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Pleite im Revierderby:Über Schalke bricht es lawinenartig herein

Borussia Dortmund - Schalke 04

Schalkes Assistenztrainer Naldo erlebte mal ein 4:4 in Dortmund - diesmal gab's ein 0:3.

(Foto: dpa)

Schalke 04 hat seit 21 Spielen nicht mehr gewonnen, doch es gibt Hoffnung: Ein Blick in die Niederlande zeigt, dass noch viel schlimmere Niederlagen passieren können als ein 0:3 in Dortmund.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Der Traditionsklub FC Schalke 04 hat im Kalenderjahr 2020 schon genug Spott und Häme bezogen, deshalb ist es an der Zeit, einmal die mildernden Umstände anzuführen - mögen sie auch noch so marginal erscheinen. Zumal es am Wochenende erwartungsgemäß erneut knüppeldick kam. Nicht unbedingt, weil das Revierderby in Dortmund mit 0:3 verloren wurde, da war von einigen Gröberes befürchtet worden. Nein, zu all dem seit Jahresbeginn über diesen Verein lawinenartig hereinbrechenden Übel gesellte sich noch dieser Fakt: In der Rangliste des Schreckens hat Schalke jetzt mit 21 sieglosen Spielen in Serie zu Blau-Weiß Berlin, Dynamo Dresden und Kaiserslautern aufgeschlossen - nur Tasmania Berlin war schlechter.

Wo in dieser bitteren Tatsache die mildernden Umstände zu orten sind? Nun ja, es sind sogar mehrere: Tasmania bleibt selbst für Schalke kaum einzuholen, der heutige Oberligist gewann von August 1965 bis Mai 1966 in gleich 31 Spielen in Serie nicht, es ist also noch viel Luft nach unten.

Zum anderen ist da ein höchst sensitiver Fakt, denn laut Schalker Rechnung geht die Saison eigentlich erst am kommenden Freitag los (unabhängig davon, dass man schon am zweiten Spieltag den Trainerwechsel vom erfolglosen David Wagner, 49, zum bislang auch noch nicht erfolgreichen Manuel Baum, 41, vollzog). Am Freitag kommt der VfB Stuttgart, ein Aufsteiger, einer, der auf Augenhöhe vermutet wird. Und gegen den ein Befreiungsschlag gelingen soll, denn nach fünf Spieltagen wird's ja doch ungemütlich im Gestrüpp der Sieglosen, zwischen dem 1. FC Köln und Mainz 05.

Am Freitag, so hoffen sie jedenfalls am Schalker Markt, endet die Zeit der Tyrannei, jedenfalls wird sie dort als solche empfunden. Als Tyrann haben die Schalker den Schöpfer des Spielplans identifiziert, der keine Rücksicht darauf nahm, dass der Traditionsklub zwar bislang nicht direkt vom Coronavirus, wohl aber von der Coronakrise besonders hart getroffen wurde. Denn parallel zum Keimen der Pandemie entwickelte sich der Niedergang. Im Kalenderjahr 2020 konnte nur Spiel eins (Historiker erinnern sich: gegen Mönchengladbach, 2:0) gewonnen werden. Fortan ging's bergab, hinzu kam der Schock beim Kassensturz.

Eine Keule, die zwar alle Unternehmen im Land trifft, die bei Königsblau aber auf eine besonders empfindliche Stelle zielte. Es geht um Schalke!!!, hieß es deshalb, als die Liga früh ihren Geisterspielbetrieb wieder aufnahm, um den Fluss der Fernsehgelder nicht zu stoppen. Und jetzt, da der Sturm längst nicht überstanden und nur ein Rettungsring geworfen ist, kommt also dieser herzlose Spielplangestalter und schickt die Schalker Crew sofort zu den schwersten Klippen: nach München (0:8), nach Leipzig (0:4), nach Dortmund. Ergab in Summe ein 0:15 gegen das Trio aus der Champions League. Das nehmen sie auf Schalke übel.

Lässt sich Trost finden? Nur schwer. Vielleicht in der Glorie der Vergangenheit, zumal dann, wenn sie sich mit einer Prise Schadenfreude paart. Zu bestaunen war eine solch seltene Konstellation am Samstag, in Venlo/Niederlande. Einmal Schalker, immer Schalker, heißt es, und dort erzielte ein Ex-Blauer, Klaas-Jan Huntelaar, zwei Tore. Nichts Besonderes für ihn, nicht mal mit 37, sehr besonders allerdings war, dass es die Treffer zum 10:0 und 11:0 für das 13:0 siegreiche Ajax Amsterdam waren.

Dies ist ein Rekord für die größeren Ligen in Europa. Zweistellig, 0:11, hat Schalke ja auch schon einmal verloren, 1967 war's, gegen Borussia Mönchengladbach. In all dieser Statistik könnte Tröstliches sogar für die königsblaue Seele liegen. Erste Erkenntnis: Nicht lange her, dass die Schalker, siehe Huntelaar, mal bedeutender waren. Zweite Erkenntnis: Schlimmer geht's immer! Doch mit dem Nullacht beim FC Bayern haben die Nullvierer ihr Schlimmstes für diese Saison vielleicht schon hinter sich.

© SZ vom 26.10.2020/jbe
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