Rassistische Äußerungen im Fußball:Der mühsame Versuch, irgendwie aufzufallen

Warum schwätzt jemand wie Tönnies, der vorher nicht als Rassist aufgefallen ist, rassistisches Zeug? Warum will ein Owomoyela, der für sein Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit ausgezeichnet worden ist, ein simples Fußballspiel im Tonfall von Hitler begleiten?

Gaga. Das eine ist klassischer alter Rassismus, das andere ist Kulturrassismus.

Beide Fälle aus dem Revier liegen unterschiedlich, aber es gibt Gemeinsamkeiten. Die größte Gemeinsamkeit ist das penetrante Schwafeln. Der mühsame Versuch, irgendwie aufzufallen, irgendwie originell zu sein.

Dabei hat Fußball längst die Aufgabe, auf die Herausforderungen dieser Zeit angemessen zu reagieren. Der moderne Fußball ist in die Mitte der Gesellschaft gerückt, dessen muss er sich bewusst werden. Die Bekämpfung von jeder Form der Fremdenfeindlichkeit ist eine der Aufgaben, denen er sich sensibler als bislang stellen muss. Dafür braucht es Nachdenklichkeit, Engagement und etwas Wissen.

Für ihren Stammtisch brauchte es nicht viel

Die unsägliche "Itaker"-Geschichte ist entstanden, weil sich die Kommentatoren offenbar die Namen der italienischen Spieler nicht richtig gemerkt hatten. Für ihren Stammtisch brauchte es nicht viel.

Zur Tönnies-Entgleisung ist es vermutlich gekommen, weil sich der Funktionär keine großen Gedanken gemacht hatte und einfach mal was sagte - wie dies in anderen Zusammenhängen bei Tönnies schon häufiger mal der Fall war.

Um die Bedeutung des Fußballs in einer gereizten Gegenwart zu verstehen, braucht es nicht die Interpretationshilfen der notorisch größenwahnsinnigen Fifa. Beim Fußball ist es sehr viel einfacher, es ist so wie beim Menschsein überhaupt: Kein Fußballer hat sich den Ort, an dem er geboren wurde, ausgesucht. Jeder Fußballer darf den Anspruch haben, den Ort, an dem er spielen möchte, frei zu wählen. Das ist einfach und kompliziert zugleich.

Es gab eine Zeit im deutschen Fußball, da stand "Hipp, hipp, hurra" für "Heil Hitler" - und wenn einer über Kameradschaft redete, meinte er: "die Reihen fest geschlossen".

Schwamm drüber, macht nichts, kommt eh nicht darauf an - diese Sicht darf es nie mehr geben.

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