Paralympics:Doppelgold im Schwimmen - inklusive Weltrekord

Paralympics 2021: Taliso Engel gewinnt die Goldmedaille über 100 Meter Brust

Hatte allen Grund zur Freude: Taliso Engel schwamm über die 100 Meter Brust zu neuem Weltrekord.

(Foto: imago images / Ralf Kuckuck)

Innerhalb von sechs Minuten holen die deutschen Schwimmer durch Taliso Engel und Elena Krawzow zweimal Gold. Auch im Sportschießen, Tischtennis und Radsport gibt es Medaillen für das deutsche Team.

Meldungen von den Paralympics

Schwimmen: Doppelgold in nur sechs Minuten: Taliso Engel und Elena Krawzow haben den deutschen Schwimmern bei den Paralympics in Tokio einen goldenen Abend beschert. Welt- und Europameister Engel siegte über 100 m Brust in Weltrekordzeit von 1:02,97 Minuten und verwies David Henry Abrahams (USA) mit knapp anderthalb Sekunden Vorsprung auf den zweiten Platz. Bereits im Vorlauf am Morgen hatte der sehbehinderte 19-Jährige in 1:03,53 Minuten in der Startklasse SB13 die alte Weltbestzeit geknackt.

Auch Krawzow ließ der Konkurrenz über die gleiche Distanz keine Chance. Die 27-Jährige gewann bei den Frauen in der Startklasse SB13 nach einer starken Aufholjagd in 1:13,46 Minuten und krönte sich nach Silber in London und einem enttäuschenden fünften Platz in Rio erstmals zur Paralympics-Siegerin. Es waren die ersten deutschen Goldmedaillen der Schwimmer seit London 2012, in Rio hatte es keinen Triumph gegeben.

Engel schaffte gleich bei seiner ersten Teilnahme den Sprung auf den Thron. Trotz seines Weltrekordes im Vorlauf hatte er sich mit Kampfansagen zurückgehalten. "Ziel ist immer noch eine Medaille. Hauptsache irgendeine Medaille, welche ist mir im Moment relativ egal", sagte er. Es wurde Gold und das mit einer Fabelzeit von mehr als sechs Zehntelsekunden unter dem alten Weltrekord.

Tischtennis: Björn Schnake und Thomas Rau haben bei den Paralympics in Tokio die vierte Medaille für die deutschen Tischtennisspieler geholt. Die Deutschen unterlagen zwar im Halbfinale des Team-Wettbewerbs in der kombinierten Startklasse sechs und sieben den favorisierten Chinesen klar mit 0:2, die Bronzemedaille hat das Duo aber trotzdem sicher. Der dritte Platz wird in Japan nicht ausgespielt.

In der Klasse drei spielen Thomas Brüchle und Thomas Schmidberger um die Goldmedaille. Die topgesetzten Deutschen gewannen ihr Halbfinale gegen Tschechien mühelos mit 2:0. Im Endspiel am Donnerstag (11.30 Uhr MESZ) treffen die Silbermedaillengewinner von Rio auf China.

Die favorisierten Brüchle (Lindau) und Einzel-Silbermedaillengewinner Schmidberger (Düsseldorf) zeigten den Tschechen bereits im Doppel mit 3:0 die Grenzen auf. Im Einzel machte Brüchle gegen Petr Svatos den Finaleinzug mit 3:1 perfekt. Das DBS-Duo war aufgrund der Setzliste durch ein Freilos direkt in die Vorschlussrunde eingezogen.

Rollstuhlbasketball: Die deutschen Rollstuhlbasketballer haben das Halbfinale der Paralympics knapp verpasst. Gegen Gold-Anwärter Spanien verlor die Mannschaft von Bundestrainer Nicolai Zeltinger am Mittwoch in Tokio mit 68:71 und schied im Viertelfinale aus. André Bienek hatte sieben Sekunden vor Schluss per Distanzwurf die Chance zum Ausgleich, doch der Ball landete nach einer Korbberührung bei den Spaniern. Thomas Böhme (16 Punkte) und Bienek (13) waren für Deutschland die erfolgreichsten Schützen.

