Novak Djoković bei Olympia:Die Siegmaschine ist in Wirklichkeit ein Mensch

Novak Djoković bei Olympia: Sichtlich ausgelaugt - und ohne Olympia-Medaille: Novak Djoković.

Sichtlich ausgelaugt - und ohne Olympia-Medaille: Novak Djoković.

(Foto: Vincenzo Pinto/AFP)

Novak Djoković verpasst Platz drei bei Olympia und lässt ein paar ungewohnte Spähblicke in sein Inneres zu. Sein Verzicht auf das Spiel um Mixed-Bronze hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.

Von Holger Gertz, Tokio

Wenn ein Sportler so selten mit Niederlagen zu tun bekommt wie Novak Djoković, ist man womöglich irgendwann geneigt, ihn für immun gegen Niederlagen zu halten. Aber das ist er natürlich nicht, so wenig wie jeder andere, und das olympische Tennisturnier in Tokio hat das gerade recht griffig bewiesen.

Novak Djoković, Dominator aller Dominatoren und im Weltcup gerade auf dem Weg zum Grand Slam, hat nach dem Halbfinale gegen Alexander Zverev auch das Spiel um den dritten Platz verloren, zum ersten Mal. Gegen Pablo Carreño Busta, mit 4:6, 7:6 (8:6), 3:6. Wie gegen Zverev war er auch gegen den Spanier natürlich Favorit gewesen, wie gegen Zverev gab er das Spiel aus der Hand irgendwann, ungewohnt fahrig, entkräftet auch. Und jeder Seriensieger, dessen Serie reißt, verliert sofort die Abstrahlung der Unbezwingbarkeit. Djoković hat sich in Tokio in den schlagbaren Profi zurückverwandelt, der er natürlich immer schon war. Jede Siegmaschine ist in Wirklichkeit ein Mensch. Nur sieht man das jetzt wieder deutlicher.

Djokovic spürt: Gewinnen kostet auch Kraft

Dass er im Angesicht der heraufdämmernden Niederlage Schläger warf und Schläger zertrümmerte, kann man als spätpubertäre Attitüde abtun. Aber es hatte auch etwas unangenehm Selbstzerstörerisches. Danach ließ Djoković immerhin ein paar ungewohnte Spähblicke in sein Inneres zu, "es ist die DNA von Profisportlern, alles zu geben", sagte er, aber auch: "Die Erschöpfung hat mich körperlich und geistig gepackt."

Da ist einer womöglich überspielt, da hat einer sich müde gewonnen. Weil Gewinnen kostet auch Kraft. Alexander Zverev hatte es schließlich schon nach dem Halbfinale gesagt: niemand kann immer siegen. Dass Djoković fürs Mixed allerdings zurückzog und seine Partnern Nina Stojanovic um die Medaillenchance brachte, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Bronze ging kampflos an das australische Duo Ashleigh Barty/John Peers. Aber wenn es doch in der DNA eines Profisportlers liegt, alles zu geben - hätte der große Meister sich dann fürs Mixed doch noch mal aufraffen sollen?

Die Frage wird Djoković womöglich selbst noch ein wenig beschäftigen. Wobei: Offiziell hinderte ihn am Spiel im Mixed eine Verletzung an der linken Schulter.

© SZ/fhas/tbr
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