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Pleite gegen Donezk:Bei Real macht sich Angst breit

Zinedine Zidane feierte riesige Erfolge mit Real - aber derzeit läuft es nicht.

(Foto: AFP)

2:3 gegen die B-Elf von Schachtjor Donezk - und das zu Hause! Bei Real Madrid verschärft sich die Diskussion um Trainer Zidane. Ein alter Bekannter könnte übernehmen.

Von Javier Cáceres

In der letzten Minute keimte im Estadio Alfredo Di Stefano, der Ausweichbühne von Real Madrid, doch noch Hoffnung auf. Die karge Hoffnung, die ganz große Blamage noch abzuwenden. Mittelfeldspieler Federico Valverde hatte einen Schuss vom Strafraumrand abgegeben, er landete im Netz, nachdem er vom Bein eines Verteidigers von Schachtjor Donezk touchiert worden war. Doch die Videobilder wurden konsultiert, mit folgendem Ergebnis: Der Referee annullierte den Treffer wegen Abseits, Angreifer Vinícius Jr. hatte im Sichtfeld des ukrainischen Torwarts Anatoli Trubin gestanden. Das hieß: der frappierende 3:2-Sieg der Ukrainer hatte Bestand. "Tag für Tag schlechter...", titelte die Zeitung Marca daraufhin, Real Madrid befinde sich "im freien Fall".

Am Wochenende hatte an gleicher Stelle Aufsteiger FC Cádiz in der spanischen Liga 1:0 gewonnen. Schon am Samstag geht es für Real zum "Clásico" nach Barcelona, am Dienstag zu Borussia Mönchengladbach, und das heißt: Es macht sich Angst breit.

Die Einschätzung, dass es um Real täglich schlechter bestellt ist, dass "die eigene Geschichte verraten" werde, hatte Marca keineswegs exklusiv. El País diagnostizierte überdies, dass die Familie der Madridistas vor den Fernsehgeräten "Halluzinationen" erlitten habe. Denn zur Halbzeit hatte Schachtjor Donezk mit 3:0 geführt. Wobei man eher von "Schachtjor Donezk II" sprechen muss, denn das Coronavirus hatte den Kader ausgedünnt. Zehn Spieler waren positiv getestet worden, darunter acht Stammspieler, hier wiederum die ganze Mittelachse.

Doch die Vielzahl brasilianischer Profis - Schachtjor beschäftigt insgesamt mehr als ein Dutzend -, bürgte für das, womit man Real schon länger gut beikommen kann: Fußball. Am Wochenende hatte sich Spaniens Fußballfeuilleton noch darauf geeinigt, dass die Niederlage gegen Cádiz eine Frage der Einstellung gewesen sei. Nun hieß es in der Zeitung As, das Problem sei fußballerischer Natur und habe viel mit Trainer Zinédine Zidane zu tun.

Trainer Zinédine Zidane nahm alle Schuld auf sich

"Ich bitte den Míster, er möge aufhören, Orangen in die Luft zu werfen, um die Aufstellungen zu machen", schrieb das Blatt: Jeden Tag gebe es "vier oder fünf Wechsel", die keiner nachvollziehen könne, etwa die Verwendung des Linksverteidigers Mendy auf rechts. Das führe ins Desaster. Am Mittwoch gestaltete sich dies derart, dass Donezk-Stürmer Teté die kaum überraschende Führung erzielte (29. Minute), Raphael Varane per Eigentor zum 2:0 für die Ukrainer traf (33.) und der israelische Angreifer Manor Solomon kurz vor der Pause auf 3:0 erhöhte.

Real verkürzte durch Luka Modric (54.) und Vinícius Júnior. Der Brasilianer war für den enttäuschenden früheren Frankfurter Luka Jovic gekommen, er sorgte immerhin für einen dieser nutzlosen Rekorde: Vinícius traf nach 14 Sekunden, schneller als jeder Einwechselspieler vor ihm. Aber dabei blieb es eben auch.

So fügte sich die Partie in die jüngere Geschichte ein: Seit dem letzten Triumph (beim 3:1-Sieg im Finale von Kiew 2018 gegen den FC Liverpool) - hat Real Madrid neun Königsklassen-Heimspiele bestritten und nur drei gewonnen, gegen AS Rom und Viktoria Pilzen (2018/19) sowie gegen Galatasaray Istanbul (2019/20). Gegen ZSKA Moskau (0:3), Ajax Amsterdam (1:4) und Manchester City (1:2) setzte es Niederlagen, die teilweise so beschämend waren wie die Pleite gegen den Dritten der ukrainischen Liga. Wie gegen Moskau, Ajax und City stand auch gegen Donezk Kapitän Sergio Ramos nicht auf dem Platz.

Trainer Zidane freilich nahm alle Schuld auf sich: "Ich bin der Trainer, ich muss die Lösung finden. Ich habe sie aber nicht gefunden, und deshalb war es schwierig für meine Spieler." In den Medien haben die Debatten um seine Person begonnen. Die Zeitung As konstatierte: "Zidane begibt sich in Gefahr." Mit Unverständnis wurde kommentiert, dass Zidane 60 Millionen Euro für Jovic in den Orkus gejagt und überdies die Abgänge der Außenverteidiger Reguilón (Tottenham) und Hakimi (Inter Mailand) abgesegnet habe. Schon kreisen die Namen möglicher Nachfolger. Klublegende Raúl, zurzeit Trainer von Reals zweiter Mannschaft, soll bereits kontaktiert worden sein.

© SZ vom 23.10.2020/jbe
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