Olympia-Aus für Lindsey Vonn:Tut alles so weh

Lesezeit: 2 min

Injured Lindsey Vonn out of Winter Olympics in Sochi

Endgültig nicht bei Olympia: Lindsey Vonn.

(Foto: Barbara Walton/dpa)

Lindsey Vonn wollte ohne Kreuzband im Knie Olympiasiegerin werden. Einen Monat vor den Winterspielen in Sotschi muss die US-Amerikanerin jedoch einsehen, dass ihr Plan zu kühn war. Vonns Verzicht ist ein Verlust - aber eine Entscheidung aus Vernunft.

Von Michael Neudecker

Lindsey Vonn hat es wirklich versucht, so sehr, dass zuletzt nicht mehr ganz klar war, was von diesem Versuch zu halten ist. Beim Abfahrtsrennen der Olympischen Winterspiele starten, mit durchgerissenem Kreuzband? Nach immer wiederkehrenden Rückschlägen und erneuten Verletzungen desselben Knies? "Olympia ist mein Traum", sagte Vonn noch vor ein paar Wochen, und: "Ich werde weiterfahren", das war kurz nach dem Rennen in Val d'Isère, bei dem sie fast gestürzt wäre, weil ihr Knie in einer Kurve nachgab.

Am Dienstagnachmittag nun, genau einen Monat vor der Eröffnungsfeier in Sotschi, beendeten Vonn und der US-Skiverband diesen Versuch. Um 15.28 Uhr MESZ gab der Verband bekannt, was die alpine Szene in den vergangenen Tagen bereits befürchtete: Lindsey Vonn muss ihre Olympia-Teilnahme absagen. Noch kurz vor Jahreswechsel hatte Alex Hödlmoser, der Cheftrainer der US-Skifrauen, gesagt, sie werde vor Olympia womöglich gar kein Rennen mehr bestreiten, zur Sicherheit. Bei einer jüngeren Fahrerin, hatte Alpinchef Patrick Riml angefügt, wäre die Entscheidung längst gefallen: gegen Olympia.

"Niederschmetternd" sei das für sie, so wurde Vonn am Dienstag zitiert, sie habe "alles mögliche getan, um trotz des Fehlens des vorderen Kreuzbandes stark genug zu sein", aber ihr Knie sei "einfach zu instabil, um auf diesem Level zu fahren". Sie werde demnächst erneut operiert, um dann für die WM in ihrer Heimat Vail im Februar 2015 bereit zu sein. Und schließlich, um es positiv zu sehen: "Das bedeutet, dass es einen zusätzlichen Platz für eine meiner Teamkolleginnen gibt", schrieb Lindsey Vonn, aber das wollte in den USA natürlich niemand hören. Eine ihrer Teamkolleginnen?

Der TV-Sender NBC hat viel Geld für die Übertragung der Spiele bezahlt, Lindsey Vonn sollte das Gesicht der Spiele werden, ihre kreuzbandlose Jagd nach Gold in Endlosschleife die amerikanischen Wohnzimmer und Küchen und Bäder und Bars berieseln. Sie haben nun noch das 18-jährige Slalom-Wunderkind Mikaela Shiffrin, gewiss, und sie haben die gut vorzeigbare Julia Mancuso, aber Slalom ist nicht Abfahrt, und Mancuso ist nicht Vonn.

Entscheidung aus Vernunft

Ihr Verzicht ist ein Verlust für die Winterspiele und ein Verlust für NBC, aber er ist eine Entscheidung aus Vernunft. Nach ihrer schweren Knieverletzung im Februar 2013 bei der WM in Schladming war Vonn im August zwar beim Trainingslager in Chile auf Schnee zurückgekehrt, hatte sich dann aber im November während des Trainings in Copper Mountain erneut verletzt: Ihr zuvor angerissenes Kreuzband war dabei durchgerissen.

Anfang Dezember kehrte sie in den Weltcup zurück, wurde unter anderem Fünfte beim Super-G in Lake Louise, aber da war schon zu sehen, dass Lindsey Vonn nicht mehr die gleiche ist. Das gerissene Kreuzband zwang sie, ihren Fahrstil zu verändern, sie fuhr kompakter, um bei hoher Geschwindigkeit sicherer auf dem Ski stehen zu können. Lindsey Vonn, so sah es aus, fuhr vorsichtiger, um nicht zu stürzen, aber wer vorsichtig fährt, gewinnt kein Abfahrtsrennen.

Wer bremst, verliert, sagen sie in der Skiwelt. Lindsey Vonn konnte gar nicht anders, als abzusagen: Sie ist schlecht im Verlieren.

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