Carlsen vs Caruana:Entscheidend ist die "Theorie"

Aber es spielt auch gravierend die Vorbereitung hinein. Schachspieler sind zwar verblüffend stark darin, zu kombinieren und vorauszuschauen, wenn sie am Brett sitzen. Aber insbesondere in der Anfangsphase beruhen sehr viele Züge nicht auf einer plötzlichen Eingebung, sondern auf der sogenannten "Theorie", für die Vor- und Nachteile eines jeden Zuges ausführlich analysiert sind. Und die Zugumfänge, für die Spieler dieses theoretische Wissen besitzen, steigen immer weiter.

Monatelang sitzen sie daher vor einem solchen Turnier mit einem Sekundanten-Team zusammen, mit riesigen Datenbanken und Hochleistungs-Rechern, und prüfen, ob es in einer Eröffnung irgendeinen Zug gibt, der den Gegenüber überraschen könnte - und dessen Finesse der Gegenüber dann am Brett erkennen muss. Aber auch nach jeder Partie inspiziert das Sekundenteam jeden Zug des Gegners, um gegebenenfalls bessere Antworten zu entwickeln. Manchmal, wenn die Schachspieler grübelnd dasitzen, sind sie nicht mit einer Kalkulation beschäftigt, sondern mit dem Versuch, sich an die Vorbereitung am Computer zu erinnern.

Zugleich ist diese Vorbereitung bei Caruana offenkundig besser gewesen als bei Carlsen. Schon mehrmals gab der Weltmeister zu, dass ihn ein Zug überrascht habe. Er selbst musste sich vom Großmeister Alexander Grischuk anhören, dass seine Eröffnungen mit Weiß "kindlich naiv" gewesen seien. "Was ich gemacht habe, war zu soft", gestand Carlsen. Seine große Stärke, nämlich in einem weit fortgeschrittenen Stadium der Partie seine gute Intuition zu zeigen, konnte er bisher noch nicht ausspielen.

Dennoch muss dem Weltmeister ob der vielen Remisen nicht allzu bange sein. Denn sollte es nach zwölf Partien tatsächlich 6:6 stehen, fällt die Entscheidung wie schon vor zwei Jahren im Tie-Break. Und in den Schnellpartien mit kurzer Bedenkzeit gilt Carlsen als klar stärker.

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First Move Ceremony of the Championship Match 201818:11

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