Regeländerung im Tennis:Das Ende des archaischen Finales

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Jahresrückblick 2010 - Isner gewinnt Rekordmatch

Das längste Match der Tennis-Geschichte: Nicolas Mahut und John Isner vor ihrem Scoreboard in Wimbledon. Der fünfte Satz endete nach über elf Stunden mit 68:70 für Isner.

(Foto: dpa)

Bei den Australian Open wird erstmals der fünfte Satz bei Bedarf im Tie-Break entschieden. Alexander Zverev findet das nicht gut - doch die alte Regel sprengte jeden Turnierplan.

Kommentar von Barbara Klimke

Es war am zweiten Tag des Duells, als der Gentleman-Sport in weißen Hosen zum Boxkampf mutierte. Jeder Aufschlag ein Jab, jedes Ass ein Upper-Cut. Der Kontrahent auf der einen Seite, Nicolas Mahut, schleppte sich mit Mühe an der Grundlinie entlang. Beim anderen, John Isner, schwankte der Oberkörper gefährlich hin und her. Der Kommentator am Rasen-Ring in Wimbledon begann sich Sorgen zu machen. Isner, so fürchtete er, sei "bereits im Delirium".

Jeder Faustkampf wäre aus Rücksicht auf die Gesundheit der Athleten abgebrochen worden. Doch dieses Erstrundenmatch im Juni 2010 in Wimbledon wurde durchgezogen bis zum letzten Punkt. Bis der Letzte begriffen hatte, dass beim Tennis in seiner ultimativen Form jeder Schlag auch ohne direkten Körperkontakt zum Wirkungstreffer über das Netz hinweg werden kann. Elf Stunden und fünf Minuten dauerte der Zweikampf, der zweimal wegen Dunkelheit unterbrochen wurde. Bis Isner am dritten Tag 6:4, 3:6, 6:7, 7:6 und 70:68 gewann.

Schon damals wäre der geeignete Zeitpunkt gewesen, dem grausamen Spiel im fünften Satz eines Grand-Slam-Turniers ein Ende zu bereiten. Mit Hilfe des Tiebreaks, der bei den US Open längst Standard war. Doch es dauerte acht weitere Jahre: Erst nach dem nächsten Rekordspiel, dem längsten Grand-Slam-Halbfinale der Tennisgeschichte 2018 - wieder unter Mitwirkung Isners übrigens, der diesmal in London Kevin Anderson 24:26 im fünften Satz unterlag - entschlossen sich die Traditionalisten in Wimbledon und bei den Australian Open zum Sudden Death. In Melbourne wird der Tiebreak im Entscheidungssatz nun im Januar 2019 seine Premiere erleben.

Nicht jeder Profi empfindet diese Erleichterung auch als Erlösung. Alexander Zverev, 21 Jahre alt, zum Beispiel mochte die ultimativen Box-Momente mit dem Racket in der Hand: Er habe diese Situationen "wirklich genossen", teilte er nun der Zeitung The Australian mit Bedauern mit, "auch wenn sie körperlich hart sind". Nach seiner Meinung aber, so klagte er, habe man ihn nicht gefragt.

Womöglich war es nicht nur Fürsorge für die Athleten, sondern auch Rücksicht auf die merkantilen Interessen der Veranstalter, die nun dazu führte, Tennisspiele bei Grand-Slam-Turnieren etwas berechenbarer zu gestalten. Archaische Matches über sechs oder sieben Stunden sprengen den Zeitplan jedes Turnierdirektors und jedes Fernsehformat. In Australien wird Zverev nicht mehr kämpfen können, bis er in den Seilen hängt. Nur die French Open in Paris haben sich noch nicht zum Entscheidungs-Tiebreak durchgerungen. Dort wird vorerst weitergespielt. Bis zum letzten Punch.

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