Rückkehr zum Volksparkstadion Trostpreis für den billigen HSV

Mit Kühnes Geld in einer schönere Zukunft? Erst einmal müssen Pierre-Michel Lasogga, r., und Kollegen die Bundesliga erhalten.

(Foto: dpa)

Dass Klaus-Michael Kühne als Investor beim HSV einsteigt und der Arena ihren alten Namen schenkt, erscheint als nette Geste. Doch hätte der Klub die Wahl gehabt, hätte er kaum in einer prekären Situation Anteile verkauft.

Kommentar von Philipp Selldorf

Mit der Nachricht, dass sein Stadion demnächst wieder Volksparkstadion heißen wird, hat der Hamburger SV nicht nur die eigenen Anhänger, sondern die gesamte Menschheit überrascht.

Dieser Rückschritt in die Vergangenheit ist eine außergewöhnliche Geste in der Welt des Profifußballs, auf den ersten Blick wirkt er wie ein Einfall aus dem Heimatroman - der HSV und sein sentimentaler Gönner holen ein Stück Identität nach Hause, das unrettbar an den kalten Kommerz verloren zu sein schien. Mancher HSVer sieht nun vor seinem geistigen Auge die Bananenflanken von Manfred Kaltz und die Kopfballtore von Horst Hrubesch auferstehen, während Ernst Happel auf der Trainerbank eine Zigarette anzündet. In der guten alten Zeit.

Mancher HSVer mag sich zwar auch noch darauf besinnen, dass sich diese seligen Szenen in einem Stadion zutrugen, in das es selbst dann hineinregnete, wenn die Sonne schien, und das zu den ungemütlichsten Stadien auf dem gesamten Erdball gehörte. Aber es werden ja nicht die vormodernen Zustände wiederhergestellt. Lediglich der neue Name wird bald der alte sein.

Es mag sein, dass die Restauration des Titels Volksparkstadion dem Finanzier Klaus-Michael Kühne "eine Herzensangelegenheit" ist, wie er sagt. Ins Herz von Herrn Kühne vermag außer seinem Kardiologen wohl nur Herr Kühne selbst zu schauen, was die Klubverantwortlichen beim Umgang mit dem eigensinnigen Multimillionär schon öfter zu spüren bekamen.

Es gibt aber auch Gründe für die Annahme, dass dieser nostalgische Akt ein besonders gerissener Marketing-Coup ist. Wobei es nicht darum geht, ein Produkt zu verkaufen, sondern ein Beteiligungsmodell zu legitimieren.

Kühne erhält eine 7,5-prozentige Beteiligung

Das lenkt den Blick auf die geschäftlichen Aspekte des Handels, mit dem der HSV am Donnerstag ans Licht trat. Kühne fungiert künftig nicht mehr nur als schwerreicher und launischer Gönner, sondern auch als Teilhaber und Investor. Es ist nicht ganz klar, wer bei diesem Abschluss ein gutes Geschäft macht. Für die 7,5-prozentige Beteiligung bezahlt Kühne 18,75 Millionen.

Das ist heute im Profifußball nicht viel Geld, dazu muss man gar nicht darauf verweisen, dass der FC Bayern unlängst 110 Millionen Euro erlöste, als er 8,33 Prozent Beteiligung an die Allianz abtrat.

Der Handel in Hamburg ist das Resultat seiner Umstände. Hätte der HSV die Wahl gehabt, hätte er sich kaum in einer finanziell und sportlich prekären Situation an den Geldgeber verkauft. Denn logischerweise ist ein Fußball-Unternehmen mehr wert, wenn es nicht in einer beständigen sportlichen Krise steckt und unentwegt um seine Existenz als Mitglied der ersten Liga fürchten muss. Auch ist es beim Verkauf einer Ware vorteilhaft, wenn nicht alle Welt weiß, dass der Verkäufer in akuten Finanznöten steckt.

Unter diesen Umständen ist die Rückkehr des Volksparkstadions eher ein Trostpreis als eine romantische Geste.