Olympische Spiele 2016 Segeln in der Kloake

Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ist die Verschmutzung in der Guanabara-Bucht sehr hoch.

(Foto: Getty Images)

Ein Jahr vor den Sommerspielen in Rio de Janeiro sind die Zustände im Segelrevier in der Guanabara-Bucht fürchterlich. Die Sportler könnten sich weigern, dort anzutreten.

Kommentar von Johannes Aumüller

Fünf Olympische Spiele stehen im nächsten Jahrzehnt an, und wenn sich die Damen und Herren vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bei ihrer Session in Kuala Lumpur mit diesen Veranstaltungen beschäftigen, sind sie fast schon ein bisschen zu bedauern. Denn wo auch immer sie hinblicken: Grund für große Vorfreude gibt es nirgends.

Für 2024 zieht selbst eine grundsätzlich sportbegeisterte Stadt wie Boston die Kandidatur zurück, auch, weil die Ablehnung gegenüber dem IOC und seinen Protagonisten überwiegt. Für 2022 wird die Session am Freitag Almaty oder Peking wählen , also auf jeden Fall einen autokratischen Vertreter, was die Denkrichtung des IOC unterstreicht - und in den demokratischen Gesellschaften den Olympia-Skeptikern weiter Auftrieb geben dürfte, auch in Hamburg. Für Tokio 2020 laufen die Baukosten aus dem Ruder. Für die Retortenspiele 2018 von Pyeongchang mahnt IOC-Mitglied Gunilla Lindberg als Vorsitzende der Koordinierungskommission schon jetzt etwas mehr Interesse der Bevölkerung an. Und 2016 in Rio sind zwar wunderbare Zuckerhut-Bilder zu erwarten - aber auch ganz und gar nicht wunderbare Sportstätten für die Freiwassersportler.

Katastrophale Voraussetzungen für die Athleten

Die Zustände im geplanten Segelrevier in der Guanabara-Bucht sind Berichten von Experten und Sportlern zufolge fürchterlich. Der Ort ist eine einzige Kloake, weil die Abwässer der Stadt zum großen Teil ungefiltert dort hineinlaufen. Je nach Wind- und Wetterlage treiben Müll und Tierkadaver herum. Seit Monaten warnen Mediziner vor den gesundheitlichen Gefahren, denen sich Athleten aussetzen. Einige Sportler berichten bereits von Erkrankungen. Am Donnerstag veröffentlichte die Nachrichtenagentur AP die Ergebnisse von vier unabhängigen Tests aus dem vergangenen Quartal, nach denen die Werte nicht nur bei den Seglern, sondern auch im See Rodrigo de Freitas, wo Kanuten und Ruderer starten sollen, mehr als bedenklich sind.

Das IOC und der Fußball-Weltverband sind es gewohnt, dass es am Veranstaltungsort kurz vor dem Event noch unfertig aussieht. In der Regel wird dann noch ordentlich gebaut und gehämmert (und der Etat in die Höhe getrieben) - aber irgendwie fertig wird's schon. Eine Bucht kann man nicht im letzten Moment herrichten. Das Wasser einmal komplett zu reinigen, ist quasi so unmöglich wie das IOC einmal komplett zu säubern. Die Verantwortlichen in Rio haben schon eingeräumt, dass sie ihre versprochenen Ziele weit verfehlen werden.

Es ist nun die Frage, wie die betroffenen Athleten darauf reagieren. Vielleicht würden IOC und lokale Organisation solche Themen anders angehen, wenn sich die komplette Elite einer Sportart auch mal weigern würde, unter inakzeptablen Bedingungen anzutreten.

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