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Radsport-Präsident McQuaid:Wie bei Sepp Blatter und der Fifa

McQuaid kandidiert trotz Einspruch gegen Nominierung

Will erneut Präsident werden: Pat McQuaid.

(Foto: dpa)

Pat McQuaid strebt eine dritte Amtszeit als Präsident des Radweltverbandes an. Dies muss ein schlechter Scherz sein. Zum Vorwurf, die UCI habe Armstromgs Dopingsystem gedeckt, fällt ihm nicht viel ein. Vielmehr sieht McQuaid "eine strahlende Zukunft" für seinen Sport.

Am Montag hat die Tour de France frei gehabt, wobei das auch wieder relativ ist: Der Tross ist einen halben Tag unterwegs gewesen, um an die Loire-Mündung zu gelangen, wo es weitergeht; die Rennfahrer immerhin durften fliegen - nachdem sie ein paar Stunden in einem nicht klimatisierten Bus der Veranstalter chauffiert worden waren.

Später haben sie sich dann aber doch endlich den Annehmlichkeiten ihres Vagabundenlebens hingeben können, "ein bisschen Rad fahren, aber mit Kaffeepause", berichtete der Berliner Simon Geschke. Für später waren Dummheiten und Späße am Hotelpool geplant, weil lachen ja so gesund sei. Womit man bei Pat McQuaid angekommen wäre.

Der Präsident des Radweltverbandes UCI hat am Montag sein Programm veröffentlicht, mit dem er seine dritte Amtszeit anstrebt. Der Ire kann sich eigentlich noch nicht sicher sein, im September Kandidat zu sein. Denn sein Heimatverband stellte ihn nicht auf, weil es sich, um es sehr verkürzt zu sagen, bei der UCI auch unter McQuaids Führung um einen korrumpierten Saustall gehandelt haben soll.

Tour-Fotograf Philipp Hympendahl

Allein mit dem inneren Schweinehund

Also trat McQuaid flugs dem Schweizer Verband bei und ließ sich dort nominieren. Gegen diesen Vorgang sind Klagen anhängig, und hinter den Kulissen wird auch schon an Einsprüchen vor höheren Instanzen gearbeitet.

McQuaids Wahlprogramm liegt nichtsdestotrotz vor, Berliner Schnauzen wie Geschke würden es als Scherze auf Papier bezeichnen. "Eine strahlende Zukunft für einen veränderten Sport" lautet das Motto des Programms, das sich hauptsächlich um Globalisierung, Innovationen wie Kameras an Helmen und um Frauen-Förderung dreht.

Zum drängendsten Thema der UCI - dem Vorwurf, sie habe das Dopingsystem Lance Armstrongs jahrelang gedeckt - bietet McQuaid, kein Scherz, dies an: "eine unabhängige Prüfung der Abläufe bei der UCI für die Jahre, als Lance Armstrong die Tour de France gewann".

Dazu ist zu erwähnen, dass es die Vorwürfe gegen die UCI seit Jahren gibt; und dass Armstrong seit Oktober 2012 überführt ist - die Kronzeugen hat der UCI-Chef übrigens als "Drecksäcke" bezeichnet. McQuaid wird wohl wiedergewählt, in der UCI geht es leider nicht anders zu als in Sepp Blatters Fifa. Auch die fiktiven Überschriften ihrer jeweiligen Agenda ähneln sich frappierend: "Was ich in früheren Amtszeiten nicht erledigt habe."