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Runde zwei in Wimbledon:Schweinsteiger ist ausgeschieden

German footballer Bastian Schweinsteiger gestures during the match between Ana Ivanovic of Serbia and Bethanie Mattek-Sands of U.S.A. at the Wimbledon Tennis Championships in London

Lächeln, Ana, lächeln! Bastian Schweinsteigers Tricks helfen diesmal nicht.

(Foto: REUTERS)
  • Erstmals nimmt Bastian Schweinsteiger am Tennisturnier in Wimbledon teil. In der Box muss er mit ansehen, wie seine Freundin Ana Ivanović in der zweiten Runde ausscheidet.
  • Alle Tricks und Anfeuerungen helfen nichts. Ivanović verliert gegen Bethanie Mattek-Sands.
  • Hier geht's zu allen Ergebnissen in Wimbledon.

Bastian Schweinsteiger beugte sich weit nach vorne, er knetete die Hände, nestelte mit der Hand an seiner Uhr. Auf seiner Stirn bildeten sich tiefe Falten, er schüttelte den Kopf. Das Aus in Wimbledon drohte bereits in der zweiten Runde. Matchball. Der erste abgewehrt, der zweite ebenso. Schweinsteiger schöpfte noch einmal Hoffnung, sprang auf, ballte die Faust. Doch schließlich: ein leichter Return-Fehler. Seine erste Teilnahme am wichtigsten Tennisturnier der Welt endete schmerzlich.

Ana Ivanović verlor am Mittwochabend deutlich mit 3:6 und 4:6 gegen die Amerikanerin Bethanie Mattek-Sands, die Weltranglisten-Siebte gegen die Nummer 158. Damit hätte kaum einer gerechnet, auch der berühmte Freund in der Players-Box nicht. Als der erste Satz verloren ging, schlug Schweinsteiger die Hände vors Gesicht. Als Ivanović auch im zweiten Durchgang zurücklag, rief er ihr zu: "C'mon, you can do it." Er suchte den Blickkontakt, nickte ihr aufmerksam zu. Doch irgendwann lehnte er sich resigniert zurück.

Die Serbin spielte viel zu passiv, zu zaghaft, zu fehlerhaft. Ihre Grundschläge erreichten oft nur das Halbfeld. Ihre Gegnerin, eine Grasliebhaberin und Doppelspezialistin, stürmte dagegen frech ans Netz. Mattek-Sands schrie auf, nachdem sie den Matchball verwandelt hatte. Schweinsteiger setzte seine dunkle Sonnenbrille auf, zog seine Kappe tief ins Gesicht und verließ mit schnellen Schritten das Stadion. Ein paar Kinder rannten dem Weltmeister hinterher, der sich noch zu zwei Selfies überreden ließ. Gelächelt hat er darauf allerdings nicht. Dann verschwand er im Klubhaus. Seine letzten Urlaubstage hatte sich Schweinsteiger anders vorgestellt.

Begonnen hatte die Sommerpause viel erfreulicher. In Paris. Die ersten Ferienwochen verbrachte Schweinsteiger bei den French Open, erstmals seit 2007 stieß Ivanović bis ins Halbfinale eines Grand-Slam-Turnieres vor. Schweinsteiger applaudierte. Der Beginn einer wunderbaren Beziehung?

In London ging Schweinsteiger noch offensiver an die Sache heran. Bei einer Party vor Turnierbeginn erschien der Mittelfeldspieler Arm in Arm mit der Tennisspielerin, der erste offizielle gemeinsame Auftritt. Da Ivanović an diesem Abend einen funkelnden Ring trug, spekuliert die Welt seitdem, welchen Beziehungsstatus die beiden inzwischen erreicht haben.

Zum Training legte Ivanović den Klunker ab, dafür kam Schweinsteiger mit auf den Platz. Penibel beachtete der die Kleiderordnung im ehrwürdigen Wimbledon: In weißen Tennisschuhen, weißen Socken, weißer Hose und weißer Trainingsjacke klaubte er hinter seiner Ana die Filzkugeln vom Rasen auf. Einmal durfte der Balljunge sogar mittrainieren. Da jedoch schon bald Videos von der Session im Netz kursierten und seine einhändige Rückhand eher für Gespött als für Respekt sorgte, zog sich das Team Ivanović fortan meist auf Trainingsplatz 14 zurück. Der liegt so abgeschieden, dass Besucher nur noch mit dem Fernglas erspähen konnten, ob Schweinsteiger wieder selbst auf den Ball schlug.

Wie lange der Fußballer nun benötigt, um die frühe Niederlage zu verdauen? Beim FC Bayern werden sie den Turnierverlauf in Wimbledon sicherlich verfolgt haben. Womöglich kommt dem Verein das Aus von Ivanović sogar ganz gelegen. Denn am Montag war Trainingsauftakt in München. Wie die anderen Nationalspieler wird Schweinsteiger am 11. Juli zurückerwartet. Das ist der Tag des Frauenfinales in Wimbledon. Die Frage, ob Schweinsteiger dann zur Teampräsentation in der Fröttmaninger Arena erschienen wäre oder lieber auf dem Center Court eine Tennisspielerin angefeuert hätte, ist nun eine hypothetische.

Für Schweinsteiger heißt es nun wieder: von der Zuschauertribüne runter auf das Spielfeld. Säbener Straße statt Church Road.

© SZ.de/hum
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