderung auf der Trainerposition jetzt leider einen notwendigen Schritt, um noch eine positive Wende herbeiführen zu können", ließ sich Mainz' Sportvorstand Christian Heidel in der Mitteilung des Klubs zitieren.

Siewert ist nun schon der dritte Mainzer Trainer, der zum Faschingshöhepunkt gehen muss. Vor ihm erwischte es am Rosenmontag 2001 Eckhard Krautzun, er wurde durch einen gewissen Jürgen Klopp ersetzt. 2015 musste Kasper Hjulmand, aktuell dänischer Nationaltrainer, seinen Platz am Faschingsdienstag für den jetzigen FSV-Sportdirektor Martin Schmidt räumen.

"Es war nicht klar, in welche Richtung das Spiel kippt", urteilte Sebastian Hoeneß

Die widrigen Umstände, mit denen der VfB gerade zu kämpfen hat, hätten sie dagegen gern in Mainz. Nach dem Ausscheiden im Pokal gegen Leverkusen am Dienstag war Traumabewältigung angesagt. Schließlich hatten einige Tausend VfB-Fans bereits ihre Hotelzimmer fürs Berliner Pokalfinale gebucht und wieder stornieren müssen. Zudem war die Personalsituation angespannt. Torjäger Serhou Guirassy saß zunächst nur auf der Bank, Torwart Alexander Nübel musste mit Hüftproblemen komplett passen. Ihn ersetzte Fabian Bredlow.

An den beiden prominenten Ausfällen kann es nicht allein gelegen haben, dass der VfB ein eher mittelmäßiges Heimspiel zeigte. "Wir hatten Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten", gab VfB-Coach Sebastian Hoeneß angesichts des guten Mainzer Beginns zu. "Es war nicht klar, in welche Richtung das Spiel kippt." Auch der Sportdirektor gab sich fachlich-analytisch: "Das war kein spektakulärer Sieg", räumte Fabian Wohlgemuth ein, der kein Problem damit hat, wenn auch Spiele gewonnen werden, in denen der VfB keine Bäume ausreißt. "Aber die Mannschaft ist das ganz professionell angegangen."

Dann aber ließ er doch erkennen, dass der jüngste Höhenflug auch in der offiziellen Vereinsrhetorik Spuren hinterlassen hat. Auf den europakompatiblen Tabellenstand angesprochen, verzichtete der Sportdirektor des Tabellendritten auf jede Momentaufnahmen-Rhetorik: "Wir stehen nicht zu Unrecht da. Die Tabelle bildet schon das ungefähre Leistungsvermögen ab."

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