Exekutivkomitee der Uefa Der Fuchs darf in den Hühnerstall

Der katarische Präsident von PSG: Nasser Al-Khelaifi.

(Foto: Kenzo Tribouillard/AFP)

Der Präsident von Paris Saint-Germain soll ins Uefa-Exekutivkomitee aufrücken, das höchste Gremium des europäischen Fußballs. Angesichts seines sonstigen Tuns wirkt das wie ein Scherz.

Kommentar von Johannes Aumüller

Wenn alles so läuft wie geplant, dann bekommt Nasser al-Khelaifi, 45, am Donnerstag einen neuen Posten. Beim Kongress von Europas Fußball-Union (Uefa) in Rom soll der katarische Geschäftsmann ins Exekutivkomitee des Verbandes aufrücken, das höchste Gremium des europäischen Fußballs. Und das mutet angesichts seines sonstigen Wirkens in der Welt des Fußballs wie ein ziemlich missratener Scherz an.

In einem seiner vielen anderen Jobs ist al-Khelaifi nämlich Präsident des französischen Meisters Paris Saint-Germain, also eines Klubs, bei dem die Uefa wegen Verstößen gegen das sogenannte Financial Fairplay genau hinschauen muss; und passenderweise ist er zugleich der Chef des katarischen Staatsfonds QSI, der so viele Millionen in den Pariser Klub steckt, mit denen die irren Transferausgaben für Neymar & Co. kompensiert werden. Auch dem Fernsehsender BeIn Sports, der insbesondere im arabischen Raum die Rechte an den Spielen von Uefa-Klubwettbewerben hält, steht er vor.

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Zugleich repräsentiert al-Khelaifi Katar, den so umstrittenen nächsten WM-Gastgeber mit all seinen Problemfeldern vom Korruptionsverdacht bis zur Missachtung der Menschenrechte. Und außerdem interessiert sich die Bundesanwaltschaft in Bern für sein Tun: Sie geht dem Verdacht nach, dass der frühere Generalsekretär des Weltverbandes Fifa, Jérôme Valcke, bei der Rechte-Vergabe für die WM-Turniere 2026 und 2030 an den BeIn-Sender bestochen worden sei - wobei al-Khelaifi Fehlverhalten von sich weist.

Es gibt also zahlreiche absehbare Interessenskonflikte und genügend Gründe gegen eine Aufnahme in den 20-köpfigen Vorstand um Uefa-Präsident Aleksander Ceferin. Aber diese scheren offenkundig kaum jemanden. Die mächtige Klubvereinigung ECA, in der von Paris SG über Real Madrid bis zum FC Bayern die besten Vereine des Kontinentes organisiert sind, nominierte al-Khelaifi für einen der beiden Posten in der Exekutive, die ihr gemäß Satzung zustehen. Und nahezu alle restlichen Beteiligten scheinen bereit zu sein, dieses Ansinnen ohne größere Diskussionen zu schlucken.

Vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) etwa kommen nur ausweichende Bemerkungen. Präsident Reinhard Grindel, der in Rom selbst wieder als europäischer Vertreter in den Fifa-Vorstand entsandt werden will, verweist darauf, dass der ECA nun mal zwei Posten zustünden - und kommentiert den Vorgang so: "Mit der Funktion im Exekutivkomitee wird al-Khelaifi noch stärker in das Regelwerk der Uefa eingebunden sein. Damit steigt auch seine Verantwortung, sich generell und natürlich besonders in seinem Verein für die Einhaltung des Financial Fair Play einzusetzen."

Ganz nach dem Motto: Der Fuchs muss nur lange genug in den Hühnerstall dürfen, dann wachsen ihm Federn und er fängt an, Eier zu legen.

Ja, es wäre sehr ungewöhnlich, einen Kandidaten der ECA für die Uefa-Exekutive abzulehnen. Und natürlich hätte ein Nein zu solch einem mächtigen Akteur auch sportpolitische Konsequenzen. Aber wer sich gerne und zu Recht als harter Kritiker von Fifa-Chef Gianni Infantino präsentiert, der sollte sich auch bei der Personalie Nasser al-Khelaifi entsprechend positionieren.

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