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Psychische Belastung:Der Sport kann vom Fall Osaka lernen

Der Ausstieg der Tennisspielerin Naomi Osaka aus den French Open zeigt: Noch immer hat der mentale Aspekt im Spitzensport nicht den Stellenwert, der angemessen wäre.

Kommentar von Johannes Aumüller

Es ist ein wohl einmaliger Schritt, zu dem sich Naomi Osaka entschlossen hat: Die Japanerin, eine der besten und populärsten Tennisspielerinnen der Welt, macht während der French Open öffentlich, dass sie bereits seit 2018 an Depressionen leidet, und verlässt das Turnier. Für diese Offenheit gibt es viel Zuspruch von anderen Top-Sportlern. Aber zugleich zeigt ihr Beispiel, wie schwer es das System Spitzensport einem Athleten bei diesem Thema bis heute macht. Vor ein paar Tagen erst erklärte Osaka unter anderem unter Verweis auf die besonderen psychischen Belastungen, dass sie nicht an den obligatorischen Presserunden teilnehmen wolle; daraufhin gab es aber kein Verständnis, sondern viel Kritik und sogar Strafen durch die Tennis-Bosse.

Natürlich ist der Sport über die Zeit hinweg, über die der frühere Fußballprofi und -manager Rudi Assauer einmal plakativ befand: "Das Wort mental gab es zu meiner Zeit als Spieler gar nicht, nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß." In vielen Bereichen gibt es psychologische Anlaufstellen. Aber generell haben mentale Aspekte nicht die Bedeutung, die sie verdienen. Dabei ist der Bedarf immens. Bei einer anonymen Studie der deutschen Sporthilfe-Stiftung gaben vor einigen Jahren jeweils zehn Prozent der deutschen Kader-Athleten an, an Depressionen, Essstörungen oder Burn-out-Syndromen zu leiden.

Die tatsächliche Zahl liegt wohl noch höher, weil 40 Prozent der Teilnehmer diese Frage gar nicht beantworteten. Osakas Beispiel sollte nun dringend dafür genutzt werden, sich viel genauer um diese vielen Fälle zu kümmern.

© SZ/fzg
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