Olympia in Deutschland Größte Chancen wohl erst 2032

Da erstaunt, dass schon so konkrete Pläne zu Tegel, Sanssouci und Co. kursieren, wenn doch die Bürgerbeteiligung gerade erst im Gange ist. Interessant ist zudem, dass im Berliner Parlament der Fragenkatalog zur Olympiabewerbung erst Mitte September ein Thema sein wird - er da aber schon einige Wochen beantwortet beim DOSB liegt.

Die Sache hat weitere Haken: Eine Bewerbung würde viel Geld kosten (zwischen 40 und 60 Millionen Euro) - hätte aber für 2024 aus sportpolitischen Gründen fast keine Chance. Der Deutsche Fußball-Bund hat die Austragung der EM 2024 fest im Visier, alles deutet darauf hin, dass er sie erhält. Die zwei größten Sportveranstaltungen eines Jahres binnen weniger Wochen in einem Land auszutragen, ist aber nicht vorstellbar.

Überdies wartet auch in der olympischen Welt selbst ein enormes Hindernis: Die Kandidatur einer amerikanischen Stadt gilt als abgemacht, jüngst verkürzten die Gremien die breite Bewerberpalette auf eine Vierer-Liste: Boston, Los Angeles, San Francisco, Washington. Beobachter sind überzeugt, dass das IOC trotz (oder wegen) seiner verstärkten Hinwendung gen Osten eine US-Bewerbung nicht noch einmal ignorieren könnte. Auch aus finanziellen Gründen.

Noch immer sind ja viele maßgebliche Sponsoren des Ringe-Clans US-Firmen, im Mai schloss das IOC mit dem US-Fernsehen einen Rekordvertrag über fast acht Milliarden Dollar ab. Daneben peilt auch das im Weltsport immer einflussreichere Russland baldige Sommerspiele in Wladimir Putins Heimatstadt Sankt Petersburg an. Und mit Putin versteht sich der neue IOC-Chef Bach auffallend gut, wie Teile des politischen Berlins indigniert beobachten.

Bessere Chancen hätte eine deutsche Bewerbung also für 2028 oder - noch eher - für 2032. Dieses Datum würde ja gerade aus der Warte des IOC-Chefs Bach Sinn ergeben, dessen persönliche Motive in der Vergangenheit auffallend deckungsgleich waren mit der jeweiligen sportpolitischen Haltung in Deutschland. Läuft alles glatt, könnte sich der 2013 gewählte Wirtschaftsanwalt gemäß IOC-Statuten 2021 noch einmal für vier Jahre im Thronamt bestätigen lassen - und dann zur Abschieds-Session 2025, sozusagen als letzte Amtshandlung an der IOC-Spitze, den Zettel mit einer besonderen Aufschrift aus dem Umschlag ziehen: 2032 - Berlin. Das könnte der Beginn einer schönen neuen Rolle sein.

Und zuvor, in seiner Amtszeit als IOC-Chef, müsste sich der deutsche Präsident nicht mit Tücken und Untiefen einer deutschen Bewerbung herumschlagen.