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NBA: Dirk Nowitzki:"Gut, aber nicht gut genug"

Dirk Nowitzki und seine Dallas Mavericks streben wie immer nach dem NBA-Titel - den traut ihnen außerhalb von Dallas aber kaum einer zu. Grund dafür ist das Alter der Schlüsselspieler.

In der Sommerpause gab es einige bemerkenswerte Wechsel in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA, vor allem die Meisterschaftskandidaten verstärkten sich für die an diesem Dienstag beginnende Saison 2009/10. Die Titelverteidiger Los Angeles Lakers holten für ihre Verteidigung den talentierten, aber schwer erziehbaren Ron Artest, 29, der einst eine ganze Saison aussetzen musste, weil er sich mit Zuschauern geprügelt hatte.

Dirk Nowitzki

Dirk Nowitzki von den Dallas Mavericks.

(Foto: Foto: dpa)

Die Cleveland Cavaliers engagierten derweil Shaquille O'Neal, 37, den früher dominierenden Center der Liga, damit er ihrem aufstrebenden Anführer LeBron James, 24, zur Seite steht. Und die San Antonio Spurs verpflichteten den vielseitigen Antonio McDyess, 35, der fast jedem Klub auf fast jeder Position gut getan hätte.

Der aus Sicht der Dallas Mavericks beste Transfer des Sommers war derjenige von Cristal Taylor vom Bezirksgefängnis von Dallas in die St.-Charles-Haftanstalt nach Missouri, wo sie eine fünf Jahre dauernde Strafe wegen Betrugs, Diebstahls und Verstoßes gegen Bewährungsauflagen absitzen muss. Nach der Verurteilung wurde zudem bekannt, dass die 37-Jährige doch nicht schwanger ist von ihrem ehemaligen Verlobten, dem deutschen NBA-Profi Dirk Nowitzki, wie sie zunächst behauptet hatte.

Und das, so stimmten die Berichterstatter in Dallas und Umgebung überein, sei vor dieser Saison die beste Nachricht überhaupt gewesen für die Mavericks. Der (wie etliche andere Männer vor ihm) von Taylor getäuschte Nowitzki hatte ja für alle Fälle das Sorgerecht für das Kind beantragt - es wäre nicht auszudenken gewesen für den Klub, hätte sein wichtigster Spieler in der entscheidenden Saisonphase seine Gedanken beim Windelwechseln gehabt.

So aber kann sich Dirk Nowitzki nun sorgenfrei auf seine Aufgabe bei den Mavericks konzentrieren. Und die lautet unverändert, wie seit einigen Jahren: den NBA-Titel nach Dallas zu holen.

Nicht gut genug fürs Finale

Zwar haben sich auch die Mavericks verstärkt, am prominentesten mit Shawn Marion von den Toronto Raptors, der immer für eine zweistellige Punktzahl gut ist und manchmal auch für eine zweistellige Zahl von Rebounds. Außerdem kamen die groß gewachsenen Tim Thomas (New York Knicks) und Drew Gooden (San Antonio), welche als Einwechselspieler dem Kader eine Tiefe geben, die er nicht hatte. Trotzdem traut den Mavericks kaum jemand den Titelgewinn zu.

"Sie haben sich signifikant verbessert, sind aber das geblieben, was sie seit neun Jahren sind", findet das ESPN Magazine: "Gut, aber nicht gut genug." Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch die Sports Illustrated. Dort hieß es: "Die Mavericks sind viel zu talentiert, um nicht wenigstens 50 Spiele zu gewinnen", die Marke, welche in der NBA die guten von den sehr guten Teams trennt, "aber sie sind bei weitem nicht gut genug, um ins Finale zu kommen." Schon mit dem Halbfinale, so die einhellige Meinung, könnte Dallas sehr zufrieden sein.

Vor allem das Alter der entscheidenden Spieler gilt als problematisch: Vier der fünf Kandidaten für die Startformation sind jenseits der Dreißig - Spielmacher Jason Kidd, 36, und Center Erick Dampier, 34, sowie die Flügelspieler Nowitzki und Marion, beide 31. Nur Josh Howard ist jünger, aber auch schon 29 und zudem verletzungsanfällig - gerade kuriert er eine Operation am Sprunggelenk aus. Die vermutlich wichtigsten Ergänzungsspieler Jason Terry und Tim Thomas sind 32. "Für Dallas heißt es: jetzt oder nie", schrieb der ESPN-Kolumnist Chad Ford, "ich neige zu: nie."

Bei den Mavericks sehen sie das erwartungsgemäß vollkommen anders. "Für das, was wir erreichen wollen, ist Erfahrung extrem wichtig", sagt Sportdirektor Donnie Nelson. Abgesehen davon reden sie in Dallas auch deshalb unbeirrt vom Titel, weil sie wissen: Wer es sich nicht vorstellen kann, auf dem Gipfel zu stehen, schafft es sowieso nie hinauf.

Beim geplanten Gipfelsturm vertrauen die Mavericks wie immer auf Dirk Nowitzki, zumal der sich nach der Sommerpause bestens erholt zum Trainingsstart eingefunden hatte: braungebrannt, die blonden Haare schulterlang, wie ein Surfer geradewegs vom Strand. Seine privaten Probleme schien der Würzburger verarbeitet zu haben, seinem Körper schien es gut getan zu haben, dass er ihn erstmals in seiner elf Jahre währenden NBA-Karriere nicht für die deutsche Nationalmannschaft strapaziert hatte.

"Körperlich ist er in viel besserer Form als vor einem Jahr", findet Rick Carlisle, der in seine zweite Saison als Mavericks-Coach geht. In den Testpartien spielte Nowitzki jedenfalls auf wie in seinen besten Jahren, als er sein Team in die gegen Miami verlorene Finalserie führte (2006) und zum wertvollsten Spieler der Liga gekürt wurde (2007). "Ich kann es kaum erwarten, dass es losgeht", sagte er: "Alle guten Mannschaften sind noch mal besser geworden, und ich bin gespannt, wo wir da stehen." Das wird er gleich sehen: Am Dienstag empfangen die Mavericks die Houston Rockets, am Freitag geht es zum Titelverteidiger nach Los Angeles. Danach kann man einschätzen, wer sich wie gut verstärkt hat.