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Olympia 2022 in Peking:In China verbrennen sich Tibeter

Heute verbrennen sich in China Tibeter, dem Internet wird noch das letzte Quäntchen freier Geist ausgetrieben, und die Zivilgesellschaft wird systematisch ausgerottet. KP-Chef Xi Jinping agiert noch repressiver als seine Vorgänger, in den vergangenen drei Wochen haben die Behörden mehr als 250 Bürgerrechtsanwälte und ihre Mitstreiter verhört, verschleppt und verhaftet.

Dass die Behörden dem Künstler und Regierungskritiker Ai Weiwei soeben seinen Reisepass wiedergaben, ist Teil des zynischen Spiels, eine billige PR-Aktion Pekings wenige Tage vor der Entscheidung des IOC. Andere sitzen weiter im Gefängnis: Die Journalistin Gao Yu, der uigurische Bürgerrechtler Ilham Tohti, der Autor Liu Xiaobo, dem 2010 der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde.

Der Verlierer ist die Olympische Bewegung

Tatsächlich ist China das erste Land, das die Olympischen Spiele zuerkannt bekommt, während es einen Friedensnobelpreisträger hinter Gittern sitzen hat. Liu Xiaobo hatte seine Freiheit übrigens am 9. Dezember 2008 verloren - keine vier Monate nach der Abschlussfeier der Sommerspiele in Peking. Die KP wird nun für ihre Chuzpe belohnt. Und alle Diktatoren der Welt dürfen sich in ihrem Verdacht bestätigt fühlen, dass alles hehre Gerede von Menschenwürde und Bürgerrecht bloß scheinheiliges Geschwätz ist.

Der Gewinner der Abstimmung vom Freitag ist Peking; der Verlierer ist die olympische Bewegung.

© SZ vom 01.08.2015/fued
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