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Felix Neureuther:"Es gab Tage, da dachte ich: 'Das funktioniert gar nicht mehr'"

Audi FIS Alpine Ski World Cup - Men's Slalom

Nach dem Knie macht der Daumen Felix Neureuther Probleme.

(Foto: Getty Images)

Eine seiner wichtigsten Erfahrungen in den vergangenen Monaten, sagt Felix Neureuther, war ein Sturz. Es geschah im September, Neureuther tänzelte damals zum ersten Mal seit langer Zeit wieder "richtig am Limit", und wenn Skirennfahrer richtig am Limit tanzen, dann stürzen sie ab und zu, das gehört zum Beruf. "Da hat es mich mal richtig zerlegt", erinnert sich Neureuther, "aber das war sehr, sehr wichtig für mich. Das war so mein Knietest, dass du anschließend sagen kannst: Boah - und das hat das Knie ausgehalten?" Nur die Tage nach dem Sturz, die waren, nun ja, Neureuther hält kurz inne. "Na, das hat schon alles gepasst", sagt er, dann lächelt er sein Felix-Neureuther-Lächeln. Es ist so ein spitzbübisches Lächeln.

Der Knietest, der war also ein kleines Erweckungserlebnis. Denn so hatte die ganze Geschichte ja angefangen, zehn Monate zuvor: Neureuther hatte sich im Training in Nordamerika am Limit bewegt, es hatte ihn richtig zerlegt, nur das Kreuzband im linken Knie hielt damals halt nicht, es riss. Die Saison, die für Neureuther kurz zuvor mit einem Weltcup-Sieg in Levi begonnen hatte, war schon wieder vorbei, inklusive der Winterspiele im Februar 2018. Vier Jahre zuvor, vor den Spielen in Sotschi, war Neureuther auf dem Weg zum Flughafen in eine Leitplanke gerauscht, er reiste später mit einem Schleudertrauma nach Russland, seine große Form war da bereits zerbröckelt. Nun, nach dem Kreuzbandriss im November 2017, war auch seine letzte Chance auf eine Olympiamedaille dahin, die Spiele in Südkorea sollten ursprünglich ja seine letzten sein. Und so schwang damals auch die Frage mit: Wie geht das weiter, mit Neureuthers ramponiertem Körper und seiner Karriere? Geht es überhaupt noch mal weiter?

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An diesem Wochenende kehren die Skirennfahrer in die finnische Stadt Levi zurück, die Frauen fahren am Samstag den ersten Slalom des Winters, die Männer am Sonntag. Für die Männer ist es auch die Saisoneröffnung, ihr Riesenslalom in Sölden fiel zuletzt aus, und die Technik-Abteilung des Deutschen Skiverbandes (DSV) dürfte Levi nicht nur deshalb gespannt entgegenblicken. Sie heißen Fritz Dopfer wieder willkommen, den WM-Zweiten von 2015, der im vergangenen Winter mit den Folgen eines Schienbeinbruchs beschäftigt war und dem zuletzt die Adduktoren schmerzten. Sie freuen sich auf Stefan Luitz, den Riesenslalom-Experten, der im vergangenen Winter in großer Form war, ehe auch ihm das Kreuzband riss. Und sie sind, klar, auf Felix Neureuther gespannt, auf ihr erfolgreichstes und erfahrenstes Rennpferd, das sich mit neuen Plänen in den Winter aufmacht - auch wenn sich über diese Vorfreude am Freitag ein großer Schatten legte: Der 34-Jährige blieb bei einem Schwung mit der rechten Hand in einem Loch hängen und brach sich den Daumen. Am Samstag stand dann fest: Neureuther wird das Rennen auslassen und sich am Daumen operieren lassen, seine Rückkehr wird sich um weitere sechs Wochen verschieben, mindestens.

Freude und Schmerz liegen bei Neureuther also weiter eng beieinander, wobei er auf die jüngste Episode lieber verzichtet hätte. Er war ja erst im Sommer durch eine See an Zweifeln geschwommen, als der Schnee weit weg war und Neureuther nach seiner Kreuzband-OP jeden Tag an seine Verletzlichkeit erinnert wurde. "Du siehst, was die anderen für Gewichte lupfen", sagt er, "und du kannst es nicht, weil das Knie so weh tut." Währenddessen wartete die Familie zu Hause, Neureuther war vor seiner Verletzung erstmals Vater geworden: "Da fragst du dich schon: Du bist jetzt 34, machen die ganzen Stunden noch Sinn, die du in das Bein investieren musst? Als ich später gesehen habe, wie es auf Schnee gegangen ist, hat es schon wieder Spaß gemacht. Aber davor gab es oft Tage, an denen ich dachte: ,Das funktioniert gar nicht mehr'."