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Schwimmer Paul Biedermann:Er rollwendet und rollwendet und rollwendet

Früher galt Paul Biedermann als gemütlich, jetzt ist er schlicht: professionell. Der Freistil-Spezialist Paul Biedermann hält immer noch die Weltrekorde und hat an seinen Schwächen gearbeitet. Dennoch muss er froh sein, wenn es bei Olympia zu einer Medaille reicht.

"Jeder trainiert, um irgendwann Olympiasieger zu werden", hat der Schwimmer Paul Biedermann vor einem Jahr in einem SZ-Interview gesagt: "Zumindest gehe ich deshalb jeden Tag ins Training." Morgen für Morgen radelt Biedermann von seinem Elternhaus in Halle/Saale zur neuen Schwimmhalle in Halle/Saale, die sie um ein Haar Paul-Biedermann-Halle genannt hätten, was er aber zu verhindern wusste. Jetzt heißt sie Robert-Koch-Halle.

London 2012 - Schwimmen

Mit perfektionierten Wenden soll es mit einer Olympia-Medaille klappen: Schwimmer Paul Biedermann.

(Foto: dpa)

Im Winter ist es draußen noch dunkel, wenn er ins Becken springt, und wenn er wieder raus steigt, ist es oft auch noch nicht richtig hell.

Während es Biedermann vor ein paar Jahren noch genossen hat, im Wasser auch mal den Kopf auszuschalten, zwingt er sich inzwischen, jede Wende, jeden Armzug bewusst auszuführen. Überall auf dieser langen Sportlerreise kann man ja entscheidende Hundertstelsekunden gewinnen oder verlieren, die im Ziel dann den Unterschied ausmachen.

Früher galt Biedermann als gemütlich, man musste ihn antreiben hin und wieder. Jetzt ist er schlicht: professionell. "Du gehst morgens ins Training, schwimmst dein Programm - und dann wachst du erst auf: Das geht jetzt nicht mehr", hat er irgendwann begriffen: "Ich muss immer hellwach sein."

Aber ob das nun reicht? Das Ziel hat Biedermann jetzt unmittelbar vor Augen: Das 400-Meter-Freistil-Finale am Samstagabend, das 200-Meter-Freistil-Finale am Montagabend, vorausgesetzt er qualifiziert sich für beide, und dann sind die Spiele (abgesehen von einem Staffelrennen) für den 25-Jährigen schon wieder vorbei.

Aller Voraussicht nach mit dem Ergebnis, dass Paul Biedermann am Samstagabend nicht Olympiasieger geworden ist. Am Montagabend auch nicht. Und in vier Jahren in Rio ist es dann vermutlich zu spät.

Nun teilen die meisten Menschen (sogar die meisten Leistungssportmenschen) das Schicksal, nie Olympiasieger zu werden. Und selbst wenn Biedermann beim Anblick seiner Freundin Britta Steffen, der Doppel-Olympiasiegerin von Peking, den Eindruck gewinnen könnte, das sei eher der Normalfall als die Ausnahme: Er hat zwar nicht aufgehört, vom perfekten Rennen zu träumen, aber er hat seine Ziele der Realität angepasst. "Insgesamt will ich besser sein als in Peking, aber natürlich nimmt sich keiner Platz vier vor", hat er in dieser Woche gesagt. In Peking war Biedermann Fünfter über 200 Meter.

Eine Olympia-Medaille, darum geht es ihm nun, "eine Medaille war immer mein Traum". Farbe? Egal. Das mag bescheiden klingen für einen, der auf seinen beiden Strecken bis heute die Weltrekorde hält, und von dem man noch jenes Bild in Erinnerung hat, wie er bei der WM 2009 in Rom den Ausnahme-Schwimmer Michael Phelps hinter sich ließ, als verstecke sich in seinem Schwimmanzug ein diskreter Raketenantrieb. Aber das ist drei Jahre her. Seitdem ist viel passiert. Vor allem sind die Schwimmanzüge inzwischen verboten, auch jene ohne Raketenantrieb.

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