RB Leipzig gegen RB Salzburg Wirklich total verschieden

Bullidibumm und Bulli: Die Maskottchen von RB Salzburg und RB Leipzig

(Foto: imago/Getty)

Leipzig und Salzburg sollen unabhängig voneinander agierende Klubs sein. Aber wie realistisch soll das bei zwei Gebilden sein, die das gleiche Maskottchen, Wappen, Trikot und den gleichen Namen haben?

Kommentar von Martin Schneider

Zunächst die Fakten: An diesem Donnerstag wird am ersten Gruppenspieltag der Europa League RB Leipzig gegen den FC Red Bull Salzburg spielen, das Duell wird in der Red-Bull-Arena in Leipzig stattfinden, das Rückspiel in der Red-Bull-Arena in Salzburg. Auf den Trikots beider Klubs wird für Red Bull geworben, die Vereinswappen zeigen in der Liga zwei rote Bullen, das Maskottchen beider Vereine ist ein roter Bulle - und erschaffen wurden beide Klubs auf Initiative des Getränkekonzerns Red Bull.

Beide Vereine dürfen gegeneinander spielen, weil der europäische Fußballverband Uefa, genauer die Finanzkontrollkammer für Klubs mit der schönen Abkürzung FKKK, der Meinung ist, dass es sich um zwei voneinander unabhängig agierende Gebilde handelt.

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Das ist möglich, weil der Konzern sein Konstrukt so umgebaut hat, dass es auf dem Papier den Regularien entspricht. In Salzburg ist das Dosenimperium formal nur noch Hauptsponsor und kann das Präsidium nicht mehr abberufen. Es gibt auch keine Personalverflechtungen mehr, der Klub muss auf europäischer Ebene unter dem Namen FC Salzburg antreten, und außerdem hat die Uefa die putzige Auflage erteilt, dass das Salzburger Wappen international nur einen Bullen zeigen darf, weil es sonst dem Leipziger zu ähnlich ist. Als ob es darauf ankäme.

Jeder Fan darf sich selbst ausmalen, ob der Konzern, der den Klub in Salzburg in seiner jetzigen Form aufgebaut hat, dort wirklich nicht mehr zu sagen hat als die Schwarzwaldmilch GmbH beim SC Freiburg. Oder dass ein Mann namens Harald Lürzer als Präsident in Salzburg unabhängig agiert und dem Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz im Zweifel widerspricht.

Der sogenannte "Entflechtungsprozess" hat laut Darstellung der Klubs 2015 begonnen - seitdem wechselten Naby Keita, Bernardo, Dayot Upamecano, Konrad Laimer und Kevin Kampl, die zuvor für RB in Österreich spielten, zu RB in Deutschland. Im Winter soll Amadou Haidara folgen, dessen Verbleib in Salzburg soeben noch als Beweis für die Eigenständigkeit des Vereins dienen sollte. Werden die Ablösesummen, die ja Red Bull als neunundneunzigprozentiger Gesellschafter von Leipzig nach Salzburg zahlt eigentlich knallhart ausgehandelt?

Was sich niemand ausmalen muss: Das Duell ist ein weiterer Schritt einer Entwicklung, auf die die Verbände unzureichend vorbereitet sind, obwohl sie sich lange angedeutet hat. Es gab Ende der 1970er das Bundesliga-Duell Bayer Uerdingen gegen Bayer Leverkusen. 2016 und 2017 spielten der VfL Wolfsburg und der FC Ingolstadt gegeneinander, dem Autokonzern VW gehört der eine Klub, und über die Tochter Audi ist er Hauptsponsor des anderen. In der Champions League ist der Staat Katar Entscheidungsträger bei Paris St. Germain und war über Qatar Airways Hauptsponsor beim FC Barcelona.

Das Dosen-Duell ist der bisherige Höhepunkt der möglichen Einflussnahme von Konzernen auf zwei Fußballklubs, die gegeneinander antreten. Den Fans - auch jenen der beiden Vereine - bleibt nichts anderes übrig, als zu glauben, dass das Ergebnis auf rein sportliche Art zustande kommt. Und nicht etwa durch eine Stallorder, wie sie Red Bull aus der Formel 1 kennt.

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