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Europa League:Bulle trifft auf Bulle

RB Leipzig - Sorja Luhansk 3:2

RB Leipzig bejubelt den späten Siegtreffer im Playoff-Rückspiel gegen Sorja Lugansk.

(Foto: dpa)
  • In der Gruppenphase der Europa League treffen Rasenballsport Leipzig und der FC Salzburg aufeinander.
  • Die Geschichte der Klubs ist eng verwoben - und noch immer haben sie den gleichen Hauptgeldgeber.
  • Die Uefa hat den Fall bereits 2017 geprüft und beide Teams für den internationalen Wettbewerb zugelassen.

Natürlich hätte es auch ohne dieses Los genug Fragen zur Europa League gegeben. Hat Eintracht Frankfurt eine Chance in einer Gruppe mit Lazio Rom und Olympique Marseille? Wird sich am Ende eh keiner mit dem FC Sevilla messen können? Und schreibt man Ludogorets Rasgrad, wie es die Deutsche Presse-Agentur macht, oder doch Ludogoretz Rasgrad, wie der Sport-Informations-Dienst glaubt?

Das sind unbedingt interessante Fragen, aber sie werden überlagert von einem anderen Thema: der Auslosung in Gruppe B wie Bulle. Dort treten einerseits Celtic Glasgow und Rosenborg Trondheim an. Und andererseits: Rasenballsport Leipzig und der FC Salzburg. Zwei Teams, die den selben Hauptgeldgeber haben und die nun erstmals in einem Pflichtspiel aufeinander treffen.

Die Brisanz ergibt sich allein schon aus einem Grund: weil die Uefa bestimmte Regeln hat. Die wichtigste für den Fall Leipzig/Salzburg findet sich in Artikel 5 der Regularien, er heißt "Integrität des Wettbewerbs". Grob gesagt, dürfen Teams nicht gleichzeitig an der Champions League oder der Europa League teilnehmen, wenn sie zu eng verflochten sind oder jemand großen Einfluss auf die Teams hat.

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Was die Regeln der Uefa sagen

Ob dies der Fall war, hat die Uefa geprüft. Im Sommer 2017 verkündete sie das Ergebnis: Beide Teams durften in der Europa League antreten. Im Fall Leipzig und Salzburg seien durch strukturelle Veränderungen alle Kriterien erfüllt. Salzburg musste lediglich sein Klubwappen ändern, weil es dem von Leipzig zu ähnlich gewesen sei. Der Klub kam dem nach: Statt vormals zwei Bullen ist nun nur ein Tier auf der Brust der Spieler zu sehen.

"Beide Teams sind für den Wettbewerb zugelassen worden. Alle Kriterien wurden erfüllt", sagte Uefa-Wettbewerbschef Giorgio Marchetti nach der Auslosung am Freitag in Monaco der Deutschen Presse-Agentur. Auch Ralf Rangnick äußerte sich: "Beide Vereine wurden schon seit Jahren entflochten. Als ich Salzburg vor drei Jahren verlassen haben, war es der erste Schritt, in den letzten zwei Jahren wurden die Clubs weiter entflochten", sagte er. "Um die Wettbewerbstauglichkeit muss sich keiner Gedanken machen, es werden zwei emotionale und brisante Spiele." Und: "Natürlich ist die Partie gegen Salzburg eine besondere - für mich und sicherlich auch den einen oder anderen unserer Spieler."

Die Geschichte beider Klubs ist in ihren groben Umrissen allgemein bekannt, und sie ist eng verwoben. Da ist einerseits der Klub aus Salzburg. Einst der SV Austria Salzburg, von der Red Bull GmbH im Jahr 2005 übernommen, als FC Red Bull Sazburg neu aufgezogen. Seither neun Mal Meister in Österreich, fünf Mal Pokalsieger, vergangenes Jahr Halbfinalist in der Europa League (überdies jüngst zum elften Mal in der Champions-League-Qualifikation gescheitert, aber das ist eine andere Geschichte). Inzwischen ist Red Bull nur noch Sponsor des Teams, ohne Bestellungs- und Abberufungsrecht.

Und da ist der RasenBallsport Leipzig e.V.. Gegründet 2009, in der Oberliga angetreten mit dem Startrecht des SSV Markranstädt. Bestückt mit verhältnismäßig starkem Personal, seither vier Mal aufgestiegen, in der ersten Bundesliga-Saison Vizemeister geworden - und dank eines späten Treffers von Emil Forsberg am Donnerstagabend zum 3:2 gegen Sorja Lugansk doch noch für die Europa League qualifiziert. Der Hauptgeldgeber auch hier: die Red Bull GmbH, die zu 99 Prozent Gesellschafter der RB Leipzig GmbH ist, also an der ausgegliederten Lizenzspieler-Abteilung beteiligt.

Beide Teams verbindet noch mehr, denn oft wanderten Profis aus einer Stadt in die andere, bevorzugt in Richtung Leipzig: Das war 2013 so beim Außenverteidiger Georg Teigl, 2014 unter anderem beim Verteidiger Rodnei, 2015 bei Stefan Ilsanker, Peter Gulacsi oder Marcel Sabitzer (unter anderem) und 2016 bei Dayot Upamecano, Bernardo und dem jüngst für 60 Millionen Euro nach Liverpool gewechselten Naby Keita (auch hier: unter anderem). Seinerzeit beklagte sich Trainer Oscar Garcia: "Wir sind jetzt ein Ausbildungsverein." 2017 ging Konrad Laimer von Salzburg nach Leipzig, in diesem Sommer niemand, nur Torwart Philipp Köhn wählte den umgekehrten Weg.

Hinzu kamen Verflechtungen auf Funktionärsebene. Ralf Rangnick, derzeit Leipzigs Trainer, ist seit Juni 2012 im Klub, in wechselnden Funktionen. Zwischen 2012 und 2015 war er überdies Sportdirektor in Salzburg. Oliver Minztlaff war zeitweise sowohl Vorstandsvorsitzender des RasenBallsport Leipzig e.V. als auch Geschäftsführer der RasenBallsport Leipzig GmbH und "Head of Global Soccer" bei Red Bull. Letzteres Amt führt er seit 2017 nicht mehr.

Eine Entflechtung hat also tatsächlich stattgefunden. Die Frage ist jedoch, wie weit sie reicht. In Salzburg mag Red Bull zwar nur noch Hauptsponsor sein. Dieses Engagement wirkt aber ausgesprochen umfassend: Wie bei den meisten Hauptsponsoren findet sich der Name auf den Trikots. Darüber hinaus aber auch im Namen des Stadions, der "Red Bull Arena". Und auch wenn der Klub in der Europa League als FC Salzburg antritt, weil Sponsorennamen im Europapokal verboten sind - in der heimischen Liga tritt der Klub an als FC Red Bull Salzburg.

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