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Buccaneers gegen Saints in der NFL:Spiel der Weisen

Quarterback-Superstar Tom Brady

Für die Experten der Favorit: Tom Brady von den Tampa Bay Buccaneers.

(Foto: Dirk Shadd/dpa)

Im Playoff-Viertelfinale der NFL treffen Tom Brady und Drew Brees aufeinander. Es ist eines der seltenen Duelle zweier legendärer Football-Quarterbacks - und das letzte.

Von Fabian Dilger

Zwei sehr, sehr alte Männer werden sich duellieren, am Ende kann es nur einen geben: Was klingt wie der Plot eines Highlander-Films, das ist die Geschichte des Viertelfinales der NFL-Playoffs zwischen den Tampa Bay Buccaneers und den New Orleans Saints an diesem Sonntag. Die Quarterbacks Tom Brady, 43, und Drew Brees, 42, beide scheinbar schon ewig dabei, treten gegeneinander an. Und so kurios das klingt bei zwei so langen Sportkarrieren: Es ist das erste Mal in einem K.o.-Spiel, dass sie aufeinandertreffen. Und es ist gleichzeitig das letzte Mal. Brees plant dem Vernehmen nach sein Karriereende.

Dass sich zwei prägende Spielmacher ihrer Zeit nicht öfter gegenüberstanden, ist dem System der NFL geschuldet, das die Liga in zwei Conferences teilt. Brees spielte lange in der NFC, Brady bis 2019 bei den New England Patriots in der AFC. In gut 20 Jahren gemeinsamer Liga-Zeit trafen sie bisher insgesamt auch in der regulären Saison nur sieben Mal aufeinander.

"Wir haben hin- und hergetextet und irgendwie über das ganze Szenario gelacht", sagt Brees

Das Duell gleicht also mehr einem Schwergewichtskampf als einem Derby-Klassiker, allerdings ganz ohne Hass oder Abneigung zwischen den Kontrahenten. Da sei nur "Freundschaft und gegenseitiger Respekt", sagte Brees diese Woche. "Wir haben hin- und hergetextet und irgendwie über das ganze Szenario gelacht." Vom statistischen Standpunkt gesehen ist es nämlich sowohl das älteste als auch das beste Match-Up der Geschichte in den Playoffs.

Der Kalifornier Brady und der Texaner Brees halten gemeinsam so ziemlich alle wichtigen Rekorde für Quarterbacks in der NFL. Passing Yards, Touchdowns, angekommene Pässe - mal steht Brees auf Platz eins, mal Brady. Nur bei den Meisterschaften hinkt Brees mit nur einem Pokal ziemlich hinterher. Und genau das macht Brees ein bisschen zu einem tragischen Fall. Nie war er MVP, der wertvollste Spieler einer Saison, nur einmal Super Bowl-Sieger. Und in den Playoffs scheiterte Brees mit eigentlich sehr guten Saints-Teams in den letzten Jahren mehrmals überraschend.

Gut gelaunt: Drew Brees, hier vor dem Wild-Card-Spiel gegen Chicago Anfang Januar.

(Foto: Brett Duke/AP)

"Er hat mehrmals eine absolute MVP-Saison gespielt, aber das Pech gehabt, dass andere Quarterbacks dann noch ein Stück besser waren", sagt der deutsche Football-Analyst Fabian Sommer. "Wenn Brees den ein oder anderen MVP-Titel mehr hätte, würden wir anders über ihn denken."

MVP wird Brees nicht mehr in dieser Saison, aber die Chance auf den Titel ist da. Gegen die Buccaneers sehen die Buchmacher in Las Vegas die Saints leicht im Vorteil. Die Experten sind größtenteils anderer Meinung, auch Sommer sagt: Vorteil Brady. "Weil sie einfach momentan die bessere Offense aufs Feld schicken." Nachdem das Spiel der Buccaneers zu Beginn der Saison oft stockte, spielt die Offensive in der Endphase der Saison geschmeidiger, inspirierter. Die Saints haben vielleicht das ausgeglichenere Team, doch oft schlägt im Football die bessere Offensive die bessere Defensive. Das Passempfänger-Trio Mike Evans, Chris Godwin und Antonio Brown ist in der Summe das wohl beste der Liga, das hilft Brady.

Wie Brady sich mit 43 aus der Bedrängnis manövriert, ist ein Mysterium

Ähnlich wie Brees, der nach der Karriere wohl als TV-Experte arbeiten wird, könnte es auch Brady jederzeit tun; einen TV-Vertrag hätte er wohl sofort in der Tasche, wenn er denn möchte. Entsprechende Signale von ihm gibt es aber keine, er wird nächste Saison weitermachen. Das Besondere an seinen Leistungen vergisst man oft, aber NFL-Experte Sommer betont: Es sei ein Mysterium, eine Ausnahmeerscheinung, wie sich ein 43-Jähriger immer noch scheinbar mühelos aus Bedrängnis manövriert und immer noch so tief und so genau werfen kann. "Ich kann es mir nicht erklären. Aber er tut es wirklich", sagt Sommer.

Brady und Brees sind zwar Ausnahmespieler, aber trotzdem könnten sie mit ihren Karrieren den Altersrahmen für künftige Quarterbacks verschoben haben. Normalerweise ist die "Father Time" jenseits der 40, wie es Amerikaner nennen, nicht gnädig zu Profisportlern. "Ich glaube, dass Brees und Brady in der Hinsicht eine kleine, neue Welle auslösen", sagt Sommer. Der ligaweite Trend zu mehr Passspiel in der Offensive, die immer smarteren Systeme, die härteren Strafen für Angriffe auf die Quarterbacks - all das begünstigt Spielmacher mit nachlassender Physis.

Was das Alter und die erwartbaren Witze angeht, haben beide die Pointen übrigens schon vorweggenommen. Brady postete diese Woche eine Fotomontage der beiden in den sozialen Medien: Er selbst mit weißem Propheten-Bart, Brees mit Halbglatze und Opa-Brille. Die Überschrift lautete: "Die Geschichte wartet."

© SZ/fse/and/bek
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