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Olympische Spiele 2032:Abfuhr aus Lausanne

14 NRW-Kommunen wollen Olympia 2032

Vergebene Mühe: Der Sportmanager Michael Mronz (links) und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet bei einer ihrer vielen Veranstaltungen, auf denen sie für eine Kandidatur um die Olympischen Sommerspiele 2032 warben.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Das IOC votiert für Brisbane als Gastgeber der Sommerspiele 2032, die deutsche Initiative an Rhein und Ruhr geht leer aus. Das kommt nicht überraschend, verblüffend ist nur das Auftreten der deutschen Werber.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Irgendetwas scheint zuletzt nicht so recht funktioniert zu haben in der Kommunikation zwischen all denen, die in Deutschland für das Thema Olympia-Kandidatur zuständig sind. Am Mittwochabend erklärte das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Lausanne, dass es den weiteren Bewerbungsprozess für die Sommerspiele 2032 auf Gespräche mit Brisbane/Australien konzentriere. Das ist mehr als nur eine Vorentscheidung - und quasi das Aus für die hierzulande so gehypte Initiative an Rhein und Ruhr, zu der sich 14 Kommunen von Dortmund bis Aachen zusammengeschlossen hatten. Damit hat sich der Traum von Olympia in Deutschland wohl mindestens für die beiden nächsten Jahrzehnte erledigt.

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), teilte mit, dass das Votum zeitlich überraschend komme, aber zugleich fand er den Entscheid pro Brisbane nicht überraschend. Michael Mronz, Chef der Rhein-Ruhr-Initiative, sprach von einem "überraschenden Schritt". Und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und neue CDU-Vorsitzende Armin Laschet hatte noch am Dienstag in einem Interview davon gesprochen, wie zuversichtlich er sei - nur einen Tag vor der Erklärung des IOC.

Ein rechtes Kommunikationsdesaster war das. Dabei war vielleicht der konkrete Zeitpunkt etwas unerwartet, aber nicht das Votum als solches. Die Olympia-Werber an Rhein und Ruhr hatten in den vergangenen Monaten oft davon gesprochen, wie toll ihr Projekt sei. Aber unabhängig von den Zweifeln, ob es wirklich so toll ist, gehört zu den grundsätzlichen Erkenntnissen von Olympia-Vergabeprozessen, dass die Qualität eines Konzeptes eher nachrangig ist und sportpolitische Realitäten umso entscheidender.

Eine Herzensangelegenheit schien das Projekt für den DOSB nie zu sein

International war seit Langem klar, dass Rhein/Ruhr chancenlos ist - auch wenn dessen Befürworter dies stets ignorierten und weiter viel Wind machten um ihr Projekt. Stattdessen war Brisbane der große Favorit, nicht zuletzt weil dies der Herzenswunsch des einflussreichen australischen IOC-Mitglieds John Coates ist, einem engen Verbündeten des deutschen Ringe-Präsidenten Thomas Bach. Zugleich gilt auch, dass die deutsche Sportpolitik international nicht gut aufgestellt ist. Sportmanager Mronz verwies am Mittwoch spitz darauf, dass laut IOC die Entscheidung auch "auf die starke Unterstützung von Brisbane durch das australische Nationale Olympische Komitee zurückzuführen, die im Falle Deutschlands leider nicht gegeben gewesen sei".

In der Tat war der DOSB - und nur der DOSB kann sich gemäß Statuten um Olympia bewerben - in den vergangenen Jahren tendenziell zurückhaltend. Zwar gab es immer wieder allgemeine Plädoyers, dass man wieder Olympische Spiele wolle, aber dass Rhein und Ruhr eine Herzensangelegenheit sei, war nie richtig zu spüren. Viele im DOSB wünschten sich eher Berlin, aber sie mussten spätestens Ende 2019 erkennen, dass aus der Hauptstadt kein vernünftiges Konzept kommen würde. Von daher blieb Rhein-Ruhr der einzige Kandidat.

Noch rund um die Mitgliederversammlung im vergangenen Dezember wies DOSB-Boss Hörmann recht nüchtern darauf hin, dass noch Fragen zu klären seien, etwa die Finanzierung. Auch war nie eindeutig festgelegt worden, wie sich die Olympia-Macher die Bürgerbeteiligung vorstellten, ohne die eine Bewerbung zumindest in Deutschland nicht mehr denkbar ist. Zuletzt endeten zwei Bewerbungen am Nein der Bevölkerung: München 2022 sowie Hamburg 2024. Insgesamt sind damit sogar die vergangenen sieben deutschen Olympia-Bemühungen gescheitert - aus unterschiedlichen Gründen.

Für 2036 kommt eine Bewerbung eher nicht infrage

Erstaunlich bleibt gleichwohl der kommunikative Wirrwarr dieser Woche. Denn am Mittwochabend teilte das IOC mit, dass der DOSB zu Jahresbeginn erklärt habe, sich nicht an der weiteren Dialogphase um die Bewerbung 2032 beteiligen zu wollen. Der Öffentlichkeit gegenüber hatte der deutsche Dachverband so eine Entscheidung nicht bekannt gemacht. Doch Laschets Interview aus dieser Woche und Mronz' erste Reaktion wirken ja fast so, als sei ihnen das auch nicht klar gewesen. Der DOSB verwies auf Anfrage aber darauf, dass alle Schritte fortlaufend mit der Rhein-Ruhr-Initiative und Mronz abgestimmt gewesen seien, der wiederum im ständigen Kontakt mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung und allen Partnern der Initiative stehe.

Mronz beantwortete eine Anfrage nicht. Die nordrhein-westfälische Staatskanzlei wies lediglich sturköpfig darauf hin, dass man sich auf den Weg gemacht habe, "in die Zeit passende" Olympische Spiele ausrichten zu können. Am Freitag gebe es ohnehin ein Treffen zwischen der Landesregierung, den beteiligten Kommunen und der Initiative, da würden die aktuellen Entwicklungen beraten. Der DOSB erklärte, man wolle gemeinsam mit der Privatinitiative das weitere Vorgehen besprechen.

Die entscheidende Frage ist nun, für wann es wieder eine Bewerbung geben könnte: 2036 kommt für viele nicht infrage - genau 100 Jahre nach den von den Nationalsozialisten missbrauchten Spielen von Berlin. Dennoch bringen manche im Sport und insbesondere in der Hauptstadt dies immer wieder als Idee vor, die es zu diskutieren gelte. Als wollten sie es darauf anlegen, auch ein achtes Mal nacheinander zu scheitern.

© SZ/mp/klef/jkn
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