Premier League Will Abramowitsch den FC Chelsea verkaufen?

Höhepunkt einer teuren Erfolgsgeschichte: Didier Drogba überreicht Roman Abramowitsch (rechts), dem russischen Besitzer des FC Chelsea, die Trophäe der Champions League, die der englische Klub im Mai 2012 in München gegen den FC Bayern gewann - auch dank des späten Tores von Drogba.

(Foto: Marcus Brandt/dpa)
  • Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch ist offenbar fest entschlossen, den Champions-League-Sieger von 2012 zum Verkauf zu stellen.
  • Berichten zufolge hat Abramowitsch seine Direktoren angewiesen, die amerikanische Investmentbank Raine Group zu beauftragen, nach potenziellen Käufern in den USA, Asien und im arabischen Raum zu fahnden.
  • Eine Offerte über zwei Milliarden Euro des Chemiefabrikanten Sir Jim Ratcliffe soll Abramowitsch bereits zurückgewiesen haben.
Von Sven Haist, London

Als Eigentümer des FC Chelsea hat sich Roman Abramowitsch den Ruf erworben, nicht zu zögern. Neun Trainerentlassungen bei den Londonern in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten belegen, dass der erste russische Oligarch im englischen Fußball keiner Entscheidung ausweicht, sofern er das Gefühl hat, eine Entscheidung treffen zu müssen.

Seine Konsequenz bekam auch die britische Regierung im Mai zu spüren; bei der Verlängerung des Visums nahm Abramowitsch seinen Antrag nach Verzögerungen in der Bearbeitung zurück. Seine Aufenthaltsgenehmigung - die nur an Personen geht, die mehr als zwei Millionen Pfund in die britische Wirtschaft pumpen - war abgelaufen. Neben den im April 2015 verschärften Regularien hatten die Komplikationen einen aktuellen Auslöser: die seit der Vergiftung des Doppelagenten Sergej Skripal im März höchst angespannten englisch-russischen Beziehungen. Die Verzögerung in der Visafrage soll Abramowitsch um den Genuss des Pokalfinales seines Klubs am 19. Mai gegen Manchester United (1:0) live in der Arena in Wembley gebracht haben.

Um dieser Abhängigkeit zu entkommen, sicherte sich Abramowitsch, 51, die israelische Staatsbürgerschaft. Das Gesetz der Rückkehr gewährt ihm als Kind jüdischer Eltern ein Recht auf die Landeszugehörigkeit. Der israelische Pass erlaubt Abramowitsch eine visumsfreie Einreise ins Vereinigte Königreich für ein halbes Jahr, allerdings ohne Arbeitsgenehmigung.

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Den Umbau des eigenen Stadions ließ Chelsea verschieben

Die Auseinandersetzung mit den britischen Autoritäten nahm erwartungsgemäß Einfluss auf sein Engagement bei Chelsea. Nach der Übernahme des Klubs im Sommer 2003 für 160 Millionen Euro und Folgezahlungen von circa 1,2 Milliarden Euro (lediglich in der Saison 2013/14 machte der Klub mit 17 Millionen Euro offiziell Gewinn), missfiel es Abramowitsch jetzt, in England offenbar eine unerwünschte Person zu sein.

Das hat Folgen für den Klub: Den Umbau der Stamford Bridge für eine Milliarde Euro in eine 60 000 Zuschauer fassende Arena ließ Chelsea unter Verweis auf ein "ungünstiges Investitionsklima" auf unbegrenzte Zeit verschieben. Das 113 Jahre alte Stadion steht inmitten eines Wohngebiets in Fulham. An der Umsetzung des Bauprojekts, dessen Finanzvolumen sich Chelsea und Abramowitsch teilen würden, hätte der Staat vorrangig über Steuern und Arbeitsplätze partizipiert. Das Possenspiel deutete an, dass Abramowitsch - der für sein Schweigen auf der Insel ebenso bekannt ist wie für sein in der Öl-, Gas- und Aluminiumindustrie erzieltes Vermögen von circa zehn Milliarden Euro - in seiner Verärgerung sogar bereit sein würde, noch einen Schritt weiterzugehen. Diese Vermutung scheint sich zu bewahrheiten. Abramowitsch ist offenbar fest entschlossen, den Champions-League-Sieger von 2012 zum Verkauf zu stellen.

Als Fünfter der Premier League konnte sich Chelsea in der vorigen Saison für die Königsklasse nicht qualifizieren - erst zum zweiten Mal unter der Regie von Abramowitsch. Als Kompensation stellen sich die Fans der Blues, der Blauen, für den Herbst auf einen Wirtschaftskrimi ein. Das Europa-League-Startrecht interessiert da weniger. Berichten zufolge hat Abramowitsch seine Direktoren angewiesen, die amerikanische Investmentbank Raine Group zu beauftragen, nach potenziellen Käufern in den USA, Asien und im arabischen Raum zu fahnden. Die Bank hat Erfahrung auf dem Gebiet: 2015 unterstützte sie Manchester City beim Verkauf von Anteilen an chinesische Geldgeber.