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RB Salzburg in der Europa League:Mit jeder Beförderung gewachsen

Borussia Dortmund v FC Red Bull Salzburg - UEFA Europa League Round of 16: First Leg

Respekt, mein Herr: Dortmunds Trainer, der Österreicher Peter Stöger (rechts), gratuliert seinem Salzburger Widerpart, dem Deutschen Marco Rose.

(Foto: Stuart Franklin/Getty Images)
  • Bei Dortmunds Europa-League-Gegner RB Salzburg prägt der deutsche Trainer Marco Rose einen modernen Fußball.
  • Er ist mit Jürgen Klopp befreundet - und verfolgt eine ähnliche Art des Spiels.
  • Der BVB muss gegen die Österreicher ein 1:2 aus dem Hinspiel umbiegen.

Von Sebastian Fischer

Es war im Frühjahr 2016, auf Sportplätzen in Ried, St. Pölten oder Vorarlberg, als sie beim FC Red Bull Salzburg erkannten, dass in ihren Reihen ein besonderer Trainer heranwächst. Salzburgs A-Jugend spielte eine fast perfekte Saison, wurde ungeschlagen Meister, kassierte nur sechs Gegentore. Wenn die jungen Fußballer nachlässig, vielleicht gar arrogant zu werden drohten, wenn sie mal Unentschieden spielten, dann muss Marco Rose sehr, sehr laut geworden sein. Er kann das nicht akzeptieren, wenn Sportler nicht unbedingt gewinnen wollen.

Ernst Tanner lacht, wenn er sich daran erinnert. Salzburgs Jugendleiter hat viel gesehen. Bevor er 2012 nach Österreich wechselte, war er für den Nachwuchs von 1860 München und der TSG Hoffenheim verantwortlich. Aber diese Saison, "das war eine Demonstration. Da konnte man sehen, dass der Marco alle Attribute mitbringt für einen Erfolgstrainer". Es ist für Tanner also gar nicht so überraschend, dass Rose nun, vor dem Achtelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Borussia Dortmund, große Anerkennung zuteil wird.

Es ist ja so: Der talentierte Trainer Rose, 41, steht für die Chancen im 13. Jahr des von Red Bull gesponsorten Fußballs in Salzburg. Allerdings steht er gewissermaßen auch für die Grenzen dieses Modells.

Rose war in Deutschland lange nur dem Fachpublikum als Linksverteidiger in Hannover und Mainz bekannt, Typ Kämpfer, 65 Bundesligaspiele. Als Cheftrainer begann er bei seinem Heimatklub Lok Leipzig in der Regionalliga, 2013 wechselte er nach Salzburg und wurde U 16-Trainer. 2016, nach der fast perfekten Saison in der U 18, beförderten sie ihn dort zum Trainer der Auswahl für die Uefa Youth League. Nachdem Rose diese im Frühjahr 2017 mit seiner Elf gewonnen hatte, beförderten sie ihn zum Cheftrainer der Profis.

Der Klub führt unter ihm die Bundesliga an, wie immer, viermal in Serie war Salzburg Meister. Aber im Europapokal-Viertelfinale stand Red Bull noch nie. Und die Chancen dafür stehen nach dem beeindruckenden 2:1-Sieg im Hinspiel ziemlich gut.

Der Einzug in die Champions League war einmal das große Ziel, als der Getränkehersteller 2005 den SV Austria übernahm. Doch dass Salzburg stets in der Qualifikation scheiterte, im Vorsommer zum zehnten Mal in Serie, ist längst ein Running Gag. Seit dem Bundesliga-Aufstieg von RB Leipzig ist Salzburg in der Gunst von Red Bull gesunken, der Konzern ist offiziell nur noch Hauptsponsor; so wurde - von Sportrechtlern kritisiert - die Entflechtung der einst von Sportdirektor Ralf Rangnick gemeinsam verantworteten Klubs erklärt.

Die besten Spieler aus Salzburg wechselten oft nach Leipzig: Marcel Sabitzer, Bernardo, Naby Keita, Dayot Upameco, zuletzt Konrad Laimer. Salzburg sei ein "Ausbildungsverein", sagte 2016 der damalige Trainer Oscar Garcia. Inzwischen deutet sich der Bedeutungsverlust auch in den Zuschauerzahlen an: Kamen 2006 noch im Schnitt mehr als 16 000 pro Spiel, sind es in dieser Saison bislang rund 6200. Im Pokal gegen Klagenfurt kamen neulich 1536 Menschen, ins Stadion passen 30 000.

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