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Portugals Cristiano Ronaldo:Plötzlich Teamspieler, trotzdem Verlierer

Cristiano Rolando agiert gereift und ermöglicht so die konzentrierte und starke Teamleistung Portugals im Spiel gegen Deutschland. Doch es hilft nichts: Die deutsche Defensive hat Ronaldo im Griff, sein Meister an diesem Abend heißt Jérôme Boateng.

Cristiano Ronaldo ist Verehrung gewöhnt. In Form der portugiesischen Fußball-Reporter verfolgt sie ihn quasi auf Schritt und Tritt, gleich nach seiner Ankunft in Lemberg hat er das wieder erfahren dürfen.

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Cristiano Ronaldo und seine Portugiesen sind unglücklich in das EM-Turnier gestartet.

(Foto: AFP)

"Cristiano", flötete da einer auf der Pressekonferenz am Abend vor dem Auftaktspiel gegen die Deutschen, "ich habe gerade schon Thomas Müller gefragt, wer der beste Spieler der Welt ist, du oder Lionel Messi. Müller wollte sich da nicht festlegen. Ist das nicht eine Beleidigung für dich?"

Nun ist Ronaldo berüchtigt für sein gesundes Selbstbewusstsein. Aber er ist auch Profi genug, sich dieser grotesken Form der Zuneigung routiniert zu entziehen. Aber der Fan mit dem Notizblock ließ nicht locker. "Also für mich bist du der beste der Welt", setzte er nach, "und jeder weiß, dass du der beeindruckendste Spieler bei diesem Turnier bist. Und nun meine Frage: Wie geht es dir?"

Wenn Cristiano Ronaldo in der portugiesischen Nationalmannschaft eine schmerzliche Erfahrung gemacht hat, dann ist es die, dass es manchmal einfacher ist, nicht der Beste, der Tollste, der Großartigste zu sein. Bei Manchester United, später dann bei Real Madrid, war sein Ausnahmestatus als spektakulärer Tore-Schießer und -Vorbereiter früh unumstritten. Zur spanischen Meisterschaft seines Klubs hat er in der abgelaufenen Saison sensationelle 46 Tore beigesteuert. Aber wenn einer in den besten Klubmannschaften der Welt spielt, verteilt sich die Last der Erwartungen automatisch auf mehreren Schultern.

In der Nationalelf war bei ihm hingegen in der Vergangenheit oft zu beobachten, dass er verkrampfte. War es nicht mehr oder weniger an ihm allein, diesem kleinen Land Portugal im Fußball ein bisschen vom altem Glanz und der alten Größe zurückzugeben? Ein Phänomen, das interessanterweise nicht nur ihm zuzusetzen schien. Sondern auch: Lionel Messi in der Auswahl Argentiniens.

Und nun also dieses Spiel gegen Deutschland, "einen großen Gegner", klar, "aber uns liegen große Gegner". Ronaldo erschien frisch frisiert wie ein ehrgeiziger Unteroffizier, die neongelbe Kapitänsbinde wies ihn für jedermann als Anführer aus. Aber in dem zähen Stellungsspiel, zu welchem sich die Partie bald entwickelte, konnte er seine Stärken zunächst nur hin und wieder aufblitzen lassen.

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