bedeckt München 19°
vgwortpixel

Rechtsextremismus im Sport:Plakative Predigten

Zwei Bundesminister und hohe Sportfunktionäre diskutieren in Berlin über Rechtsextremismus im Sport - die Wirkung darf bezweifelt werden. Für Nationalisten kann Fußball Teil einer Erlebniswelt sein.

Auf den Tag genau vor einem Jahr wurde die Internetseite des Projektes "Am Ball bleiben" zum letzten Mal aktualisiert. Drei Jahre lang hatte die Initiative ein Netzwerk gegen Rechtsextremismus im Sport geknüpft. Sie hatte Fortbildungen für Funktionäre organisiert, Broschüren herausgegeben, für lokale Partner geworben. Das Projekt "Am Ball bleiben" beschäftigte einen festen und wenige freie Mitarbeiter, es kostete 100.000Euro im Jahr, wurde zur Hälfte getragen durch das Bundesfamilienministerium und den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die Finanzierung der einzigen bundesweiten Anlaufstelle für den Einsatz gegen Rechtsextremismus im Sport wurde nicht verlängert. Trotz einer beachtlichen Aufbauarbeit.

Kinderdienst: Rechtsextreme sollen nicht in die Sportvereine

Theo Zwanziger, Präsident des DFB, spricht in Berlin über Rechtsextremismus im Sport.

(Foto: dapd)

Vermutlich sagt diese Abwicklung mehr über die Zusammenarbeit zwischen Politik und Sport aus als die gesamte Podiumsdiskussion am Dienstag in der Berliner Auferstehungskirche. Der Bundesinnenminister, die Bundesfamilienministerin, die Vorsitzende der Sportministerkonferenz und die beiden ranghöchsten Sportfunktionäre des Landes predigten vor 150 Zuhörern und einem Dutzend Kameras Absichten und Empfehlungen.

Nie ist der Einsatz gegen Rechtsextremismus im Sport in Deutschland prominenter diskutiert worden. Trotzdem darf bezweifelt werden, dass auch nur ein Bruchteil der Jugendfußballteams, Turnvereine oder Betriebskegelgruppen erreicht wird - von nachhaltiger Wirkung ganz zu schweigen.

Es liegt nicht am Konzept, für die Tagung in Berlin haben Wissenschaftler ein fundiertes Papier zusammengestellt, ihre Erfahrungen beruhen auf regionalen Projekten, die seit langem gut funktionieren, in Hessen oder Niedersachsen. Vielmehr sind Politik und Verbände beim Versuch gescheitert, diese Prävention bundesweit zu vereinheitlichen.

In Vorbereitung auf die Tagung gaben lediglich acht von 26 angeschriebenen Sportverbänden Auskunft über regionale Strukturen. Im Fußball wurden erst in vier der 21 DFB-Landesverbände Beauftragte ernannt, die sich dem Thema Rechtsextremismus widmen. Von der Politik ist nicht viel Hilfe zu erwarten. Eine Anhörung im Sportausschuss des Bundestages lief im November 2008 ebenso plakativ ab wie eine Sitzung im Bundestag im Mai 2009 - ohne Konsequenzen.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) räumte allerdings ein, dass mit rund 26.000 Extremisten der organisierte Rechtsextremismus in Deutschland eher auf dem Rückzug sei. Dennoch sei festzustellen, dass rassistisches Gedankengut immer stärker den Sport infiltriere. "Das Verhalten einiger Aktiver zum Beispiel in den Kampfsportarten und einiger Fangruppen beim Fußball macht uns schon Sorgen." Trotzdem sieht de Maiziere im Sport eine Chance: "Wir wollen die Reichweite des Sports nutzen, dass Jugendliche nicht anfällig werden für Rechtsextremismus."