Olympia 2026 Winterspiele kehren nach Europa zurück

Die italienische Delegation jubelt über den Zuschlag.

(Foto: AFP)
  • Mailand wird 2026 Schauplatz der Olympischen Winterspiele.
  • 20 Jahre nach den Spielen in Turin wird das Sportereignis nicht nur wieder nach Italien, sondern in eine klassische Wintersportregion in Europa zurückkehren.
Von Johannes Aumüller

Thomas Bach gab sich recht viel Mühe, gut gelaunt rüberzukommen. Zumindest versuchte es der Präsident des Internationalen Olympische Komitees (IOC) im Laufe des Tages mit ein paar Witzchen. Nachdem die beiden Bewerberstädte für die Winterspiele 2026 jeweils einen Song in ihre finale Präsentation integriert hatten, teilte er mit, er verzichte auf eine Gesangseinlage: Sein einziges musikalisches Talent sei sein Nachname. Und als die IOC-Mitglieder vor der eigentlichen Kür das elektronische Abstimmungssystem testen sollten (Frage: Wofür ist die Schweiz bekannt? Schokolade oder Kühe?), entriss Bach seinem Generaldirektor die Moderation - der sei als Belgier beim Schoko-Thema ja befangen.

Ein wenig später präsentierte sich Bach dann nicht als scherzender Conférencier, sondern als ernsthaft dreinblickender Präsident. Da gab er nämlich bekannt, dass sich im Duell um die Winterspiele 2026 die Bewerbung von Mailand und Cortina d'Ampezzo gegen die von Stockholm und Åre durchgesetzt habe. Mit 47:34 Stimmen gewann das favorisierte italienische Duo gegen das schwedische. Mailand, wo die Eröffnungsfeier und die Eissportarten stattfinden sollen, war bisher noch nie Austragungsort von Olympischen Spielen; der mehr als 400 Auto-Kilometer entfernte Skiort Cortina d'Ampezzo hingegen schon einmal im Jahr 1956. "Italien hat gewonnen, ein ganzes Land, das vereint und geschlossen mit dem Anspruch gearbeitet hat, der Welt ein unvergessliches Ereignis zu bieten", sagte Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte. Und Thomas Bach fand, der Sieger kombiniere "die Attraktionen einer modernen europäischen Metropole und einer klassischen alpinen Umgebung".

Dabei muss sich erst noch zeigen, wie es wirklich weitergeht in Mailand, Cortina und Italien, wo die politische Lage so labil ist und die wirtschaftliche Lage schwierig. Klar ist, dass diese Veranstaltung für das Image des IOC ziemlich wichtig wird. Nach den drei Winterspiele-Ausrichtern Sotschi (2014), Pyeongchang (2018) und Peking (2022), die alle neue Märkte erschließen sollten, aber stattdessen vor allem viel Kritik sowie Korruptions- und Gigantismus-Themen einbrachten und im Falle Pekings noch verstärkt einbringen werden, sollte es unbedingt wieder in eine klassische Wintersport-Destination zurückgehen. Doch so einfach war das nicht.

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Ablauf der Wahl zeigt Transparenz-Defizite

In vielen Ländern wie Kanada, Österreich oder der Schweiz wurden die Bemühungen durch Volksentscheide gestoppt. Das IOC, sein Gebaren und die erwarteten Kosten für eine Olympia-Veranstaltung wirken trotz aller Veränderungs-Rhetorik mächtig abschreckend. Alleine die Doppel Stockholm/Åre und Mailand/Cortina blieben übrig. Aber das IOC musste hart kämpfen, dass diese beiden überhaupt im Rennen blieben - wohl auch, da dort keine Referenden statt fanden. Dass am Ende die italienische Bewerbung den Zuschlag erhielt, passt auch wieder ins Bild. Denn die Schweden mochten sich nur auf wenige Vorgaben einlassen - etwa bei der Frage der umstrittenen finanziellen Garantien.

Sehr viel war im Bewerbungs-Prozess und nun auch rund um die Vergabe von der neuen Norm und der neuen Flexibilität die Rede, weswegen Spiele nun ganz anders sein könnten als bisher. 1,4 Milliarden Euro sind als Budget eingeplant. In Mailand und Cortina existieren laut Bewerbungsbuch 80 Prozent der Sportstätten bereits. Aber zum Beispiel bei der ältlichen Rodel- und Bobbahn dürften die Renovierungskosten höher ausfallen als geplant. Es war erst das zweite Mal, dass IOC-Präsident Bach in seiner nun schon sechsjährigen Amtszeit das Ergebnis einer Ausrichter-Wahl für Olympische Spiele verkündete. Vor vier Jahren obsiegte Peking im Duell um die Winterspiele 2022 gegen Almaty 44:40, diesmal also Mailand gegen Stockholm. Die Vergabe der Sommerspiele 2024 (Paris) und 2028 (Los Angeles) zwischendurch hatte Bach so arrangiert, dass es jeweils nur einen Bewerber gab. Mit nur sechs Kandidaten vier Spiele bestücken, das ist also Bachs Olympiavergabe-Bilanz. Das sagt auch viel aus über den Zustand der olympischen Bewegung.

Daneben offenbart alleine der technische Ablauf der Wahl Merkwürdigkeiten. Bei der Vergabe der Spiele 2022 vor vier Jahren erklärten die IOC-Verantwortlichen, dass es bei der Abstimmung Probleme mit dem elektronischen System gegeben habe; die Mitglieder mussten noch einmal klassisch mit Zetteln ran. Nun wurde die Ton-Übertragung aus dem Plenum (in dem sich während des Votums nur IOC-Vertreter befinden dürfen) einfach ausgeblendet, noch ehe Bach das Ergebnis der Kernfrage "Kühe oder Schokolade verkünden konnte. Als die 2026er-Wahl anstand, war gar nichts mehr zu hören - laut IOC "ein rein technisches Problem".

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