Rückkehrer beim FC Bayern:Guardiola dankt Alabas Eltern

Bayern Muenchen - Doha Training Camp Day 8

Mit Spaß in Doha: David Alaba (links) und Franck Ribéry.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der genesene David Alaba kehrt beim Testspielsieg des FC Bayern gegen Al-Hilal ins Team zurück. Trainer Pep Guardiola gibt ihm gleich eine tragende Rolle und freut sich über die guten Gene des Österreichers.

Von Benedikt Warmbrunn

Claudio Pizarro lief zwischen den Kollegen hindurch, er bekam Kopfklatscher, Schulterklatscher, Popoklatscher, und dann wartete da noch David Alaba. Handshake mit rechts, den linken Arm legte Alaba um Pizarros Hals, so marschierten die beiden zur Mittellinie. Der Stürmer, der getroffen hatte. Und neben ihm der nächste Rückkehrer.

Acht Tage lang hatte sich der FC Bayern im Trainingslager in Katar auf die Rückrunde in der Fußball-Bundesliga vorbereitet, am Samstag flog die Mannschaft über Saudi-Arabien zurück, den Zwischenstopp nutzte sie zu einem Test gegen Al-Hilal in Riad; neben Pizarro trafen Dante, Bastian Schweinsteiger und Robert Lewandowski zum 4:1-Sieg, aber das Ergebnis war gegen diesen Gegner ohnehin egal. Die eigentliche Nachricht des Ausflugs war, dass David Alaba wieder spielte, eingewechselt nach 57 Minuten für Dante.

Alaba, 22, hatte sich Anfang November beim Champions-League-Spiel gegen den AS Rom am Knie verletzt, ein Teilriss des Innenbandes, dazu eine Innenmeniskusverletzung. Operation, 14 Tage Gipsschiene, der nächste längere Ausfall des FC Bayern. Und der nächste schwer wiegende. Alaba hat sich in den vergangenen Jahren als eine der wenigen Stammkräfte durchgesetzt, auch noch unter Pep Guardiola. Auch noch, nachdem der Spanier Juan Bernat zusätzlich für die linke Seite verpflichtet wurde. Auch noch, als Guardiola in der Abwehr mit einer Dreierkette experimentierte. Alaba spielte. Und er spielte eigentlich immer auffällig. Bis er sich verletzte.

In Doha kehrte Alaba ins Mannschaftstraining zurück, als zweiter Langzeitverletzter, natürlich ist er auch wieder ein Kandidat auf einen Stammplatz. Alabas Rückkehr rückte zunächst aber etwas in den Hintergrund, da der erste Rückkehrer Holger Badstuber hieß, der Mann mit den zwei Kreuzbandrissen und der Oberschenkelverletzung, der Innenverteidiger, der zwei Jahre lang fast nicht gespielt hat.

Einer allerdings hat Alaba sehr euphorisch empfangen: Pep Guardiola.

Der Trainer lobt seine Spieler ja sehr gerne und sehr überschwänglich, meint er das Lob ernst, ordnet er den Wert des Gelobten noch ein bisschen ein. Über Alaba sagte Guardiola am Ende der Woche in Katar: "Sein Vater und seine Mutter haben David eine überragende Kondition mitgegeben", daher sei dieser schon wieder körperlich in einem guten Zustand. Für Guardiola ist das eine wichtige Erkenntnis, für ihn ist Alaba "einer der wichtigsten Spieler", weil er überall spielen könne, "weiter vorne, weiter hinten, außen, in der Mitte". Der Trainer betonte zudem, dass Alaba immer "auf sehr hohem Niveau" spiele, "mal bei acht, mal bei neun, mal bei zehn auf der Skala". Es ist davon auszugehen, dass Guardiola tatsächlich eine Skala meint, die bei zehn endet.

Alaba vermisst Ribéry

David Alaba reagiert auf derartige Hymnen eher schüchtern, er sagt nur wenig über sich selbst. "Ich bin sicherlich noch ein junger Spieler, der noch viel dazulernen kann", sagte er in Doha. "Wenn ich das auf mehreren Positionen kann, versuche ich das anzunehmen und versuche, mich auf jeder Position weiterzuentwickeln."

Gegen Al-Hilal spielte Alaba auf der linken Seite, dort plant der Trainer auch in der Rückrunde mit ihm, entweder als Außenverteidiger in einer Viererkette oder als Bindeglied zwischen Dreierkette und Mittelfeld. Es war eine unauffällige Rückkehr, Al-Hilal spielte mit einer konfusen Defensive, sorgte selten für Gefahr (die größte erzeugte FC-Bayern-Torwart Manuel Neuer, als ihm einer seiner berühmten Ausflüge misslang - der anschließende Schuss ging jedoch weit am Tor vorbei). Alaba leistete sich keinen gravierenden Aussetzer, er spielte wieder souverän. Weiter vorne, weiter hinten und auch außen. In der letzten Minute rannte er von seiner linken Seite auch in die Mitte, aber da konnte er nicht helfen, Salem Aldoasry schoss den Ball zwischen Ersatztorwart Leopold Zingerle und Alaba hindurch ins Tor.

Alaba war die Pause anzumerken, er war noch nicht wieder der dynamische Linienläufer, er rannte nicht mit diesen unnachahmlich großen Schritten nach vorne - es fehlte ihm gegen Al-Hilal aber auch sein kongenialer Partner, der Franzose Franck Ribéry, der zur Halbzeit ausgewechselt worden war. Ribéry und Alaba bilden ein harmonisches Pärchen, sie ergänzen sich, auf dem Platz vor allem dank Alaba, der den Franzosen absichert (so gut, dass Ribéry inzwischen dankbar auch mehr in der Defensive hilft). Dafür ist Alaba außerhalb des Platzes frecher.

Ribéry ist einer der bevorzugten Selfie-Partner von Alaba, und die Aussichten auf weitere Fotos sind in Doha noch einmal gestiegen. Weil Ribéry sich rasiert hat. In den ereignisarmen Tagen in Katar war der Bart des Franzosen tatsächlich ein Thema; am Dienstag hatte er sich nach mehreren Monaten von seinem Rauschebart getrennt. Und wenn Alaba nicht über Alaba spricht, dann ist er auch nicht länger schüchtern. Sondern keck. "Süß" sehe Ribéry nun aus, und nicht mehr "so gefährlich".

Ob Alaba beim Rückrunden-Auftakt am 30. Januar in Wolfsburg auf der Position hinter Ribéry spielen wird, hat er in Doha offen gelassen. "Es ist wichtig für mich, ohne Probleme mitzutrainieren." Aber, immerhin: "Ich habe keine Einheit gehabt, in der ich habe kotzen müssen."

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