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Schalke in der Bundesliga:Huub Stevens' Gespür für Gelassenheit

So knurrig wie früher, aber nicht mehr so furchteinflößend dirigiert Trainer Huub Stevens Schalke 04 zum Titelanwärter. Die Mannschaft steht jetzt für eine Angriffsfantasie, die nicht passen will zum Klischee des "Die Null muss stehen"-Fanatikers.

Angeblich, das behauptet ja jeder in Schalke, hat Huub Stevens im Alter von 58 Jahren ein Maß an Milde und Güte erworben, wie es ihm vor zehn Jahren niemand zugetraut hätte. Der alte Stevens steckt aber immer noch in ihm, denn der Trainer hat zwar ein paar moderatere Haltungen zum Dasein als Fußballtrainer angenommen und seine Umgangsweisen freundlicher gestaltet, doch seine Persönlichkeit ist dieselbe geblieben.

Huub Stevens tut Schalke gut

Deutlich gelassener als früher: Schalkes Trainer Huub Stevens.

(Foto: dapd)

Weiterhin gibt es diese rauen Momente, in denen er einen Saal voller Menschen einzuschüchtern versteht, indem er bloß missbilligend die Augenbrauen hochzieht, oder indem er ein Konzentrat mieser Laune in den Raum sendet.

Aber für diese Augenblicke des Schreckens pflegt er sein Publikum neuerdings mit Anflügen von Charme und Heiterkeit zu entschädigen, manchmal geradezu mit Übermut. So wie neulich, als der große Realist den ständigen Fragen nach Schalkes Meisterschaftshoffnungen seinen gnädigen Segen gab: "Träume sind schön."

In dieser Woche war Rudi Assauers Alzheimer-Erkrankung das Thema in Schalke. Stevens ist mit dem ehemaligen Manager befreundet, er hat ihm längst verziehen, dass er ihn damals, 2002, mehr oder weniger aus Schalke vertrieben hatte. Zu Assauers Biografie hat er das Vorwort beigesteuert.

Aber als Stevens am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Mainz auf Assauers Schicksal angesprochen wurde, da hat er den harten Blick aufgesetzt und die Sache mit einem einzigen Satz vom Öffentlichen ins Private befördert, wo sie seiner Meinung nach hingehört: "Ich habe mich bisher nicht geäußert aus Respekt vor dem Menschen Rudi Assauer, und das werde ich auch heute nicht tun", hat er gesagt und damit das Thema erledigt.

Nur fürs Schalker Volk hat er dann im Vereinsfernsehen noch ein Statement abgegeben: "Ich finde es super von ihm, wie er sich der Krankheit stellt. Wir leiden alle mit, das ist doch klar." Verein und Medienöffentlichkeit trennt er, das hat mit Professionalität zu tun. Und in gewisser Weise mit Familiarität.

Im September vorigen Jahres, als sich Ralf Rangnick zurückziehen musste und Schalke plötzlich keinen Trainer mehr hatte, saß Horst Heldt mit den Vorstandskollegen Peter Peters und Alexander Jobst sowie dem Oberboss Clemens Tönnies zusammen und hat sich alles über Huub Stevens erzählen lassen.

Heldt kannte den Mann aus Holland nur beiläufig, er wusste bloß das Wichtigste: "Erstens: Der kann ganz schön knurren. Zweitens: Er hat immer und überall ein Super-Verhältnis zur Mannschaft gehabt, jeder seiner Spieler schwärmt von ihm."

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