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Personal der DFB-Teams:Sonderregeln fürs A-Team

"Der Jogi hat ja inzwischen fast meine komplette Viererkette", hat Horst Hrubesch gerade gesagt. Es war keine Klage, es war eine Feststellung, die so trocken dahergeflogen kam wie früher seine Kopfbälle. Es könnte noch ein Glück werden für den deutschen Fußball, dass Hrubesch ein ebenso uneitler Mensch ist wie Hansi Flick; die beiden gebürtigen Pragmatiker werden entscheidende Rollen spielen, wenn es darum geht, den Luxus seriös zu moderieren.

Es sind ja keine leicht zu beantwortenden Fragen, die sich stellen: Was wäre nächsten Sommer zum Beispiel wichtiger: dass die vier Viererkettentalente mit Joachim Löw zum EM-Qualifikationsspiel nach Gibraltar (16.6.) fliegen oder, im Fall der Qualifikation, mit Horst Hrubesch zur U21-EM nach Tschechien (17.6 - 30.6.)?

"Grundsätzlich gilt: Wir möchten mit der bestmöglichen Mannschaft in ein Turnier gehen", sagt Flick. Er wird das auch gegenüber den Vereinstrainern in der Bundesliga vertreten, "die Vereine profitieren ja auch davon, wenn Talente wie jetzt die U19-Europameister mit ganz neuem Standing und vor Selbstvertrauen strotzend zum Klub zurückkommen". Aber Flick war lange genug Löws Assistent, um die Sonderregeln zu kennen, die fürs A-Team gelten. "Die A-Mannschaft muss immer Priorität haben", sagt er, "sie ist das Flaggschiff, das den ganzen DFB zieht, sie hat einfach eine übergeordnete Rolle."

Es ist eine Luxus-Debatte, die der DFB da führt, aber es ist auch eine Debatte mit Vorgeschichte. Bei der vergangenen U21-EM, im Sommer 2013, hat Hrubeschs Vorgänger Rainer Adrion gleich mehrfach Verzicht geübt; er hat ja nicht mit allen spielberechtigten Jungprofis gerechnet, Toni Kroos, Mario Götze und auch Ilkay Gündogan waren viel zu sehr A-Nationalspieler, um ein Thema für die U21 zu sein, aber Marc-André ter Stegen, André Schürrle und Julian Draxler hätte Adrion sich gut in seiner Elf vorstellen können; sie waren aber schon mit der A-Elf für eine lustige Tingeltour nach Amerika gebucht.

"Das war eine spezielle Lage, weil die A-Elf wegen des Champions-League-Finales auf alle Bayern- und BVB-Spieler verzichten musste", sagt Flick, "die A-Elf braucht eben auch auf so einer Reise eine gewisse Qualität, weil sie den deutschen Fußball in der Welt vertritt."

Im Juni 2015 wird Löws A-Elf deutsche Interessen in Gibraltar vertreten, der Pragmatiker Hrubesch ahnt wohl schon, dass er zumindest nicht vier Viertel der obigen Viererkette berufen kann. Aber Hrubesch weiß auch, dass immer noch so viel Luxus in seinem Kader steckt, dass es Robin Knoche, Christian Günther, Emre Can, Johannes Geis, Moritz Leitner, Jonas Hofmann, Leonardo Bittencourt, Max Meyer und Kevin Volland bestimmt nicht alle auf einmal zu Joachim Löw schaffen werden.

© SZ vom 11.09.2014/jbe
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