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Proteste bei der Leichtathletik-WM:Drama um ein Küsschen

Haben sie sich der Homosexuellen-Politik des Kreml widersetzt oder nicht? Die russischen Sprinterinnen Guschina und Ryschowa zeigen sich empört über die Reaktion auf ihre Jubelgeste bei der WM in Moskau. Die Interpretation ihres Kusses, so die Athletinnen, sei ein Missverständnis.

Die Macht der Bilder entfaltet sich besonders gut, wenn das Fernsehen große Momente in die Wohnzimmer transportiert. Auch aus Moskau bei der Leichtathletik-WM hat es sie wieder gegeben: Szenen von riesiger Freude wie beim Jubellauf des deutschen Stabhochsprung-Weltmeisters Raphael Holzdeppe oder Usain Bolts Kalinka-Tanzeinlage auf der Tartanbahn.

Und da war dieser Kuss, über den seit Tagen die halbe Sportwelt diskutiert.

Die Sprinterinnen Julia Guschina und Xenija Ryschowa herzten sich nach ihrem Sieg mit der 4x400-Meter-Staffel am vergangenen Samstag mit einem Bussi auf den Mund. Ein Blick auf das Video der Siegerehrung belegt, dass sich tatsächlich sogar alle vier Staffel-Mitgliederinnen küssten. Was war das nun: ein harmloser Kuss? Oder mutiger Protest gegen die Homosexuellen-Politik in Russland?

Leichtathletik-WM Provokation, aber keine Revolution
Proteste gegen Anti-Homosexuellen-Gesetz

Provokation, aber keine Revolution

Russland freut sich auf die nächste Großveranstaltung, im Februar 2014 werden in Sotschi die Olympischen Winterspiele eröffnet. Von den Protesten gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz, die es bei der Leichtathletik-WM in Moskau gab, wird dann nicht mehr viel übrig sein.   Von Saskia Aleythe

Eher Zweiteres, interpretierten weite Teile der Öffentlichkeit. "Der Kuss ist ein Zeichen des Protests gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz" hieß es exemplarisch auf der Webseite der US-Zeitung Huffington Post. Auch andere Medien griffen das Foto auf und waren sicher: Hier beweisen junge Sportlerinnen politische Courage.

Nun wehren sich die Sportlerinnen. Schon am Montag ließ das russische Leichtathletik-Team via Sky News vermitteln: Der Kuss sollte als "Zeichen der Gratulation" gelten, nicht als politische Botschaft. Ryschowa selbst sagte dem Guardian: "Es war nur Freude für unser Team."

Der Kuss mit Kollegin Julia Guschina sei keineswegs als politisches Statement gedacht gewesen. Wie sie es persönlich mit den Regeln gleichgeschlechtlicher Liebe halte, wollte die 26-Jährige lieber nicht enthüllen. Sie sagte stattdessen: "Wenn die Leute schon allerlei Schmutz über uns verbreiten, dann sollten sie zumindest wissen, dass Julia und ich beide verheiratet sind."