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Radsport:Ullrich-Mentor Rudy Pevenage gibt Dopingpraktiken zu

Jan Ullrich re Deutschland Team Telekom und sein sportlicher Leiter Rudy Pevenage Belgien

Der Radler und sein sportlicher Leiter: Jan Ullrich (r.) und Rudy Pevenage.

(Foto: imago images / Nordiek)

Der Belgier, der Jan Ullrich seine ganze Karriere lang begleitet hatte, packt in seiner Biografie aus. Im Biathlon schafft Philipp Nawrath sein bestes Weltcup-Ergebnis.

Doping im Radsport: Rudy Pevenage hat in seiner Biografie langjährige Dopingpraktiken in der Zeit als Teamchef, Betreuer und Mentor des früheren Tour-de-France-Siegers Jan Ullrich zugegeben. In dem am Donnerstag erschienenen Buch "Der Rudy" berichtet der Belgier detailliert zum Dopinggebrauch im Radsport. Blutbeutel in Milchpaketen, Dopingmittel in doppelwandigen Cola-Dosen und eine Handy-Panne, die schließlich die Verbindung zum Dopingarzt Eufemiano Fuentes offenlegte, werden in dem Buch beschrieben. "Ich möchte niemanden verletzen, erzähle aber die Wahrheit darüber, was ich mitgemacht und gesehen habe", schrieb Pevenage, der Ullrich in seiner gesamten Profikarriere begleitet hatte.

So berichtet der 65-Jährige, wie er vor dem Tour-Start 2004 in Lüttich ein Hotelzimmer im nahe gelegenen Kelmis mit einem Extra-Kühlschrank angemietet hat. Auch die spanischen Dopingärzte Fuentes und José Luis Merino hätten sich in dem Hotel aufgehalten. Von dort habe ein ehemaliger Mountainbiker als Kurier die in leeren Milchkartons verpackten Blutbeutel zu Fahrern gebracht. Der Skandal um Fuentes war 2006 im Zuge der Operacion Puerto aufgeflogen. Zahlreichen Radprofis wurden die beim Arzt gelagerten Blutbeutel per DNA-Abgleich zugewiesen, darunter auch Ullrich.

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Der deutsche Radsportler wurde 2012 vom Internationalen Sportgerichtshof Cas wegen seiner Verwicklung in den Skandal zu einer zweijährigen Sperre verurteilt. Ein Jahr später gab Ullrich in einem Focus-Interview zu, Fuentes-Behandlungen in Anspruch genommen zu haben. Ullrich war für eine Stellungnahme am Donnerstag nicht zu erreichen. Die Verbindungen zwischen Fuentes und Ullrich waren auch durch einen Telefon-Anruf von Pevenage während des Giro d'Italia 2006 aufgedeckt worden. Pevenage schreibt in dem Buch, dass die Telefonkarte seiner Freundin leer gewesen sei und er daher sein eigenes Handy benutzt wurde. "Das war nicht so schlau, sie haben ihn abgehört. So hatten die Ermittler und die spanische Polizei plötzlich meine Nummer", schrieb Pevenage.

Biathlon: Biathlet Philipp Nawrath ist zum Auftakt des Weltcups im slowenischen Pokljuka im Einzel über 20 Kilometer auf einen hervorragenden vierten Platz gelaufen. Bei seinem bisher besten Weltcup-Ergebnis blieb der Nesselwanger am Donnerstag fehlerfrei und verfehlte sein erstes Weltcup-Podium nur um 11,1 Sekunden. Derweil verpasste der frühere Weltmeister Erik Lesser als 20. die Chance auf die sportlichen Qualifikation für die Biathlon-WM. Im besten Fall kann der 31-Jährige aber noch einmal am Sonntag im Massenstart angreifen.

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Seinen sechsten Saisonerfolg feierte Olympiasieger Johannes Thingnes Bö. Der Norweger, der wegen der Geburt seines Sohnes Gustav die beiden Weltcups in Deutschland ausließ, räumte alle 20 Scheiben ab und verwies den zuvor viermal in Serie siegreichen Franzosen Martin Fourcade um 11,4 Sekunden auf Platz zwei. Dritter wurde sein Teamkollege Fabien Claude (0 Fehler/+ 25,6 Sekunden). In die Top Ten schafften es zudem der Vorjahreszweite Johannes Kühn als Achter und Benedikt Doll als Zehnter. Philipp Horn wurde 14., einzig Weltmeister Arnd Peiffer fiel als 45. nach vier Fehlern ab.

