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Radfahrer Primoz Roglic:Der Skispringer, der zum Vuelta-Sieg radelt

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Primoz Roglic kann nicht nur Ski springen, sondern auch schnell Rad fahren.

(Foto: Javier Lizon/AFP)
  • Der Slowene Primoz Roglic erstaunt auch bei der Vuelta der Radfahrer.
  • Der Gesamtsieg für ihn ist nah - das liegt auch an seinem starken Team.

Richtig fies wurde es noch einmal, fast 18 Kilometer ging es bergan, mehr als sechs Prozent durchschnittliche Steigung - ein Terrain wie geschaffen zur Attacke für die Klassementfahrer. Aber als das Peloton den Alto de La Cubilla in Asturien erklomm, war es wie so oft in den vergangenen Tagen bei der 74. Spanien-Rundfahrt: Nahezu alle Favoriten hatten irgendwann Mühe, mit dem Gesamtführenden Primoz Roglic mitzuhalten - und so baute der Slowene seinen Vorsprung noch weiter aus, auf jetzt 2:48 Minuten auf seinen ärgsten Verfolger Alejandro Valverde aus Spanien.

Alles deutet darauf hin, dass Roglic, 29, die Vuelta am Sonntag in Madrid als Gewinner abschließt. Und das wäre dann nicht nur der erste Gesamtsieg des früheren Skispringers bei einer großen Landesrundfahrt, sondern auch ein erstes Statement in einem Duell, das die Radszene in den nächsten Monaten und insbesondere bei der nächsten Tour de France beschäftigen dürfte. Ein Duell zwischen Roglic' Jumbo-Visma-Team nämlich - und der Equipe Ineos (bis Mai 2019 Sky), die in den vergangenen Jahren die dominierende Kraft auf Frankreichs Straßen war und durch Christopher Froome (2015 bis 2017), Geraint Thomas (2018) und Egan Bernal (2019) zuletzt fünfmal nacheinander die Tour gewann.

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Es fällt jedenfalls auf, dass sich Jumbo gerade so offensiv wie keine andere Mannschaft zum großen Herausforderer von Ineos erklärt und sich eine entsprechende Equipe zusammenstellt. Neben Roglic, im Frühjahr schon Dritter beim Giro d'Italia, und Steven Kruijswijk, im Sommer bei der Tour ebenfalls Dritter, kommt zur neuen Saison auch noch Tom Dumoulin, Spitzname "Schmetterling von Maastricht", 2017 Sieger beim Giro und im Vorjahr Tour-Zweiter. Gleich drei sehr starke Rundfahrer vereinigt die Equipe dann. "Mit Beginn der Vuelta streben wir in jeder großen Rundfahrt den Gesamtsieg an", gab Teamchef Richard Plugge vor der Spanien-Rundfahrt als Parole vor. Der Sieg bei der Frankreich-Rundfahrt, das sei natürlich der große Traum der Mannschaft.

Der Name des Teams wechselte des Öfteren

Plugge ist seit etwas mehr als einem halben Jahrzehnt der Kopf hinter dem Team Jumbo, das schon seit Langem zum Radsport gehört - wenn auch unter anderen Namen. Als Rabobank firmierte es bis 2012 und galt als ein Inbegriff des Betrugswesens. Rennstall-Größen von Michael Boogerd bis Thomas Dekker räumten jahrelanges Doping ein, der frühere Tour-de-France-Leader Michael Rasmussen bezifferte die Quote der Doper im Team sogar auf zeitweise "100 Prozent" (was mancher Ex-Fahrer zurückwies). Der Sponsor zog sich jedenfalls zurück, und Plugge, ein früherer Journalist, wurde Teammanager.

Mit großer Mühe gewann er neue Sponsoren, um den Rennbetrieb aufrechtzuerhalten; des Öfteren wechselte der Name, seit diesem Jahr heißt das Team Jumbo-Visma. Plugge sei, so heißt es, kein typischer Radsport-Manager, der seit Jahrzehnten das Radmilieu und seine Sitten gewohnt sei. Aber manche Schlagzeile aus dem traditionelle Problemfeld gibt es auch unter seiner Führung.

Roglic' steiler Aufstieg vom Skispringer zum Weltklasse-Rundfahrer binnen weniger Jahre lässt viele staunen, und die generellen Vorgänge im merklich beflügelten slowenischen Radsport veranlassten sogar schon den Weltverband UCI zu einer speziellen Untersuchung. Zudem geriet Jumbo bei der Tour in diesem Jahr in die Kritik, als sich herausstellte, dass sie umstrittene Ketonpräparate nutzen. Das sind Mittel, die die Fettverbrennung ankurbeln sollen. Jumbo gab sich damals cool und sagte, es sei ja nicht verboten; die Ärzte anderer Teams aber untersagten den Einsatz - man wisse noch nicht, wie der Stoff langfristig auf den Körper wirke.