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Prozess gegen Uli Hoeneß:Diese Zinsen kommen auf Hoeneß zu

Wie argumentiert die Verteidigung?

"In der Selbstanzeige von Hoeneß sind sämtliche Daten, über die wir jetzt sprechen, bereits enthalten", sagte Verteidiger Hanns Feigen am Mittwoch vor Gericht. In der Selbstanzeige war angeben, dass Hoeneß 2003 und 2005 unterm Strich Gewinne eingefahren hat - zusammen knapp 130 Millionen Euro. Die Steuerfahnderin hatte am Dienstag erklärt, sie gehe davon aus, dass rund 70 Millionen davon steuerfrei waren. Bleiben also 60 Millionen Euro Gewinne. Und beim damaligen Steuersatz von Hoeneß bleiben dann rund 30 Millionen an hinterzogenen Steuern übrig. Zum Prozessauftakt hatte Feigen allerdings von einem Schätzwert in Höhe von 18,5 Millionen Euro gesprochen.

Was sagt die Staatsanwaltschaft?

Die Staatsanwaltschaft hält die Selbstanzeige für unwirksam. Der Grund: Sie sei unvollständig. In der ersten Version seien nicht für alle Jahre positive Einkünfte angegeben worden, erst in der zweiten Version sei dies geschehen. Also zu spät. Die erste Version von Januar 2013 nennt nämlich nur die Kontostände zum Jahresende. Hatte Hoeneß ein dickes Minus mit seinen Währungswetten eingefahren, stand dort also ein Verlust. Dabei hatte Hoeneß auch Aktien und verzinste Finanzprodukte. Diese haben Erträge abgeworfen, die man nicht mit den Spekulationsverlusten verrechnen darf. Sie wären auch in Verlustjahren zu versteuern gewesen. Zudem erklärten die Finanzbehörden, mit den Zahlen aus der Selbstanzeige haben sie nichts anfangen können - es hätten Unterlagen gefehlt. Ob die Tat durch die Recherchen eines Stern-Journalisten bereits entdeckt war, stand bei den Äußerungen des Staatsanwalts vor Gericht nicht im Fokus. Unwirksamer als unwirksam gehe nicht, so die Ansicht.

Wie viel muss Hoeneß zahlen?

Die 27 Millionen Euro sind nur für den Strafprozess relevant. Nach dem Richterspruch wird das Finanzamt Hoeneß' Steuerschuld genau ausrechnen. Da die Steuerfahnderin in ihrer Schätzung möglichst positiv für Hoeneß gerechnet hat, könnte die Summe dann höher ausfallen. Für eine genaue Rechnung braucht sie aber mehr Zeit. Wenn man rund 30 Millionen Euro an tatsächlicher Steuerschuld zugrunde legen würde, kämen seit 2006 im Falle einer Verurteilung jährliche Zinsen von sechs Prozent auf Hoeneß zu. Dadurch würde sich die Beispielzahl auf 48 Million Euro erhöhen.

Sieht der Richter die Selbstanzeige als vollständig an und stellt das Verfahren ein, kommen pro Tat noch fünf Prozent Aufschlag dazu. Die angenommene Summe würde sich dann auf rund 49,5 Millionen Euro belaufen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, bei Einstellung des Verfahren müsse Hoeneß zusätzlich weitere fünf Prozent Zinsen zahlen. Die fünf Prozent sind eine Einmalzahlung.

© Süddeutsche.de

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