Ski alpin: Schrecksekunde für Thomas Dreßen beim zweiten Abfahrtstraining in Kitzbühel: Der Streif-Sieger von 2018 hatte bei der Testfahrt für den Klassiker am Samstag (11.30 Uhr) mit Materialproblemen zu kämpfen und verhinderte gleich zweimal einen möglichen Sturz. In der Karussellkurve sei er "kurz auf dem Oarsch g'hockt", sagte der Wahl-Österreicher, auch in der Ausfahrt Steilhang war es "ein Kampf, dass ich überhaupt auf der Strecke bleibe. Zum Glück weiß ich in der Situation, was ich technisch zu tun habe, dass ich es halbwegs im Griff habe." Im Ziel sei er "richtig sauer" gewesen. Dreßens Rückstand auf den Tagesbesten Johan Clarey aus Frankreich: 3,93 Sekunden; Platz 48.

"Ich bin schlecht gefahren und hatte keinen Grip, das ist keine gute Kombination", sagte der 26 Jahre alte Mittenwalder. Seinem Servicemann machte er keinen Vorwurf, als Ursache der Probleme vermutete er einen Stein, der seinen Siegerski von Lake Louise so sehr beschädigt habe, dass dieser "Schlangenlinien" fuhr: "Das ist das Worst-Case-Szenario, wenn du in Kitzbühel fährst und kriegst keinen Grip." Noch größere Probleme hatte der österreichische Mitfavorit Vincent Kriechmayr, der bei seinem spektakulären Sturz an der Hausbergkante unverletzt blieb. Bester Deutscher war wie am Vortag Andreas Sander (Ennepetal/+0,81) auf Rang fünf. Josef Ferstl (Hammer/+1,96), im Vorjahr Super-G-Sieger auf der Streif, fand seine Fahrt auf Platz 22 "okay". Um seine anhaltenden Materialprobleme in den Griff zu bekommen, will der 31-Jährige beim Super-G am Freitag (11.30 Uhr) seine Siegerski von 2019 fahren.

Skispringen: Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler (Siegsdorf) und Richard Freitag (Aue) kehren beim Weltcup der Skispringer am Wochenende im polnischen Zakopane wieder ins deutsche Team zurück. Beide stehen im Aufgebot des Deutschen Skiverbandes (DSV) für das Teamspringen am Samstag (16.15 Uhr/ARD und Eurosport) und das Einzelspringen am Sonntag (16 Uhr/ARD). "Natürlich freuen wir uns alle auf das Spektakel in Zakopane und hoffen, dass wir im Team und im Einzel wieder an die Podestplätze heranspringen können", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher.

Der 28 Jahre alte Eisenbichler hatte den Heim-Weltcup am vergangenen Wochenende in Titisee-Neustadt verpasst, nachdem er sich bei einem Sturz in der Woche zuvor eine Kapsel-Bandverletzung im rechten Handgelenk zugezogen hatte. Eine Operation blieb ihm erspart, die lädierte Hand wurde konservativ behandelt. Freitag war beim Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf in der Qualifikation gescheitert und anschließend wegen Formschwäche aus dem Weltcup ausgestiegen. Das bislang beste Saisonergebnis des Team-Olympiadritten aus Sachsen ist der 15. Platz im finnischen Kuusamo.

Fair-Play-Preis: Speerwerfer Bernhard Seifert (Potsdam) wird nach seinem freiwilligen Verzicht auf die Teilnahme bei der Leichtathletik-WM in Doha vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) mit dem Fair-Play-Preis des Deutschen Sports ausgezeichnet. Der 26-Jährige hatte zugunsten von Julian Weber seinen Start in Katar abgesagt, er zog damit die Konsequenz aus einem deutlichen Leistungsabfall seit der Nominierung.

Seifert habe "seine eigenen Interessen zugunsten eines Mannschaftskollegen zurückgestellt und damit in besonderer Weise Teamgeist bewiesen", sagte Gudrun Doll-Tepper, DOSB-Vizepräsidentin und Mitglied der Jury: "Das verdient unseren großen Respekt und unsere Anerkennung." Der Preis wird Seifert am 26. März in Wiesbaden verliehen. Seifert war zum Zeitpunkt der Nominierung mit bereits im Mai erzielten 89,06 m Nummer zwei der deutschen Bestenliste. Bei der DM Anfang August belegte er allerdings nur Platz vier, Weber wurde Zweiter.

© SZ.de/sid/dpa/jki
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