Radfahren: Annika Zeyen hat einen Tag nach ihrer Goldmedaille im Zeitfahren die nächste Paralympics-Medaille geholt. Im Straßenrennen über 26,4 Kilometer landete die querschnittsgelähmte Bonnerin am Mittwoch in 56:21 Minuten auf dem Silberrang. Sechs Sekunden schneller war auf der ehemaligen Formel-1-Strecke am Fuße des Fuji die Niederländerin Jennette Jansen. Bronze ging an Alicia Dana (56:24) aus den USA. 2012 hatte Zeyen noch Gold im Rollstuhlbasketball gewonnen. Ihre eigentlich für diesen Sommer geplante Hochzeit hatte sie verschoben.

Andrea Eskau hat derweil ihre 16. Medaille verpasst. Die Handbikerin aus Magdeburg kam am Mittwoch im Straßenrennen in 2:47:25 Stunden mit knapp 24 Minuten Rückstand als Vierte ins Ziel. Paralympicssiegerin wurde die US-Amerikanerin Oksana Masters (2:23:39 Stunden). Silber ging an Chinesin Bianbian Sun (2:26:50) vor Katia Aere (2:28:11) aus Italien. Einen Tag zuvor kam Eskau im Einzelzeitfahren auf Platz fünf. Insgesamt hat die 50-Jährige, die auch im Winter als Biathletin und Langläuferin startet, 15 Paralympics-Medaillen gewonnen, davon acht Mal Gold.

Sportschießen: Natascha Hiltrop hat in Tokio die nächste deutsche Goldmedaille gewonnen. Die Rio-Zweite behielt im dramatischen Herzschlagfinale mit dem Luftgewehr über 10 Meter die Nerven und rettete mit dem letzten Schuss einen Vorsprung von 0,1 Ringen vor dem Südkoreaner Park Jinho ins Ziel. Mit 253,1 Ringen stellte die 29-Jährige einen neuen Paralympics-Rekord in der Startklasse SH1 auf. Hiltrop holte damit das erste Gold für die deutschen Para-Sportschützen seit Athen 2004, in der Asaka Shooting Range von Tokio war es gar die erste Medaille für das Team des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Bereits in der Qualifikation war die inkomplett querschnittsgelähmte Athletin des SV Lengers Zweite geworden. In Rio hatte der deutschen Vorzeigeschützin noch ein Ring zur Goldmedaille gefehlt, auch bei Weltmeisterschaften kam sie zuvor nie über Platz zwei hinaus.

Schwimmen: Taliso Engel ist bei den Paralympics in Tokio schon im Vorlauf Weltrekord geschwommen und hat Hoffnung auf das erste deutsche Schwimm-Gold seit neun Jahren geschürt. Der 19-Jährige blieb mit 1:03,52 Minuten über 100 Meter Brust sechs Hundertstel unter der alten Bestmarke des Ukrainers Oleksii Fedina, die acht Jahre gestanden hatte. Das Finale findet um 12 Uhr deutscher Zeit statt.

Der sehbehinderte Mittelfranke Engel, der für Leverkusen startet, war als Europameister und Weltrangliste-Zweiter nach Japan gereist. Seit Daniela Schultes Sieg über 400 Meter Freistil am 7. September 2012 in London gab es an 18 Wettkampftagen bei Paralympics kein einziges deutsches Schwimm-Gold mehr. 1996 in Atlanta hatte der DBS noch 19 Goldmedaillen geholt. Auch Medaillen-Anwärterin Elena Krawzow hat auf ihrer Lieblingsstrecke 100 Meter Brust das Finale erreicht. Die Berlinerin geht mit einer Zeit von 1:15,31 Minuten als Vorlaufschnellste in den Endkampf.

Leichtathletik: Kugelstoßer Mathias Schulze hat eine Medaille bei den Paralympics knapp verpasst. Der 33-Jährige stieß am Mittwoch im Olympiastadion von Tokio in seinem letzten Wurf die Kugel an die 16-Meter-Marke auf den Bronzerang, doch sein Versuch wurde für ungültig erklärt. "Ich freu' mich wie ein Affe und dann seh ich die scheiß rote Fahne. Derzeit ist es sehr, sehr ernüchternd", sagte Schulze nach dem Wettkampf niedergeschlagen. Mit 15,60 Meter hatte er zuvor eine persönliche Bestleistung gestoßen. Paralympicssieger wurde der Kanadier Greg Stewart (16,75 Meter), vor dem Russen Nikita Prochorow (16,29) und dem US-Amerikaner Joshua Cinnamo (15,90).

© SZ/dpa/sid/and
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